Ski-Streit: Schröcksnadel geht auf FIS-Präsident Eliasch los
Ex-ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel (81) sorgt sich im TT-Interview um die Zukunft des Skisports und kritisiert den Präsident des Weltverbands, Johan Eliasch, scharf.
Sie wurden zuletzt in den Tageszeitungen „Kurier“ und „Kleine Zeitung“ mit harscher Kritik an der Amtsführung von Johan Eliasch, Präsident des Internationalen Skiverbands FIS, zitiert. Was liegt Ihrem Ärger zugrunde, haben Sie den Schweden doch bei dessen Wahl noch unterstützt?
Peter Schröcksnadel: Ich habe ihn immer wieder darauf hingewiesen, dass manche Sachen nicht gehen, aber dann hat er das doch wieder geändert.
Es geht in erster Linie um die Vermarktung des Skisports, die zentralisiert werden soll.
Schröcksnadel: Ich bin für die Zentralvermarktung! Deswegen steht der ÖSV ja so gut da. Aber das kann nur auf Augenhöhe passieren und muss den Verbänden mehr Geld garantieren. So, wie er das will, hat die FIS allein das Sagen.
Worin besteht sein Irrtum?
Schröcksnadel: Er lebt das anders, er wohnt ja woanders. Die Verbände sind die Träger des Systems, mit Alpinrennen und Skispringen wird alles andere querfinanziert. Die Verbände müssen das Geld auch anderswo verwenden können, aber die wissen nicht einmal, womit sie rechnen können. Skisport ist anders.
Und warum?
Schröcksnadel: Das ist ein Einzelsport in einer Nationalmannschaft, das stößt auf hohes Interesse.
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Können Sie ein Beispiel nennen, was nicht funktionieren kann?
Schröcksnadel: Es geht etwa um die TV-Rechte. Wenn man die den nationalen Verbänden wegnimmt und nur mehr international ausschreibt, werden gewisse Sachen nicht mehr übertragen.
Stimmt es, dass man an Sie herantrat, um interimistisch statt Johan Eliasch als FIS-Präsident zu fungieren?
Schröcksnadel: Dazu sage ich nichts. Aber ich hätte damals ja auch kandidieren können, unterstützte aber Eliasch, weil ich mir von ihm neue Ideen erhoffte.
Die Nordische Kombination der Frauen etwa ist im Wachsen. Wie schade finden Sie es, dass die Sparte 2026 nicht olympisch sein soll?
Schröcksnadel: Sehr, aber dann muss man halt auch als FIS dafür kämpfen.
Saudi-Arabien veranstaltet Asien-Spiele 2029 in der Wüste. Was halten Sie davon?
Schröcksnadel: Nichts.
Aber Sie propagierten ja in der Vergangenheit immer einen weltumspannenden Skisport, um neue Märkte zu erschließen.
Schröcksnadel: Ich kann mir Indoor-Rennen im Sommer vorstellen, auch Rennen in Australien und Neuseeland oder ein Finale in Dubai. Aber Skisport ist in Europa daheim.
Skisport in anderen Gefilden passt nicht zur Energiekrise. Wie geht es Ihren Skigebieten mit den steigenden Kosten? Schrauben Sie zurück?
Schröcksnadel: Wenn man will, kann jeder in vier bis fünf Jahren energieneutral sein, man kann etwa ein Kleinkraftwerk bauen, wie uns das vorschwebt. Oder man kann ein Snowmobil mit Wasserstoff tanken wie wir. Wenn Druck da ist, bemüht man sich auch.
Sie kritisierten zuletzt auch, dass die Tochter von ÖSV-Vizepräsident Patrick Ortlieb in der FIS als „Marketing & Sales Coordinator“ arbeitet.
Schröcksnadel: Das ist ein No-Go. Wir regen uns in der Regierung über Postenschacher auf und dann tun wir das Gleiche.
Das Gespräch führte Florian Madl