Arbeitsmarktdaten

Weniger Arbeitslose im Oktober: Niedrigste Quote seit 14 Jahren

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Die Arbeitslosenquote ist im Oktober weiter gesunken. Mit 6 Prozent ist der Oktoberwert so niedrig wie seit 14 Jahren nicht mehr. Fraglich bleibt aber, wie sich die prognostizierte Konjunkturabschwächung auf den Arbeitsmarkt auswirken wird.

Wien – Die Situation am heimischen Arbeitsmarkt ist trotz wirtschaftlich schwieriger Lage nach wie vor sehr gut. Ende Oktober waren in Österreich 319.232 Personen beim Arbeitsmarktservice (AMS) arbeitslos oder in Schulung gemeldet, um rund 22.000 weniger als vor einem Jahr und um rund 35.000 Personen weniger als im Oktober 2019, sprich vor der Pandemie. Die Arbeitslosenquote betrug Ende Oktober 6 Prozent, das ist der niedrigste Oktoberwert seit 14 Jahren.

Die Zahlen würden zeigen, dass der Arbeitsmarkt den Herausforderungen im Zusammenhang mit der geopolitischen Situation und den hohen Energiepreisen weiterhin gut standhalte, so Arbeits-und Wirtschaftsminister Martin Kocher (ÖVP) am Mittwoch laut einer Aussendung.

AMS-Chef Johannes Kopf sieht die Daten zwiegespalten: Auf der einen Seite sehe man eindeutig Hinweise auf eine deutliche Konjunkturabschwächung, Monat für Monat schrumpfe der Rückgang der Arbeitslosigkeit (inklusive Schulungen) rapide. Lag er Ende August bei minus 38.000 Personen und Ende September bei minus 32.000, so waren es Ende Oktober nur mehr minus 22.000 Personen. Auf der anderen Seite machten rückläufige Arbeitslosenzahlen, ein guter Bauarbeitsmarkt und ein gestiegener Zugang an offenen Stellen aus der Industrie Hoffnung auf „doch noch einige Monate Freude", so Kopf.

Die Arbeitslosigkeit war im Oktober in allen Branchen rückläufig, am stärksten in der Industrie (minus 12 Prozent), im Handel (minus 10 Prozent) und im Bereich Arbeitskräfteüberlassung (minus 14 Prozent), am geringsten in der Beherbergung und Gastronomie (-minus 1 Prozent). Die Zahl der Arbeitslosen (inklusive Schulungsteilnehmern) ist in allen Bundesländern zurückgegangen, am meisten in Niederösterreich (minus 12 Prozent).

Eine gute Entwicklung gab es auch am Stellenmarkt: Die Zahl der sofort verfügbaren offenen Stellen stieg gegenüber Oktober 2021 um fast 10 Prozent auf rund 123.000. Am Lehrstellenmarkt standen rund 7000 Lehrstellensuchenden mehr als 10.000 offenen Lehrstellen gegenüber.

Deutlich weniger Langzeitarbeitslose

Die Langzeitarbeitslosigkeit hat sich seit ihrem Höchststand im April 2021 mit damals 148.436 Personen beinahe auf 78.201 Personen halbiert. Der Anteil langzeitarbeitsloser Personen an der Arbeitslosigkeit lag Ende Oktober mit 24,5 Prozent um 9,1 Prozentpunkte unter dem Wert von Ende Oktober 2021. Laut Arbeitsminister Kocher war dafür maßgeblich das von der Regierung eingesetzte Programm „Sprungbrett" verantwortlich, das jene Gruppen ansprechen und fördern soll, die es besonders schwer haben, einen Job zu finden. „In Zukunft sollen besonders ältere Frauen mit dem steigenden Regelpensionsantrittsalter stärker in den Fokus der aktiven Arbeitsmarktpolitik rücken", so Kocher.

Kurzarbeit kommt derzeit aufgrund der weiterhin guten Arbeitsmarktlage und vieler offener Stellen nur punktuell zur Beschäftigungssicherung zum Einsatz: Ende Oktober waren 6339 Personen vorangemeldet. (APA)

Auch in Deutschland leichter Rückgang der Arbeitslosen-Zahlen

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Oktober im Vergleich zum Vormonat saisonüblich um 43.000 auf 2,4 Millionen zurückgegangen. Sie liege jedoch um 65.000 höher als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres, teilte die Bundesagentur für Arbeit am Mittwoch in Nürnberg mit. Die Arbeitslosenquote verringerte sich um 0,1 Punkte auf 5,3 Prozent.

"Insgesamt ist der Arbeitsmarkt weiter robust, insbesondere die Beschäftigung wächst weiter", sagte die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur, Andrea Nahles. Im Oktober 2021 hatte die Herbstbelebung auf dem Arbeitsmarkt jedoch noch einen doppelt so hohen Rückgang der Arbeitslosenzahl um damals 88.000 bewirkt. Allerdings geht die Bundesagentur weiter davon aus, dass die Geflüchteten aus der Ukraine derzeit einen Effekt auf die Zahl der Arbeitslosen haben.

Die Kurzarbeit ist zuletzt nicht mehr - wie in den Monaten zuvor - zurückgegangen. Für Nahles ist das auch eine Folge der zuletzt deutlicher werdenden wirtschaftlichen Unsicherheiten. Im August wurde den Berechnungen der Bundesagentur zufolge für 106.000 Menschen konjunkturelles Kurzarbeitergeld beantragt. Zwischen dem 1. und 26. Oktober gingen Anzeigen für weitere 86.000 Beschäftigte ein. Ob diese jedoch realisiert werden, ist nicht gewiss.

Auf dem Ausbildungsstellenmarkt zeichnet sich eine größer werdende Lücke zwischen Angebot und Nachfrage ab. "Noch nie seit der Wiedervereinigung waren die Chancen auf eine Ausbildungsstelle so gut. Allerdings haben die Besetzungsprobleme für die Unternehmen merklich zugenommen", sagte Nahles.

Der Bundesagentur seien bis September 2022 insgesamt 546.000 Berufsausbildungsstellen gemeldet worden, um 23.100 weniger als im Vorjahreszeitraum. Dem stehen 422.400 Bewerberinnen und Bewerber gegenüber, um 11.100 weniger als voriges Jahr. Am 30. September waren noch 68.900 Stellen unbesetzt und 22.700 junge Leute noch unversorgt.

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