Salzburg verliert bei AC Milan 0:4 und steigt in Europa League ab
Milan-Stürmerstar Olivier Giroud und defensive Unsicherheiten brachten die Niederlage. Die Salzburger ließen vor allem in der ersten Hälfte mehrere Möglichkeiten liegen. Mit dem dritten Platz in der Gruppe steigt Salzburg in die Europa League ab.
Mailand – Es ist zwar nicht der erträumte Aufstieg ins Achtelfinale der Fußball-Champions-League geworden. Dennoch überwintert Red Bull Salzburg nach einem 0:4 (0:1) am Mittwoch bei AC Milan international, ist im Frühjahr in der Zwischenrunde der Europa League vertreten. Altmeister Olivier Giroud (14., 57.), Rade Krunic (46.) und Junior Messias (91.) sorgten für einen letztlich verdienten Sieg der Hausherren, die erstmals seit 2014 wieder unter den Top 16 der Königsklasse stehen.
Salzburger mit Platz 3 in die Europa League
Salzburg, das mit einem Sieg den zweiten CL-Achtelfinalaufstieg in Folge fixiert hätte, im Falle einer Niederlage bei einem gleichzeitigen Sieg Dinamo Zagrebs bei Chelsea aus allen Bewerben ausgeschieden wäre, belohnte sich für mehrere gute Chancen in der ersten Hälfte nicht, wurde beinhart für defensive Unordnung bestraft und hatte nach Milans 2:0 quasi mit Wiederanpfiff keine Mittel mehr, um die Partie noch zu drehen. Als Gruppendritter hinter Chelsea (13) und Milan (10) belegen die "Bullen" mit 6 Punkten noch vor Zagreb (4) Platz drei in Gruppe E.
Angefeuert von rund 4000 Fans - und damit einer in der Red-Bull-Ära historischen Zahl bei Auswärtspartien - versuchte Salzburg im mit mehr als 70.000 Zuschauern besetzten San Siro wie schon im Hinspiel mit seinem Pressing orientierten Pfeif-drauf-Ansatz Druck zu machen. Milan hatte das Heft prinzipiell in der Hand, lancierte schon zu Beginn mehrere Angriffe samt eines Schusses von Theo Hernandez an die Stange des langen Ecks (3.) und das 1:0 durch Giroud. Der Franzose profitierte dabei von schlechter Zuordnung, konnte infolge eines Eckballs aus wenigen Metern einnicken.
Fast jeder Angriff Milans strahlte Gefahr aus. Vor allem, wenn es über die linke Seite ging, wo Kapitän Hernandez und Rafael Leao ein kaum zu bändigendes Tandem bildeten. So wie in der 26. Minute, als das vermeintliche 2:0 durch Giroud wegen Abseits aberkannt wurde. Oder in der 40., als Rafael Leao im letzten Moment vom Ball getrennt wurde.
Einige Chancen in den ersten 45 Minuten
Salzburg präsentierte sich aber alles andere als harmlos, verwandelte die sich bietenden Räume mehrmals in gute Chancen. Bei der ersten wurde Maurits Kjaergaard geblockt (11.). Direkt nach dem Tor war es Junior Adamu, der aus der Drehung erst direkt Goalie Ciprian Tatarusanu anschoss und dann mit einem Fersler scheiterte (17.). Später traf noch Kjaergaard mit einem Weitschuss daneben (38.), Luka Sucic (38.) und Adamu (45.) prüften jeweils Tartarusanu. Dazu kam eine umstrittene Rettungsaktion im Strafraum gegen Noah Okafor. Der VAR sah aber keine Veranlassung, Schiri Mateu Lahoz zum Bilderstudium aufzufordern (29.).
Reaktionen nach dem Spiel
Matthias Jaissle (Salzburg-Trainer): "Der Auftritt war sehr couragiert. Es war leider so, dass der Gegner auf jeder Position absolute Weltklasse hat. In den jeweiligen 16ern ist die Partie entschieden worden. Es war absolute Kaltschnäuzigkeit von Milan, wir haben es leider nicht geschafft, den Ball im Netz unterzubringen. Die Statistik zeigt, dass wir durchaus Paroli bieten konnten. Dass es in der Kabine genickte Gesichter gab ist klar, wir hatten uns sehr viel vorgenommen. Aber es war eine richtig gute, starke CL-Saison. Wir haben unser Ziel erreicht, deswegen gibt es ein großes Lob. Wir nehmen sicher nicht den Begriff Trostpflaster in den Mund."
Maximilian Wöber (Salzburg-Verteidiger): "Wenn man sich die ganzen 90 Minuten anschaut, dass sie vier Tore und wir kein einziges Tor geschossen haben, da merkt man diese individuelle Qualität, diese Kaltschnäuzigkeit. Wir waren in der ersten Hälfte ebenbürtig und haben sogar die besseren Chancen gehabt. Wir haben gespürt, dass da heute etwas möglich sein könnte. Wenn man in der 46. Minute mit der ersten Aktion das 0:2 kriegt, ist das eine schöne Gnackwatschen, von der haben wir uns nicht mehr erholt. Das Ziel war immer, dass wir international überwintern. Das haben wir geschafft, drum können wir stolz auf die Leistungen sein."
Philipp Köhn (Salzburg-Tormann): "Wir wollten gewinnen und weiterkommen. Europa League ist super, das hätten wir vorher auch unterschrieben. Aber in so einer Situation will man das Große schaffen. Das frühe 0:2 hat uns einen Knick gegeben, wir haben uns in der Halbzeit viel vorgenommen. Trotzdem waren unsere Chancen da."
Stefano Pioli (AC-Milan-Trainer): "Es waren anstrengende 72 Stunden, aber am Ende spüre ich große Zufriedenheit. Es war kein einfaches Spiel - taktisch und mental. Wir haben in der ersten Hälfte viel zu viel zugelassen. Das war aber nur der erste Schritt. Unser Weg in Europa ist noch nicht zu Ende. Das Achtelfinale ist nur der erste Schritt."
Der Pausenpfiff brachte auch die "Erlösung" für Innenverteidiger Oumar Solet. Der Franzose, der sich zuletzt mit Oberschenkelproblemen herumplagte und für Mittwoch fraglich schien, war im Vergleich zum jüngsten 1:2 gegen Chelsea die einzige Änderung in der Jaissle-Elf gewesen. Der Oberschenkel sollte nicht halten, zur Halbzeit musste er Bernardo Platz machen.
Der Brasilianer war genau 46 Sekunden im Spiel, als es zum zweiten Mal im eigenen Tor "klingelte". Neuerlich wirkte die letzte Verteidigungslinie, diesmal nach einer Flanke, ungeordnet. Bernardo selbst kam gegen Giroud ebenso wenig zum Kopfball wie Dedic, der Routinier leitete geschickt weiter auf den verwaisten Krunic, der ebenfalls mit Köpfchen aus wenigen Metern traf.
Nach nicht einmal einer Stunde wurden dann Erinnerungen an den 8. März wach, als Salzburg im CL-Achtelfinalrückspiel bei den Bayern mit 1:7 untergegangen war. Giroud staubte nach einem geblockten Versuch Rafael Leaos ab, den Gästen drohte eine neuerliche Abfuhr. Der extrem spielfreudige Rafael Leao traf vorerst nur die Latte (66.), in der Nachspielzeit war "Joker" Junior Messias dann nach Assist von Giroud doch noch zur Stelle. Für Salzburg gab es noch einen Roller Dijon Kameris auf Tartarusanu (67.) sowie Schüsse von Kjaergaard (71.) und Sucic (78.), Letzterer sehr knapp daneben. (APA)