DeSantis als Konkurrent

Trotz Rückschlags in Midterms: Trump könnte am Dienstag Kandidatur verkünden

Der ehemalige US-Präsident könnte inmitten einer unvorteilhaften Umgebung einen neuen Anlauf aufs Weiße Haus wagen.
© AFP/Smialowski

In seinem Anwesen Mar-a-Lago will der abgewählte US-Präsident Donald Trump voraussichtlich erneut seine Kandidatur für das Präsidentenamt im Jahr 2024 bekannt geben. Ein aussichtsreicher innerparteilicher Konkurrent wurde jedoch in den Midterms massiv gestärkt.

Von Fabian Erik Schlüter/AFP

Washington – Zuletzt lief es nicht wirklich gut für Donald Trump. Viele Republikaner machen den früheren US-Präsidenten für das insgesamt enttäuschende Abschneiden der Partei bei den Midterms der vergangenen Woche verantwortlich. Und mit Floridas Gouverneur Ron DeSantis fuhr ausgerechnet jener Mann einen triumphalen Wahlsieg ein, der Trump die nächste Präsidentschaftskandidatur der Konservativen streitig machen könnte. Doch für Selbstzweifel ist Trump nie bekannt gewesen.

Jetzt könnte der Rechtspopulist vorpreschen und eine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 2024 verkünden. Für Dienstagabend (21 Uhr Ortszeit, Mittwoch, 3 Uhr MEZ) hat Trump eine "sehr große Ankündigung" in seinem Luxusanwesen Mar-a-Lago in Florida in Aussicht gestellt. Alles andere als die Bekanntgabe einer Präsidentschaftskandidatur wäre eine Überraschung. Auch wenn Berater dem 76-Jährigen nach den Kongress-Zwischenwahlen geraten haben sollen, doch noch etwas zu warten.

Ohnehin ist es viel zu früh, Trump abzuschreiben – trotz der Tatsache, dass der Ex-Präsident bei den Wahlen den Republikanern mehrere Pleite-Kandidaten aufgedrängt hatte, und trotz des kometenhaften Aufstiegs des Rivalen DeSantis, der ironischerweise den Bundesstaat regiert, in dem Trump seit seinem Auszug aus dem Weißen Haus lebt.

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Nicht erste Krise, die Trump überstanden hätte

Der Immobilienmogul hat es immer wieder geschafft, scheinbar ausweglose Krisen zu überstehen – im Wahlkampf 2016, während seiner vier von Skandalen und Affären geprägten Jahre im Weißen Haus und nach der Kapitol-Erstürmung vom 6. Januar 2021.

Nach der Attacke radikaler Anhänger des abgewählten Präsidenten auf den Kongress hatte es kurzzeitig so ausgesehen, als würden die Republikaner endgültig mit dem streitsüchtigen Volkstribun brechen, der das Land gespalten und die Welt in Unruhe versetzt hatte wie kaum ein US-Präsident vor ihm. Doch Trump gelang es binnen kürzester Zeit, seine Macht über die Republikaner wiederherzustellen.

Immer noch genießt Trump bei großen Teilen der konservativen Basis große Beliebtheit mit teils fanatischen Auswüchsen. Und in der Republikanischen Partei fehlt es nicht an glühenden Verehrern.

Bessere Ergebnisse ohne Trump als mit ihm

Aber womöglich haben die Halbzeitwahlen vom vergangenen Dienstag wirklich eine Entwicklung eingeleitet, in der die Republikaner sich von Trump lossagen. Zumal immer deutlicher wird, dass die Konservativen bei Wahlen ohne Trump besser abschneiden könnten als mit ihm.

Der Politikexperte Peter Loge von der George-Washington-Universität in der Hauptstadt Washington verweist darauf, dass bei den Midterms mehrere von Trump geförderte Kandidaten scheiterten oder schlechter abschnitten als erwartet, während innerparteiliche Trump-Kritiker ihre Rennen klar gewannen. Sein Fazit: "Man kann ein Konservativer sein, man kann prinzipientreu sein, man kann sich Trump widersetzen – und gewinnen."

Man kann ein Konservativer sein, man kann prinzipientreu sein, man kann sich Trump widersetzen – und gewinnen.
Politikexperte Peter Loge

Zahlreiche Konservative, die das Kapitel Trump beenden wollen, setzen auf DeSantis, der ebenfalls ein rechter Hardliner ist, den viele aber für politisch cleverer halten als den Ex-Präsidenten – für einen "Trump mit Hirn".

Trump erfindet bereits Spottnamen für Konkurrenten

Trump hat mit einer Reihe von Attacken gegen den Gouverneur deutlich gemacht, wie sehr er den 44-Jährigen als Bedrohung wahrnimmt. Als "Ron DeSanctimonious" – etwa Ron der Scheinheilige – verspottet er DeSantis und wirft ihm fehlende Loyalität vor, nachdem er ihm 2018 mit zum Sieg bei den Gouverneurswahlen verholfen habe.

Mit einem Start ins Präsidentschaftsrennen ganze zwei Jahre vor den Wahlen könnte Trump jetzt versuchen, früh Unterstützer hinter sich zu versammeln und andere potenzielle Kandidaten wie DeSantis und Ex-Vizepräsident Mike Pence auszubremsen.

Der Politikprofessor Jon Rogowski von der Universität Chicago sieht das als Zeichen der Schwäche des Ex-Präsidenten an, der neben seinen politischen Schwierigkeiten auch an vielen juristischen Fronten zu kämpfen hat. "Wenn er sich in einer starken Position sehen würde, müsste er seine Kandidatur nicht so früh verkünden", sagt er.

So oder so werden sich am Dienstagabend alle Blicke nach Mar-a-Lago richten. Trump schwärmt heute noch davon, wie er 2015 in seinem Trump Tower in Manhattan mit seiner Ehefrau Melania eine goldene Rolltreppe herunterfuhr, um seine erste Präsidentschaftsbewerbung zu verkünden. Viele fragen sich, welche Show er sich für dieses Mal ausgedacht hat.

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