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Ukraine beginnt sich von massiven Blackouts zu erholen

Drei Atomkraftwerke sind in der Ukraine wieder ans Netz angeschlossen. Darunter ist auch das Akw Saporischschja.

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Zerstörung nach einem russischen Raketenangriff auf ein Wohnviertel in Vyshgorod bei Kiew.
© AFP/Savilov

Kiew/New York – Das ukrainische Stromnetz ist nach den massiven Blackouts vom Vortag offiziellen Angaben zufolge wieder hergestellt worden. Drei nach russischen Angriffen vom Stromnetz getrennte ukrainische Atomkraftwerke sind in der Früh wieder ans Netz gegangen, teilte das ukrainische Energieministerium am Donnerstag mit. Die AKWs dürften demnach ab dem Abend wieder Strom liefern. Unterdessen ist am Donnerstag ein Gefangenenaustausch geplant.

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"Faktisch werden alle Gebiete der Ukraine mit Strom versorgt", sagte der Vizechef des Präsidentenbüros, Kyrylo Tymoschenko, am Donnerstag im Fernsehen. Das heißt allerdings nicht, dass auch alle Haushalte wieder Strom bekommen. Wie viele Ukrainer tatsächlich wieder Strom haben, führte er nicht aus. Am Mittwoch war nach massiven russischen Raketenangriffen auf die ukrainische Energieinfrastruktur landesweit die Stromversorgung ausgefallen. Das russische Militär hatte nach Angaben Kiews etwa 70 Raketen und Drohnen auf die Ukraine abgeschossen.

Am Mittwoch hatte der staatliche Betreiber Energoatom auf Telegram erklärt, dass das Notfallsystem der drei Akws Riwne, Piwdennoukrainsk und Chmelnyzka infolge des russischen Beschusses aktiviert worden sei. Daraufhin seien alle Reaktoren automatisch vom Stromnetz abgetrennt worden.

📽 Video | Wehrschütz (ORF) zu Blackout in Kiew

Saporischschja wieder am Stromnetz

Dem ukrainischen Energieversorger Energoatom zufolge wurde außerdem das von Russland besetzte Kernkraftwerk Saporischschja wieder an die externe Stromversorgung angeschlossen. Die Dieselgeneratoren seien abgestellt worden, wurde am Donnerstag mitgeteilt.

Die russische Atombehörde Rosatom sprach sich für die Einrichtung einer Schutzzone um Saporischschja aus - allerdings zu Moskauer Bedingungen. Behördenchef Alexej Lichatschow gab am Donnerstag der Nachrichtenagentur Interfax zufolge auch an, wie er sich die Schutzzone vorstelle: Demnach dürfe die Ukraine das Gelände weder beschießen noch versuchen, es zurückzuerobern. "Im Gegenzug, das ist klar, stationiert Russland dort keine Angriffswaffen und -kräfte, sondern nutzt nur Mittel zum physischen Schutz und der Bewachung der Anlage", sagte Lichatschow. Zugleich teilte der Rosatom-Direktor mit, alle elektrischen Leitungen um die Nuklearanlage herum seien beschädigt. Das Herunterfahren des Reaktors in den Kaltzustand biete nur "relative Sicherheit", warnte er.

Zwei Drittel Kiews noch ohne Strom

Mehr als zwei Drittel Kiews seien noch von der Versorgung abgeschnitten, erklärte Bürgermeister Witali Klitschko am Donnerstag. Die Wasserversorgung wurde wieder hergestellt, teilte er auf seinem Telegram-Kanal mit. "Doch braucht es eine gewisse Zeit, bis das Wasserleitungssystem wieder mit voller Leistung arbeitet", warnte Klitschko.

Angesichts der Blackouts hat die europäische Nachrichtenagentur-Allianz EANA für ihr Mitglied Ukrinform einen Stromgenerator gekauft, welcher der ukrainischen Nachrichtenagentur die Aufrechterhaltung des Betriebs ermöglichen soll. "Ich habe heute Mittag das konkrete Modell des Generators, die Kostenübernahme durch EANA und die Lieferung von Warschau nach Kiew frei gegeben", bestätigte EANA-Präsident und APA-Geschäftsführer Clemens Pig am Donnerstagnachmittag.

Die Ukraine und Russland planen nach Angaben von Separatisten noch am Donnerstag den Austausch von jeweils 50 Kriegsgefangenen, teilte der von Russland installierte Verwalter der annektierten ostukrainischen Region Donezk, Denis Puschilin, im Onlinedienst Telegram mit.

Leichen von Hunderten Zivilisten gefunden

Im von russischen Truppen befreiten Teil des südukrainischen Gebietes Cherson entdeckten die ukrainischen Behörden nach eigenen Angaben Folterkammern und getötete Zivilisten. "Es wurden die Leichen von 432 Zivilisten gefunden, die ermordet wurden", teilte Generalstaatsanwalt Andrij Kostin am Donnerstag im Fernsehen mit. Dazu seien neun als Folterkammern bezeichnete Räume entdeckt worden. Insgesamt seien zwölf Ermittlerteams in dem stark verminten Gebiet aktiv.

Russland dagegen betonte am Donnerstag erneut, nur militärische Ziele ins Visier zu nehmen. Dies sagte der Sprecher des Präsidialamtes in Moskau, Dmitri Peskow, vor Journalisten auf die Frage, ob die russische Führung besorgt sei wegen der Auswirkungen ihrer Angriffe auf die ukrainische Zivilbevölkerung. Die ukrainische Regierung könne das Leid der Bevölkerung beenden, indem sie den Forderungen Russlands nach einer Lösung des Konfliktes nachkomme, so Peskow. (APA/dpa)

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