Haus der Musik

Gondelgschichten in Innsbruck: In dieser Gondel wird heftig geschaukelt

Bei allem Ernst ein großer Spaß. Im Tourismusrat Tirol mit Florian Granzner, Antje Weiser, Jan-Hinnerk Arnke und Kristoffer Nowak (v. l.) gehen die Wogen hoch und in alle Richtungen.
© TLT/Birgit Gufler

Tirols Tourismus gastiert in einer Nebenbühne des Landestheaters – als reale Vorlage eines heiteren Abends.

Innsbruck – Als nativer Tiroler (alles bloß Zufall, keinerlei Verdienst!) muss man es aushalten, dass einem andere, weiter Entfernte, den Spiegel vorhalten. Als Dasiger kann man sich immer noch auf folgenden bequemen Standpunkt zurückziehen: „Bitte, ich persönlich kann da ja rein gar nichts dafür.“ Bleibt halt die Frage, warum man gegen Tiroler Zustände selbst nichts weiter unternommen hat, als die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen.

Eine aktuelle Spiegel-Vorhaltung ereignet sich seit der Uraufführung am Sonntag zum erheblichen Gaudium von (Nicht-)Tirolern im kleinen, fürs Ein-bisschen-Frechsein reservierten [K2]-Studio des Tiroler Landestheaters (Haus der Musik, Keller, am Ende des Ganges scharf links ;-)). Hier erzählt ein Quartett von Schauspielenden, drei sind nach Eigendefinition sowie genealogisch ausgewachsene Piefkes, das Stück „Gondelgschichten“. Ja, richtig, es geht um die ski-dörfliche Tiroler Dreifaltigkeit aus Bürgermeister, Hotelier und Seilbahner.

Textverfasser ist das junge Kollektiv „Institut für Medien, Politik und Theater“. Dahinter stecken (drei) weitere Nichttiroler. Dieses Trio hat den hiesigen Tourismus penibelst anhand von Fakten und mit Experten aufbereitet. Allein das Ischgler Corona-Desaster („Alles richtig gemacht!“, unsterbliches © bei Ex-Landesrat Tilg) bietet eine Spielwiese für die Recherche.

Das Schauspieler-Geviert trifft sich am Podium des Tourismusrats Tirol (Ähnlichkeiten mit real existierenden Fädenzieher-Foren sind eher kein Zufall). Besagter Rat wurde per Zufallsprinzip auserkoren, um sich konsensual über den Wintertourismus das Hirn zu zermartern.

Jeder Darsteller entspricht einem Typus Mensch, ganz aus dem Leben gegriffen. Florian Granzner ist der gelackte Abwiegler im Slim-fit-Anzügerl: „Alles nicht so schlimm, wisst ihr, wie viele Jobs vom Tourismus abhängen?“

Das Rest-Trio sieht die Allianz aus Dorf- und Liftkaisern kritisch(er). Antje Weiser erhebt fachlich-feministische Einwände gegen das Liftler-Patriarchat. Kristoffer Nowak gibt den nervigen Daten-Nerd mit exzessiv animierten PowerPoint-Folien. So einer muss ein sündiges Geheimnis haben – und er hat ... Fehlt noch Jan-Hinnerk Arnke, der sich als Naturschützer mit Schaum vor dem Mund lautstark Gehör verschafft.

Originalwortspenden – eines Ex- und eines Jetzt-Landeshauptmanns, eines Zillertaler Ämtermultis, von Querdenkern und Visionären und natürlich aus der „Piefke-Saga“, sorgen für Erheiterung. Beim coronösen Durchhaltevielstimmgesang des Landes, „Tirol haltet zsamm“, wirft sich der Tourismusrat dann rockig in Luftgitarren-Pose.

Die wackeln die Bude und die Lachmuskulatur.

Gondelgschichten. Aufgrund großer Nachfrage gibt es im [K2] des Landestheaters im Haus der Musik Zusatztermine im Dezember und Jänner. www.landestheater.at

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