Kunstraum Innsbruck

Zahnlose Geisterbeschwörung: „No More Profit“ von Heidi Holleis in Innsbruck

Die jüngste Arbeit von Heidi Holleis: „I am doing finally“, 2022 in Öl und Acryl auf Leinwand gemalt.
© Schlocker

„No More Profit“ nennt Heidi Holleis ihre Ausstellung im Kunstraum Innsbruck. In der sie sich als zur politischen Aktivistin gewandelte Esoterikerin positioniert.

Innsbruck – Heidi Holleis kennt man seit Jahren als eine, die sich als Künstlerin gern dem rational Unerklärlichen, emotional Gefühligen öffnet. In mit Rauch oder Asche „gemalten“ Bildern, denen ästhetische Qualitäten nicht abzusprechen sind, selbst wenn man das Esoterische so gar nicht mag. Die Tirolerin ist aber auch eine, die sich gern immer wieder neu erfindet. Was an sich erfreulich ist, allerdings auch gründlich schiefgehen kann. Wodurch selbst die Arbeiten von gestern in ein ungünstigeres Licht rücken.

Bereits im vergangenen Jahr war Holleis bei einem EU-Projekt des Kunstraums mit dabei, der nun zur Bühne für den ersten großen institutionellen Auftritt der 48-Jährigen wird. Mit der programmatischen Ansage „No More Profit“, die uns wohl sagen soll, dass sie nun nicht mehr allein im eigenen Unbewussten unterwegs ist, sondern sich dazu berufen fühlt, mit ihrer Malerei die Zustände der Welt anzuprangern. Den Umgang mit Ressourcen, die Ausbeutung von Mensch und Natur durch das kapitalistische System.

Als Augenöffner unterwegs zu sein ist unzweifelhaft eine der Aufgaben von Kunst, funktioniert im Fall von Heidi Holleis aber leider nicht wirklich. Da kann sie sich noch so sehr von Jacques Derridas Schriften beeindruckt zeigen bzw. den Gespenstern, die Marx und Engels in ihrem Kommunistischen Manifest beschworen haben. Sind die Geister von gestern, die sie instrumentalisiert, doch allzu zahnlos, sofern man sie überhaupt als solche wahrnimmt.

So überzeugen in ihrer Werkschau am ehesten noch ihre bereits 2016 entstandenen Aschebilder. Etwa ihre auf Kartone kollagierten kleinformatigen „Symbols“, die wie poetisch Geflügeltes daherkommen, von der Künstlerin allerdings als politisch aufgeladene Zeichen gemeint sind. Unter Transparentpapier lässt Heidi Holleis auch ihre Meditation mit einem Karl – wahrscheinlich Karl Marx – verschwimmen, ihre auf schwarzen Grund geschriebenen „Multiple Fantasies“ lässt sie immerhin schief hängen.

Neuerdings hat Holleis allerdings die Farbe für sich entdeckt. Um als – ironisch gemeinter? – Seitenhieb auf die derzeit ein Revival erlebende Ästhetik der 1980er-Jahre schrille Bilder in Öl auf große Leinwände zu malen. In denen der unersättliche, von bunten Geistern gejagte Pac Man aus dem gleichnamigen japanischen Videospiel die zentrale Rolle spielt. Unschwer zu lesen als Metapher für den Konsumwahn der westlichen Welt. Handschriftlich geht es hier plakativ bunt zu, pastellig malerisch aufgelöst in den im vergangenen Jahr entstandenen Arbeiten, die von diffusen Geistern durchpulst sind. Bilder, bei denen man ganz genau hinschauen muss, um etwa eine im Sfumato verdämmernde gelbe Palme wahrzunehmen, die wohl als visueller Kommentar zur Tourismusindustrie zu verstehen ist.

Ja, sie liebe es, unterschwellig zu verführen, sagt Heidi Holleis, mit Bildern, die so tun, als wären sie ganz harmlos. Um allerdings bei den in der Manier von Graffitis mit klaren Ansagen bestückten jüngsten Arbeiten eine brachiale Kehrtwendung zu versuchen.

Im Rahmen der heutigen Eröffnung der Schau um 19 Uhr gibt es eine kleine Kostprobe von der „Großen Sonja Ritz Show“, die zwischen dem 8. und 10. Dezember (18–20 Uhr) im Kunstraum über die Bühne gehen wird.

Info

Kunstraum Innsbruck. M.-Theresien-Str. 34; bis 18. Februar, Di, Mi, Fr, 13–18, Do 13–20, Sa 10–15 Uhr.

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