🕯️  Teil 2

Die gute Geschichte: Gekommen, um zu bleiben

Der zwölfjährige Nelvin hat gemeinsam mit seiner Mutter den Garten angelegt.
© BSIN

Wie die Arbeit in einem Gemeinschaftsgarten in Bolivien den heute zwölfjährigen Nelvin vom Unruhestifter in der Schule zum verantwortungsvollen jungen Mann gemacht hat.

Cochabamba – Stolz posiert Nelvin mit seiner Mutter in einem der kleinen Gärten, die er angelegt hat. Mittlerweile geht der Zwölfjährige in die Sekundarstufe einer Schule in Cochabamba, der viertgrößten Stadt Boliviens. Die gesamte Gartenarbeit, die er im Kontext des Projektes Kawsay Muju verrichtet, macht er als freiwilliger Helfer. Das war nicht immer so und ist ein großer Erfolg für ihn.

Etwa seit einem Jahr besucht er gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder William die Einrichtung Apoyo Educativo Integral von Kawsay Muju. Das Ziel der Stiftung ist es, Kindern und Jugendlichen durch Bildungsmaßnahmen einen besseren Start ins Leben zu ermöglichen. Darüber hinaus werden die Eltern in einen Gemeinschaftsgarten eingebunden, um den Kindern gesunde und ausreichende Ernährung zukommen zu lassen.

Das Vorhaben, die beiden Buben schulisch zu fördern, ist am Anfang nicht einfach. Bereits nach kürzester Zeit sind Nelvin und William als Unruhestifter bekannt und Ärger mit pädagogischem Personal und anderen Kindern steht an der Tagesordnung. Bis zu dem Tag, an dem sie einem der Erzieher erstmals ihre Geschichte erzählen.

Die Eltern von Nelvin und William waren als junges Paar von 16 und 18 Jahren in die Stadt gekommen. Aufgrund der zunehmenden Trockenheit und Bodenerosion gab es in der Region Nord-Potosi keine Zukunft für sie. Beide hatten mit zwei bzw. vier Jahren Grundschule kaum Schulbildung. So mussten sie sich auf einem Stück Land niederlassen und fanden nur im informellen Sektor schlecht bezahlte und unregelmäßige Arbeit. Innerhalb kurzer Zeit wurden mehrere Kinder geboren. Nelvin und William sind die beiden Ältesten.

Die Mutter blieb bei den Kindern zu Hause und das Geld wurde noch knapper. Doch wer selbst kaum lesen und schreiben kann, kann auch seinen Kindern nicht in der Schule helfen. „Deshalb sind wir gekommen“, so Nelvin bei dem Gespräch mit dem Erzieher, „und deshalb wollen wir auch nicht mehr weg.“ Am Tag nach dem Gespräch ergibt es sich zufällig, dass die beiden die Arbeit ihrer erkrankten Mutter im Garten übernehmen. Die Arbeit in diesem Gemeinschaftsgarten verändert die beiden grundlegend. Sie helfen weiterhin mit, sukzessive steigern sie Konzentration und Aufmerksamkeit, unterstützen jüngere Kinder im Garten und werden schließlich Assistenten des Gartenverantwortlichen. „Am Ende von 16 Wochen pädagogischer Unterstützung“, stellen die Projektverantwortlichen fest, „haben sich William und Nelvin zu sehr motivierten und ausdauernden Mitarbeitern entwickelt, die selbst maßgeblich zum Erfolg unseres Projekts beigetragen haben!“

Kawsay Muju ist eine Partnerorganisation von Bruder und Schwester in Not (BSIN)und wird maßgeblich durch Spendengelder aus Tirol finanziert. (TT)

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