Wenige Tage nach 92. Geburtstag

„Ein echter Wiener" ist nicht mehr: Karl Merkatz verstorben

Karl Merkatz ist gestorben.
© Manfred Siebinger via www.imago-images.de

Einer der größten österreichische Schauspieler ist nicht mehr: Karl Merkatz starb im Alter von 92 Jahren in Salzburg. Er wird vor allem durch seine Rollen als Elektriker Edmund „Mundl“ Sackbauer und Fleischhauer Karl Bockerer in Erinnerung bleiben.

Salzburg – Wenige Tage nach seinem 92. Geburtstag ist der große österreichische Volksschauspieler Karl Merkatz am Sonntagfrüh zu Hause in Salzburg-Land verstorben. Das gab seine Familie gegenüber der APA bekannt. Den Österreichern hat er sich als Fleischhauer Karl Bockerer in Franz Antels Filmen und als Edmund "Mundl" Sackbauer in Reinhard Schwabenitzkys TV-Serie "Ein echter Wiener geht nicht unter" eingeprägt: zwei raue, aber herzliche Proletarier.

📽 Video | „Mundl: Alle Menschen san ma zwider“

Geboren wurde Karl Merkatz 1930 als Sohn eines Werkzeugmachers und einer Weberin in Wiener Neustadt. Schon als Kind war er vom Theater fasziniert und spielte in einer Laiengruppe, doch auf Wunsch seiner Eltern, "eine richtiges Handwerk" zu erlernen, machte er zunächst eine Tischlerlehre.

Nach absolvierter Lehre ging er nach Zürich und verfolgte von dort sein Ziel, Schauspieler zu werden. Nach Schauspielunterricht unter anderem in Wien begann er ein Studium am Mozarteum in Salzburg, das er 1955 mit Auszeichnung abschloss.

Österreich verliere einen wahren Volksschauspieler. Niemand hat mit so viel Liebe zu den Menschen das Sympathische und Liebenswerte hinter manchmal ruppigen Oberflächen gefunden und zum Leuchten gebracht. Habe d'Ehre, Karl!
Vizekanzler Werner Kogler (Grüne)

Seine ersten Bühnenengagements hatte Merkatz am Kleinen Theater in Heilbronn und am Salzburger Landestheater. In Heilbronn lernte er auch seine Frau Martha Metz kennen, mit der er seit 1956 verheiratet ist. Danach ging er für einige Jahre nach Deutschland, wo er an den Städtischen Bühnen Nürnberg, an den Bühnen der Stadt Köln, am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, am Thalia Theater und den Münchner Kammerspielen arbeitete.

Mit Karl Merkatz verliert Österreich einen Charakterdarsteller von einzigartigem Format. Er war auf allen wichtigen Bühnen des Landes zu Hause und präsent auf den Bildschirmen der heimischen Wohnzimmer. Sein Mundl wurde zum generationsübergreifenden rot-weiß-roten Populärkult, als Bockerer spielte er sich ins Gewissen der österreichischen Nation.
Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer
Ein echter Wiener geht nicht unter.
© ORF/Archiv

Im Theater und auf der Musical-Bühne

In seinen über 150 Bühnenrollen spielte Merkatz vor allem Nestroy-, Raimund- und Shakespeare-Figuren, aber eines seiner Lieblingsstücke ist bis heute Becketts "Warten auf Godot". Am Burgtheater und bei den Salzburger Festspielen 2005 war er in "König Ottokar" zu sehen und gab im selben Jahr im "Jedermann" den armen Nachbar. Merkatz wirkte auch in Operetten mit und gastierte in Hamburg ebenso wie an der Niederländischen Oper Antwerpen.

Merkatz war nicht nur einen großartigen Volksschauspieler, sondern auch einen ganz feinsinnigen Menschen.
Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP)

1993 spielte er erstmals in einer Musicalrolle am Stadttheater Klagenfurt als "Der Mann von La Mancha" und später am Theater an der Wien als Milchmann Tevje in "Anatevka".

2009 gab er seinen Abschied von der Theaterbühne bekannt – sein großer Wunsch, einmal den "König Lear" zu spielen, ging nicht in Erfüllung. Nachdem er ab 2008 erfolgreich sein Kabarettprogramm "Der Blunzenkönig" auf die Bühne brachte, kam das Stück 2015 mit Merkatz in der Hauptrolle auch in die heimischen Kinos – beileibe nicht der einzige Leinwandauftritt des Vielseitigen.

Egal ob als Edmund 'Mundl' Sackbauer, Karl Bockerer oder auch in seinen unzähligen Theaterrollen setzte er sich ein nachhaltiges Denkmal als Publikumsliebling und österreichische Schauspiellegende.
Salzburger Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP)

📽 Video | „Der Bockerer: Anfang“

Im Lauf seiner Karriere war Merkatz in mehr als 250 Film- und Fernsehproduktionen zu sehen. Den Durchbruch und seinen bis heute prägenden Auftritt hatte er in Reinhard Schwabenitzkys "Ein echter Wiener geht nicht unter". Die Rolle des "Mundl" wurde zu einer der populärsten Fernsehfiguren der Zweiten Republik und machte Merkatz zu einem der beliebtesten Schauspieler.

Karl Merkatz stellte für viele den Inbegriff des grantelnden Wieners da, verkörpert in einer seiner populärsten Rollen, dem 'Mundl Sackbauer'. Über alle Maßen fehlen wird Karl Merkatz als Mensch und Künstler aber vielmehr für das Gegenteil. Sein Herz trug der Volksschauspieler auch abseits des Mundls auf der Zunge, jedoch immer in präziser, überlegter und feinfühliger Weise.
Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler.

2008 fand die Erfolgsgeschichte des Karl Sackbauers mit dem Film "Echte Wiener – Die Sackbauer-Saga" eine erfolgreiche Fortsetzung, der sich 2010 "Echte Wiener 2 – Die Deppat'n und die Gspritzt'n" anschloss. Seine zweite Leibrolle wurde die des "Bockerer" in Franz Antels gleichnamiger Filmreihe.

Karl Merkatz (Bester männlicher Darsteller) bei der Verleihung zum Österreichischen Filmpreis 2013.
© APA/HERBERT PFARRHOFER

Für die Rolle als Franz Bockerer wurde er 1982 mit dem Filmband in Gold und dem Deutschen Schauspielpreis ausgezeichnet. Für "Anfang 80" schließlich erhielt er 2013 unter anderem den Österreichischen Filmpreis als bester Hauptdarsteller. Aber auch von offizieller Seite gab es zahlreiche Ehrungen, etwa das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst, die Goldene Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien oder 2002 das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich.

Karl Merkatz' Tod ist ein unersetzlicher Verlust für das heimische Kulturleben.
Wiens Bürgermeister Miachel Ludwig (SPÖ)

"So bin ich", heißt seine 2005 erschienene Autobiographie (Styria Verlag), "Ein Schamerl braucht vier Haxen" war der Titel seiner 2015 von Christoph Frühwirth aufgezeichneten Erinnerungen (Amalthea Verlag).

Merkatz und die Freiheitliche Partei waren mit Sicherheit nicht auf einer Linie, es ist aber zu betonen, dass Merkatz immer den fairen Diskurs wahrte. Auch in seiner kurzen Zeit als Obmann von SOS-Mitmensch ging es ihm um Menschenrechte und nicht politische Hetze wie heute.
FPÖ-Kultursprecher Thomas Spalt

Der ORF ändert in memoriam Karl Merkatz sein Programm und würdigt den großen österreichischen Volksschauspieler unter anderem mit dem Porträt "Vom Tischler zum echten Wiener" (Sonntag, 4. Dezember, 23.05 Uhr, ORF2), einem Nachruf im "kulturMontag" (Montag, 5. Dezember, 22.30 Uhr, ORF2) und Klassikern wie der "Bockerer"-Reihe oder "Drei Herren", die in den kommenden Tagen ausgestrahlt werden.

📽️​ Video | Weggefährten von Merkatz erinnern sich

Auch ORF III widmet sich die gesamte kommende Woche in einem umfassenden Schwerpunkt Karl Merkatz. "Karl Merkatz hat mit seiner Schauspielkunst österreichische Film- und Fernsehgeschichte geschrieben. Wir sind stolz darauf, dass der ORF für viele seiner Paraderollen die Bühne bieten durfte. Wir verlieren mit Karl Merkatz einen großen und vielseitigen Volksschauspieler, der sich in seiner langen und an vielen Höhepunkten reichen Karriere in die Herzen des österreichischen Publikums gespielt hat und uns allen unvergessen bleiben wird", betonte ORF-Generaldirektor Roland Weißmann in einer Aussendung. (APA)

Die Tiere auf Gut Aiderbichl lagen dem Schauspieler sehr am Herzen.
© Rudi Gigler

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