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Moskau meldet erneuten Beschuss von russischem Flugplatz

Roman Starowoit berichtet Präsident Wladimir Putin (Archiv)
© APA

In Russland hat es nach Angaben örtlicher Behörden erneut einen Drohnenangriff auf ein Ziel der kritischen Infrastruktur gegeben. Auf einem Flugplatz in der südwestrussischen Region Kursk geriet demnach bei einem Drohnenangriff ein Öltank in Brand. Am Montag lagen bereits russische Angaben über zwei ähnliche Vorfälle vor. Russland rechtfertigt unterdessen die schweren Raketenangriffe auf zivile Objekte in der Ukraine als militärisch notwendig.

"Es gab keine Verletzten. Das Feuer ist lokal begrenzt. Alle Notfalldienste arbeiten vor Ort", schrieb der Gouverneur von Kursk, Roman Starowoit, Dienstag früh auf Telegram. Reuters konnte die Berichte zunächst nicht unabhängig überprüfen. Die Region grenzt an die Ukraine.

Nach Angaben der Regierung in Moskau hat die Ukraine bereits am Montag zwei russische Luftwaffenstützpunkte weit im Landesinneren mit Drohnen angegriffen. Dabei seien drei Soldaten getötet worden, teilte das russische Verteidigungsministerium mit. Vier weitere Menschen seien verletzt, zwei Flugzeuge leicht beschädigt worden. Die Drohnen seien in geringer Höhe geflogen und von der Luftabwehr abgeschossen worden. Die betroffenen Militärflugplätze liegen Hunderte Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt, auf einem sind Bomber der russischen Nuklearstreitkräfte stationiert. So weit im russischen Landesinneren gab es seit Kriegsbeginn noch keine Angriffe des ukrainischen Militärs. Die ukrainische Regierung äußerte sich zunächst nicht direkt dazu.

Gemeldet wurden die Angriffe einerseits auf dem Stützpunkt Djagilewo in der Region Rjasan, 185 Kilometer südöstlich von Moskau. Dort soll es der amtlichen Nachrichtenagentur RIA zufolge bei der Explosion eines Tanklasters die drei Todesopfer gegeben haben. Zudem sei der Luftwaffenstützpunkt Engels in der Region Saratow 730 Kilometer südöstlich der Hauptstadt beschossen worden, einer von zwei russischen Luftwaffenstützpunkten der strategischen Nuklearstreitkräfte. Die "New York Times" zitierte einen ranghohen ukrainischen Vertreter mit der Aussage, die Drohnen bei den Angriffen am Montag seien von ukrainischem Gebiet aus gestartet worden. Mindestens einer der Angriffe sei zudem mit Hilfe von Spezialkräften an dem Stützpunkt ausgeführt worden.

Das russische Verteidigungsministerium erklärte, das ukrainische Militär habe versucht, die Kampfhandlungen der russischen Langstreckenluftwaffe durch einen Terrorakt zu stören. Dennoch sei es Russland am Montag erneut gelungen, die ukrainische Militär- und Energieinfrastruktur anzugreifen. Dabei seien alle 17 anvisierten Ziele getroffen worden. Die Ukraine erklärte dagegen, mehr als 60 von über 70 abgefeuerten russischen Raketen seien abgeschossen worden.

Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu sagte am Dienstag in Moskau: "Die russischen Streitkräfte führen mit Hochpräzisionswaffen hoher Reichweite massive Schläge gegen das System der militärischen Führung, Rüstungsbetriebe und die mit ihnen verbundenen Objekte, um das Militärpotenzial der Ukraine zu brechen." Zugleich warf er Kiew Angriffe auf Europas größtes Atomkraft Saporischschja vor, das auf ukrainischem Gebiet liegt. Die Anlage sei in den vergangenen 14 Tagen 33 Mal beschossen worden.

Mindestens vier Menschen seien bei den russischen Raketenangriffen getötet worden, teilte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit. "In vielen Regionen wird es Notfall-Blackouts geben müssen", sagte Selenskyj in seiner nächtlichen Videobotschaft mit Blick auf die prekäre Lage der Energieversorgung. "Wir werden alles dafür tun, Stabilität wiederherzustellen." Zuletzt hatte Russland immer wieder gezielt die Energie- und Wasserversorgung in der Ukraine mit Raketen attackiert, nachdem sich die russischen Bodentruppen aus einigen besetzten Gebieten hatten zurückziehen müssen. Die Ukraine und der Westen werfen Russland angesichts des nahenden Winters vor, Kälte als Waffe einzusetzen und dabei Kriegsverbrechen zu begehen. Russland weist diese Darstellung zurück.

Im Osten der Ukraine gingen die Kämpfe am Boden unterdessen unvermindert weiter. Das ukrainische Militär teilte am Dienstag mit, die Streitkräfte hätten in der Region Donezk in den vergangenen 24 Stunden russische Angriffe auf sieben Ortschaften zurückschlagen können. Dazu gehöre auch die Stadt Bahmut. Der ukrainische Präsidentenberater Olexij Arestowitsch sagte auf YouTube, russische Soldaten hätten versucht, Straßen nach Bahmut von Westen und Nordwesten aus zu blockieren. Der Governeur von Donezk, Pawlo Kyrylenko, sagte im ukrainischen Fernsehen, es seien nur noch rund 12.000 Menschen in Bahmut. Vor dem Krieg hatte die Stadt 80.000 Einwohner. Gas und Strom gebe es nicht.

Selenskyj reiste am Dienstag zum Ehrentag der ukrainischen Streitkräfte in die Nähe der Front im Osten des Landes. "Gerade den heutigen Tag werde ich an der Front mit unseren Kämpfern begehen", sagte der 44-Jährige in einer am Dienstag verbreiteten Videobotschaft. Der Staatschef stand dabei bei Minusgraden am Ortseingang der Stadt Slowjansk im Donezker Gebiet. Slowjansk ist rund 35 Kilometer von der Front entfernt. Selenskyj dankte den Soldaten wortreich für ihren Kampf gegen den Angreifer Russland. "Wir sind stolz auf die Streitkräfte der Ukraine."

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