Ausstellung

Julia Znoj im Kunstraum Schwaz: Angeschwemmte, müde Materialien

Künstlerisches Treibgut: Julia Znojs Arbeiten gehen ineinander über, wachsen zu einem Ganzen.
© Verena Nagl

Der Kunstraum Schwaz widmet sich mit einer Einzelpräsentation von Julia Znoj ganz der Skulptur.

Schwaz – Dicht an dicht stehen die Werke von Julia Znoj im Ausstellungsraum. Als BesucherIn muss man sich erst Wege hindurchbahnen – zwischen Objekten, die, wie Treibgut angeschwemmt, scheinbar zufällig hier zu liegen kamen. Mit den Werken der Schweizer Künstlerin widmet sich der Kunstraum Schwaz nach einem intensiven Rechercheprojekt und der Malerei nun der Skulptur. Nicht der im klassischen Sinne fein gearbeiteten, geschliffenen, plastisch modellierten Skulptur, sondern der wild collagierten. „She is in it, not not at“ wurde gestern im Kunstraum Schwaz eröffnet.

Es ist nicht das erste Mal, dass die 1990 geborene Schweizerin hier ausstellt. 2016 fanden ihre Werke in „Bar du Bois“, einem wandernden Ausstellungsformat, Platz, das die einstige Galerie der Stadt Schwaz in eine veritable, selbst gezimmerte Bar verwandelte. Drinks inklusive!

Für ihre neuen, allesamt 2022 entstanden Arbeiten, die jetzt auf Einladung von Kunstraum-Direktorin Nadja Ayoub in Schwaz ausgestellt sind, verwendete Znoj übliche Baumaterialien, Silikon, Glas, Thermoplastik. Frisch aus dem Baumarkt müssen die Stoffe nicht kommen, oftmals recycelt die Künstlerin Material – im Hinterkopf dabei stets die Erinnerung, die ein Objekt mitführt. Spuren erzählen von den früheren Leben. Znoj hat sie teilweise bewusst ausgelegt.

Inhaltlich Bezug nimmt ihre Herangehensweise – der Ausstellungstext klärt auf – auf „Das Schiff des Theseus“, ein philosophisches Paradoxon, das fragt: Bleibt das Objekt dasselbe Objekt, auch wenn Teile davon ausgetauscht werden? Keine Angst, von der inhaltlichen Schwere kann man sich getrost freimachen: Die Schau regt in ihrer Dichte sowieso dazu an, über Teile und das Ganze nachzudenken. Geht hier doch eine Arbeit in die andere über und wächst so zu einem größeren Ganzen.

Unbeantwortet bleibt hingegen die Frage nach der im doppelt verneinten Titel vorkommenden weiblichen Figur. Ist sie wirklich da? Znoj lockt mit vagen Hinweisen, mal zwei sich nach oben reckende Füße, mal „Ophelia“ im Titel. Konkret werden ihre Formen nie – sie kommen nur immer wieder vor. Zerknülltes oder müde Materialien, die Objekte einfallen oder aufbrechen lassen.

Die Wiederholung wird bald zum Rhythmus – auch im nächsten Raum. Seit der Pandemie bastelt Znoj an Elektrosounds, sie collagiert also auch rein digital. Zu hören sind aber bloß Kostproben, kleine Einheiten, die in Wellenform in die Ohren dringen. Nicht zum Tanzen, aber zum Weiterdenken. Wirklich einfach macht es Znoj ihren BesucherInnen eben nie.

Info

Kunstraum Schwaz. Franz-Josef-Str. 27, Schwaz; bis 18. Februar, Mi–Fr 13–18 Uhr, Sa 10–15 Uhr.

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