🎄 Christen feiern Weihnachten

Papst geißelt in Christmette Kriege, Prozession im Heiligen Land

Nach zwei Jahren war der Petersdom diesmal in der Heiligen Nacht wieder voll.
© AFP/ANDREAS SOLARO

Nach zwei Jahren zelebriert Papst Franziskus wieder in einem vollen Petersdom die Christmette. Darin wirbt er für Nächstenliebe und geißelt Kriege. Im Heiligen Land ziehen Christen in der traditionellen Prozession nach Bethlehem.

Rom, Bethlehem – Unter dem Eindruck der Kriege und Konflikte auf der Welt hat Papst Franziskus bei der Christmette im Petersdom die diesjährigen Weihnachtsfeierlichkeiten eröffnet. Dabei geißelte das Oberhaupt der Katholiken die blutigen Auseinandersetzungen – vor allem der Krieg in der Ukraine hat 2022 für Entsetzen gesorgt. Zugleich warb der Pontifex darum, an Weihnachten nicht materiellen Dingen nachzujagen, sondern sich um Nächstenliebe zu kümmern. Im Heiligen Land zelebrierten Christen aus aller Welt zuvor die traditionelle Weihnachtsprozession von Jerusalem nach Bethlehem.

Nachdem die Corona-Pandemie an den Weihnachtsfesten 2020 und 2021 nur eingeschränkte Gottesdienste im Vatikan zugelassen hatten, war der Petersdom diesmal in der Heiligen Nacht wieder voll. Nach Angaben des Heiligen Stuhls waren rund 7000 Gläubige in der Basilika, etwa 3000 Menschen verfolgten die Messe zudem draußen auf dem Petersplatz.

Arme und Schwache „Hauptleidtragenden der menschlichen Gier“

Der Papst nutzte die Predigt, um Kriege zu verurteilen: „Macht- und geldhungrige Menschen verzehren in der Welt sogar ihre Nächsten, ihre Brüder und Schwestern. Wie viele Kriege gibt es! Und an wie vielen Orten werden auch heute noch Würde und Freiheit mit Füßen getreten!“ Den Ukraine-Krieg benannte er in seiner Predigt aber nicht direkt.

📽️ Video | Papst feiert Christmette im Petersdom

Franziskus nannte die Schwachen und Armen die „Hauptleidtragenden der menschlichen Gier“. Der 86-Jährige, der den Gottesdienst wegen seines Knieleidens weitgehend sitzend neben dem Altar verfolgte, sagte: „Auch dieses Weihnachten macht eine Menschheit, die unersättlich nach Geld, Macht und Vergnügen strebt, keinen Platz für die Kleinen, für die vielen ungeborenen, armen, vergessenen Menschen, so wie es bei Jesus auch war. Ich denke dabei besonders an die Kinder, die von Krieg, Armut und Ungerechtigkeit verschlungen werden.“

Jesus sei ohne Luxus und Komfort geboren worden – dadurch aber sei „der wahre Reichtum des Lebens ans Licht gekommen“, nämlich die zwischenmenschlichen Beziehungen, wie Franziskus unterstrich. „Natürlich ist es nicht leicht, die angenehme Wärme der Weltlichkeit zu verlassen um sich auf die karge Schönheit der Grotte von Betlehem einzulassen“, predigte er. „Doch wir sollten uns daran erinnern, dass es ohne die Armen kein richtiges Weihnachten gibt. Auch ohne sie feiert man Weihnachten, aber nicht das Weihnachten Jesu.“

Weihnachten in Bethlehem

Den letzten Teil des Wegs bis zum Krippenplatz in Bethlehem legte der Patriarch zu Fuß zurück.
© APA/AFP/HAZEM BADER

Bereits am Samstagnachmittag hatte die traditionelle Weihnachtsprozession als Wagenkonvoi von Jerusalem nach Bethlehem geführt. Den letzten Teil des Wegs bis zum Krippenplatz in Bethlehem legte der Patriarch zu Fuß zurück. Dort wurde er von christlichen Repräsentanten in Empfang genommen.

Über die Weihnachtsfeiertage wird anders als in den vergangenen zwei Jahren, als noch strenge Corona-Beschränkungen galten, wieder mit Zehntausenden von Besuchern gerechnet. Das israelische Tourismusministerium hat sich auf rund 120.000 Pilger aus aller Welt eingestellt.

Ein riesiger Christbaum mit einem Stern an der Spitze schmückt den Krippenplatz vor der Geburtskirche in Bethlehem. Die kleine Stadt im Westjordanland wird als Geburtsort Jesu verehrt. Pizzaballa sollte dort später die Mitternachtsmesse zelebrieren.

In ihrer Weihnachtsbotschaft hatten die Repräsentanten verschiedener Kirchen im Heiligen Land einen Anstieg von Angriffen auf Christen und Diskriminierung beklagt. „Diese entmutigende Atmosphäre hat zu Hoffnungslosigkeit geführt, vor allem bei unserer christlichen Jugend”, hieß es in der Botschaft. Sie fühlten sich im Land ihrer Vorfahren nicht mehr willkommen, viele von ihnen verließen die Region. Daher sei der Anteil der Christen weiter gesunken.

Von rund fünf Millionen Palästinensern im Westjordanland und Gazastreifen seien nur noch weniger als zwei Prozent Christen. Nach jüngsten Angaben des israelischen Statistikbüros leben in Israel rund 185.000 arabische Christen, die etwa 1,9 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Israel hat insgesamt rund 9,6 Millionen Einwohner, etwa drei Viertel davon Juden. (APA, dpa)

Verwandte Themen