👑 Monarchie wankt noch nicht

Biografie von Prinz Harry: Ein Buch, das die Monarchie erschüttert

Wenn das alles die Queen wüsste: Prinz Harry mit seiner Großmutter Elizabeth II (2005).
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Politologin Sully sieht die Monarchie noch nicht wanken. Journalist Karl Hohenlohe hat Kritik für Harry übrig. Der Buchhandel ist zuversichtlich.

Innsbruck, Wien – „Eigentlich ist das alles ein bisschen peinlich“, drückt Karl Hohenlohe sein Unbehagen aus, wenn es um die heutige Veröffentlichung von Prinz Harrys Biografie „Reserve“ geht. Öffentlich über Familienprobleme zu lamentieren, sei eben nicht der gute Ton. In Prinz Harrys heute erscheinendem autobiografischen Buch „Reserve“ erhebt dieser schwere Vorwürfe vor allem gegen seinen Bruder William, der ihn im Streit tätlich angegriffen haben soll. Szenen wie diese lassen nun die Wogen hochgehen. „Welche Brüder haben sich nicht schon gerauft? Das alles erhält eine nicht angemessene Dimension“, sagt dazu Hohenlohe, den eine weit entfernte Verwandtschaft mit dem britischen Königshaus verbindet, wenngleich er einräumt, dass er die Causa eigentlich nur am Rande verfolgt. Der Journalist kann dem „wenig lösungsorientierten“ Ansatz Harrys auf jeden Fall wenig abgewinnen und sieht kaum Chancen für die Familie, unter diesen Bedingungen wieder zusammenzurücken.

Welche Brüder haben sich nicht schon gerauft? Das alles erhält eine nicht angemessene Dimension.
Karl Hohenlohe (Journalist und Adelsexperte)

Dass die Veröffentlichung nun Monate nach dem Tod von Harrys Großmutter, Queen Elizabeth II, im vorigen September stattfindet, scheint kein Zufall. Die Queen hat sich zeit ihres Lebens jegliche Art der Stellungnahme zu Privatem untersagt. In „Reserve“ soll Harry nun etwa auch über seine ersten sexuellen Erfahrungen Auskunft geben. Das hätte der Großmutter wohl kaum gefallen.

Im Jahr 2015.
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Einige britische Medien sehen bereits das Ende der Monarchie am Horizont herannahen. Es sei die schlimmste Krise seit 30 Jahren für das Königshaus, titelten sie. Die in Wien ansässige britische Politologin Melanie Sully sieht die Monarchie derzeit noch nicht in Gefahr. „Langfristig ist so eine Veröffentlichung problematisch, weil sie dem Image des Königshauses schadet.“ Vor allem junge Menschen in Großbritannien stünden der Monarchie bereits jetzt kritisch gegenüber.

Harrys Buch kommt auch für die Großbritannien-Kennerin zur „Unzeit“. König Charles III. sei neu in der Position des Staatsoberhauptes und habe sich noch nicht konsolidiert. „Das ist eine große Herausforderung, denn er ist nicht nur das Staatsoberhaupt von Großbritannien, sondern auch von den Staaten des Commonwealth“, sagt Sully. Die Treue zum britischen Königshaus hat in Australien oder in Kanada, beides Commonwealth-Mitglieder, stark gelitten. „Wenn diese beiden Staaten wegbrechen würden, wäre das schwierig für Charles, wenn es kleinere Commonwealth-Staaten betreffen würde, wäre das vermutlich für Charles verkraftbar.“ Ganz so einfach, sich aus dem Commonwealth zu lösen, ist es für die 14 Mitglieder nicht. Zumeist braucht es eine Zweidrittelmehrheit im Parlament, eine Verfassungsänderung und/oder eine Volksabstimmung. Was in den Commonwealth-Staaten schwer wiege, sei der von Harry immer wieder vorgebrachte Vorwurf des Rassismus seiner Frau Meghan gegenüber.

Das Ganze geschieht zu einer Unzeit. Das Königshaus ist im Wandel, Charles noch nicht konsolidiert.
Melanie Sully (Politologin, GB-Expertin)

Sully verweist darauf, dass Harry, falls William etwas geschehen würde und seine Kinder noch zu klein wären, in der Thronfolge aufrücken würde. „Harry hat einen Status, nicht nur in der Familie, sondern auch im Staat.“ Den Briten galt die Monarchie durch die lange Regentschaft von Queen Elizabeth II als Stabilitätsfaktor. Im September starb die Queen und damit das Aushängeschild der Monarchie.

Sully glaubt allerdings, dass das Imageproblem der Politik indirekt die Monarchie stärkt. Das Land habe in kurzer Zeit drei Premierminister und damit turbulente Zeiten in der Downing Street, dem Amts- und Wohnsitz des jeweiligen Premierministers, erlebt. „Je mehr man über die Royals und solche Banalitäten weiß, kommt man zum Schluss, die Monarchie ist nicht viel besser.“ Vertrauenerweckend sei das nicht, meint Sully.

Erhoffter Bucherfolg und prominente Warnung

Viele Exemplare. Beachtliche 200.000 Ausgaben hat der Penguin Random House Verlag von „Reserve“ in einer ersten Auflage für den deutschsprachigen Markt drucken lassen. Man könne es natürlich nicht genau sagen, aber aufgrund des hohen medialen Interesses erhoffe man sich guten Absatz, meint Pressesprecherin Franziska Föste. In Tirol warten die ersten Leser auf ihr Buch. „Wir konnten in unserem Online-Shop Vorbestellungen verbuchen“, sagt Gerlinde Tamerl, stellv. Geschäftsführerin der Wagner’schen Buchhandlung in Innsbruck.

„Sei still“. Dass Prinz Harry seine Aussagen bereuen wird, glaubt Patti Davis, Tochter des verstorbenen US-Präsidenten Ronald Reaga­n. Ihr eigenes Enthüllungsbuch „Familiengeheimnisse“ über die Reagans bereue sie heute zutiefst, verriet die 70-Jährige in einem Gastbeitrag für die New York Times. „Naiv wie ich war, dachte ich damals: Ich will die Wahrheit sagen. Wenn die Welt über meine Gefühle liest, wird mich auch meine Familie besser verstehen“, so Davis. Doch: „Mit der Wahrheit ist es viel komplizierter, als man das als junger Mensch glaubt. Die anderen Menschen in unserer Geschichte haben nämlich auch ihre Wahrheiten.“ Manchmal sei es besser, still zu sein, nicht für immer, aber bis man verstanden habe, dass Worte Konsequenzen haben und sehr lange anhalten.

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