Werbeverbot oder Sondersteuer

Hörl legt nach: Flugbranche soll „Fakten und Daten auf den Tisch legen"

Franz Hörl ist am Mittwoch auch zu Gast bei „Tirol Live".
© Thomas Böhm

Mit seinem Vorschlag, besonders CO2-relevante Urlaubsformen zu kennzeichnen und deren Bewerbung zu besteuern erntete Wirtschaftsbundobmann Franz Hörl viel Kritik – auch aus den eigenen Reihen. Die Flug- und Kreuzfahrtbranche würden nach seinem Vorstoß „gekonnt in Deckung gehen". Der Seilbahnchef sieht „einen wunden Punkt getroffen". Er verlangt eine CO2-Ausweisung und kontert jeder Gegenstimme.

Innsbruck – Seilbahnen-Chef und ÖVP-Tourismussprecher Abg. Franz Hörl lässt nach seinem Vorstoß für eine Sondersteuer für die Bewerbung „besonders umweltschädlicher Urlaubsformen" wie Flugreisen und Kreuzfahrten oder für ein Werbeverbot nicht locker. Die Flug- und Kreuzfahrtbranche müssen nun „Fakten und Daten auf den Tisch" legen, sagte Hörl im APA-Gespräch. Es brauche „seriöse und verlässliche Daten" dieser Reiseformen, so Hörl, der erneut eine CO2-Ausweisung ins Spiel brachte.

💬 „Tirol Live" am Mittwoch

Seilbahner und ÖVP-Tourismussprecher Franz Hörl nimmt bei „Tirol Live" heute Stellung zu der Debatte. Zu sehen ab 18 Uhr auf TT.com.

Für eine solche CO2-Ausweisung bzw. „Kategorisierung" brauche es – „wenn wir das Thema Klimawandel und Ressourcenschonung ernsthaft diskutieren möchten" – eben diese „seriösen und verlässlichen Daten" und Zahlen. Die Seilbahnen würden diese im Gegensatz dazu bereits jetzt „sehr transparent" kommunizieren, betonte Hörl, der mit seinenam Montag erhobenen Forderungen mächtig Staub aufgewirbelt hatte. Flug-und Kreuzfahrtverkehr würden hingegen momentan „gekonnt in Deckung gehen."

„Lieber proaktiv und vorbereitet als überrascht und überfordert"

„Was bei Lebensmitteln und Elektrogeräten via Ampelkennzeichnung oder bei Kleidung möglich ist, muss auch im Tourismus möglich sein: Die Kunden müssen wissen, was drin steckt und welche Auswirkungen auf die Umwelt mit der Wahl des Urlaubes verbunden sind", erklärte der Zillertaler Hotelier und ÖVP-Grande. Man dürfe zudem ja auch nicht vergessen, dass ohnedies „große Veränderungen – siehe etwa EU-Taxonomie oder Lieferkettengesetz – auf uns zukommen", die genau in diese Richtung gehen würden, so Hörl. „Dem werden wir uns also ohnedies stellen müssen. Und da bin ich lieber proaktiv und vorbereitet als überrascht und überfordert", legte der Nationalratsabgeordnete und Tiroler ÖVP-Wirtschaftsbundchef seine Marschroute fest.

Was bei Lebensmitteln und Elektrogeräten via Ampelkennzeichnung oder bei Kleidung möglich ist, muss auch im Tourismus möglich sein: Die Kunden müssen wissen, was drin steckt und welche Auswirkungen auf die Umwelt mit der Wahl des Urlaubes verbunden sind.
Franz Hörl (Wirtschaftsbundobmann)

Der oberste Seilbahnen-Vertreter hat jedenfalls keinen Zweifel, wer klimatechnisch bei einer solchen Kennzeichnung gut aussteigen wird: „Ich bin davon überzeugt, dass der Urlaub in den österreichischen Alpen – egal ob Winter oder Sommer – als Spitzenreiter einer solchen Kategorisierung hervorgehen würde." Vom Umweltbundesamt habe man bestätigt bekommen, wie gut ein Skiurlaub in Österreich im Vergleich etwa zu einer Autoreise an die Adria oder einer Flugreise nach Mallorca abschneidet. Eine Woche Skiurlaub hierzulande mache in puncto Treibhausgas-Emissionen nur „21 Prozent einer Flugreise nach Spanien" aus, reise man mit dem Zug an, komme man auf gar nur 13 Prozent. Weiters erklärte Hörl:

Es frustriert mich, dass man, wenn es um den CO2-Fußabdruck geht, ausschließlich über den Wintertourismus diskutiert.
Franz Hörl (ÖVP-Tourismussprecher)

Dabei habe dieser nachweislich nur einen geringen, andere mit einem wesentlich größeren CO2-Fußabdruck würden hingegen außer Acht gelassen. Die Seilbahnen und der gesamte Wintertourismus leisteten in Sachen Energie „vorbildhafte Arbeit": „0,9 Prozent am gesamten österreichischen Energieverbrauch sprechen da eine klare Sprache. Als Vertreter einer standortrelevanten Branche stelle ich mich hier schützend und richtigstellend nach vorne und verlange nichts mehr als Augenmaß und Fairness."

Und Hörl sparte erneut nicht mit Kritik an der medialen (Klima)-Berichterstattung:

Ich bin überzeugt, dass die teils faktenbefreite Kritik und das Lechzen nach Bildern von grün umrahmten Skipisten in den vergangenen Wochen einen erheblichen Schaden angerichtet haben.
Franz Hörl (Seilbahn-Chef)

Hörl kontert Kritik bezüglich Anreise per Flieger

Bei seiner Forderung nach einem Werbeverbot für besonders schädliche Urlaubsformen wie Flugreisen, etwa für Städtetrips, habe es sich zwar um eine „zugespitzte Darstellung bzw. Formulierung" gehandelt, er stehe aber dazu, was er gesagt habe. Die Diskussion sei angestoßen worden. Die teils scharfe öffentliche Kritik und Debatte habe ihn zwar überrascht, aber:

Es scheint, dass ein wunder Punkt getroffen wurde.
Franz Hörl (Seilbahn-Chef)

Zur vielfach geäußerten Kritik, dass schließlich auch viele Österreich- bzw. Tirol-Gäste zunächst per Flieger in die Skigebiete reisen, konterte Hörl: Die per Flugzeug anreisenden Gäste nach Tirol machten nur einen mittleren einstelligen Prozentsatz aus. „Trotzdem müssen wir die umweltfreundliche Anreise vom Heimatort bis zum Hotel noch umfangreicher ausbauen", sah er auch hier Handlungsbedarf. Die An- und Abreise sei hier „der größte Hebel, um noch sparsamer und umweltschonender zu werden." „Der Weg kann nur über die möglichst erfolgreiche Umverteilung der Verkehrsströme in Richtung Bahn führen. Das ist uns schon lange bewusst und genau in diese Richtung arbeiten wir auch", schloss der Seilbahnen-Obmann in der Wirtschaftskammer.

Mattle: „Alles kann man diskutieren"

Tirols Landeshauptmann und Wirtschaftsbündler Anton Mattle (ÖVP) hatte am Dienstag übrigens gefragt nach Hörls Vorstößen gemeint: „Alles kann man diskutieren". Er merkte allerdings an: „Urlauben und Reisen ist etwas, was die Gesellschaft will". Hörl sei eben dafür bekannt, dass er immer zuspitze. Mattle erklärte, dass die An- und Abreise stets für den größten ökologischen Fußabdruck verantwortlich sei. „Das Reisen in die Alpen, um Wintersport zu betreiben, hinterlässt einen wesentlich kleineren ökologischen Fußabdruck als ein Flug in eine Urlaubsdestination", gab der Landeschef in diesem Punkt allerdings Hörl recht. (APA)

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