🌍 Greenpeace schlägt Alarm

Hunderte Jets im Anflug auf Weltwirtschaftsforum in Davos: Ruf nach Verbot

Viele Teilnehmer, viel Privatverkehr zu dieser Veranstaltung: Greenpeace moniert die derart klimaschädlichen CO2-Emissionen.
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Studie von Greenpeace zum Weltwirtschaftsforum in Davos. Forderung nach Aus für diese „klimaschädlichste Form des Verkehrs“ in Europa.

Wien – Es ist wieder so weit. Von 16. bis 20. Jänner gibt es das Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos. Internationales Publikum ist angesagt – 3000 Leute aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft. Der Leitsatz: „Cooperation in a fragmented world“ („Zusammenarbeit in einer fragmentierten Welt“).

Im vergangenen Jahr war das WEF wegen der Pandemie von Jänner auf Mai verschoben worden. Inhaltlich dominierte nicht Wirtschaftliches; um den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine ging es. Die Folgen der Pandemie und die Klimaerwärmung waren Randthemen.

Dabei tragen, wie Umweltschutzorganisationen beklagen, WEF-Teilnehmer dazu bei, die Klimawerte zu verschlechtern. Greenpeace International hat untersuchen lassen, was Privatflüge zu der Veranstaltung in dem Schweizer Nobelskiort bewirken. Die Ergebnisse der Studie, die das Institut CE Delft gemacht hat, liegen der Tiroler Tageszeitung vor. Sie belegen, dass in der Woche des Weltwirtschaftsforums im Vergleich zu einer durchschnittlichen Woche die Zahl der Privatjetreisen von und zu den Flughäfen in der Nähe von Davos erheblich zunimmt, ergo steigen die klimaschädlichen CO2-Emissionen. Die Zahl der Privatjetflüge verdoppelt sich, die Privatjet-Emissionen vervierfachen sich. Von 21. bis 27. Mai 2022 landeten und starteten 1040 Privatjets von Flughäfen rund um Davos.

Im Durchschnitt gab es während des WEF 2022 200 bis 250 Privatjetflüge pro Tag, doppelt so viele wie zu jeder anderen Zeit des Jahres. Die Auswirkungen auf das Klima: Die Privatjetflüge zu und von den Flughäfen in der Nähe von Davos (Zürich, Genf, Altenrhein, Dübendorf, Samedan, Friedrichshafen, EuroAirport) verursachten 9700 Tonnen CO2-Emissionen. 7400 Tonnen lassen sich dem WEF zuordnen, was den wöchentlichen Emissionen von 260.000 durchschnittlichen Autos entspricht. Und: Mehr als sechs Prozent der Privatjetflüge waren kürzer als 100 Kilometer. Zum Vergleich: Die Luftlinie zwischen Linz und Salzburg beträgt 108 Kilometer. Der kürzeste erfasste Flug: 21 Kilometer. 38 Prozent der Privatjetflüge waren „Ultrakurzstreckenflüge“ (unter 500 km). Zum Vergleich: Die Luftlinie von Wien nach Dornbirn beträgt 502 Kilometer.

„Diese Distanzen hätten problemlos mit dem Zug oder dem Auto zurückgelegt werden können“, merkt Greenpeace-Expertin Jasmin Duregger gegenüber der TT an. 53 Prozent der Privatjetflüge waren Kurzstreckenflüge unter 750 Kilometern. Langstreckenflüge mit Privatjets (über 3001 km) zu und von den Davoser Flughäfen stiegen von vier Prozent in durchschnittlichen Wochen auf 16 Prozent. Dies sei auch der Grund, warum sich das Flugaufkommen von Privatjets verdoppelt, die Treibhausgase aber vervierfacht haben. Duregger ortet „Doppelmoral, Heuchelei“ beim WEF: „Es wurde behauptet, sich dem Pariser Klimaziel zu verpflichten. Es wird nicht getan, was gesagt wurde.“ Es gebe „die klimaschädlichste Form des Verkehrs. Das ist ein Skandal.“

Es wurde behauptet, sich dem Pariser Klimaziel zu verpflichten. Es wird nicht getan, was gesagt wurde.
Greenpeace-Expertin Jasmin Duregger

Von den 2500 WEF-Teilnehmern 2022 sei mindestens jeder Zehnte mit einem Privatjet gekommen. 26 Privatjet-Flüge hat es zwischen Österreich und den Flughäfen von Davos gegeben. Wer von hier aus derart gereist sei, lasse sich aus Gründen des Datenschutzes nicht genau eruieren. Greenpeace fordert: Privatjets sollten EU-weit verboten werden. Das wäre rechtlich machbar, befindet Duregger: „Bisher hat sich das in Europa keiner getraut.“ Die EU-Luftverkehrsverordnung werde überarbeitet, da solle das hinein. „Wir appellieren an die Kommission, den rechtlichen Rahmen zu schaffen, damit die Mitgliedsstaaten das machen können. Wir appellieren auch an Klimaministerin Leonore Gewessler.“

Verteuerung in Form höherer Besteuerung würde nicht viel bewirken: „Weil mit Privatjets Leute unterwegs sind, die viel Geld haben.“ Diese würden Mehrkosten nicht von der Form des Transports abhalten. Weiters begehrt Greenpeace das Aus für Kurzstreckenflüge. Jene Strecken, die leicht mit dem Zug bewältigbar seien, sollten „nicht mehr von Airlines zu Spottpreisen angeboten werden“. Österreich sollte vorangehen, Flüge wie Wien – Innsbruck, Wien – Dornbirn nicht mehr zulassen“, sagt Duregger. Verlangt wird auch, „öffentliche Verkehrsmittel auszubauen“, bessere und dichtere Verbindung sei nötig – nicht nur regional, auch beim Fernnetz mit Nachtzügen.