🌍 COP28 in Dubai

Ölkonzern-Chef soll Klimagipfel in Dubai leiten

Sultan Ahmed Al Jaber leitet den staatlichen Ölkonzern ADNOC und ist zudem Industrieminister der Vereinigten Arabischen Emirate.
© RASHED AL-MANSOORI

Ab November wird in den Vereinigten Arabischen Emiraten die UN-Klimakonferenz COP28 abgehalten. Nach dem Willen des Gastgebers soll ausgerechnet der Chef des staatlichen Ölkonzerns den Gipfel leiten. Das sorgt für Kritik.

Dubai – Der Vorsitzende des staatlichen emiratischen Ölkonzerns ADNOC soll die kommende Weltklimakonferenz COP28 in Dubai als Präsident leiten. Sultan Ahmed Al Jaber, zugleich Industrieminister der Vereinigten Arabischen Emirate, habe über zwei Jahrzehnte Erfahrung gesammelt als Geschäftsführer und in führenden Regierungspositionen, berichtete die Staatsagentur WAM am Donnerstag. „Dies wird ein entscheidendes Jahr sein, in einem entscheidenden Jahrzehnt beim Kampf für das Klima“, sagte Al Jaber zu seiner Ernennung. WAM zufolge ist Al Jaber der erste Firmenchef auf diesem Posten. Der Präsident der vergangenen COP27 in Ägypten, Samih Schukri, gratulierte.

Dies wird ein entscheidendes Jahr sein, in einem entscheidenden Jahrzehnt beim Kampf für das Klima.
Sultan Ahmed Al Jaber

„Wir werden einen pragmatischen, realistischen und lösungsorientierten Ansatz einbringen, der transformative Fortschritte für das Klima und ein kohlenstoffarmes Wirtschaftswachstum ermöglicht“, erklärte Al Jaber in einer am Donnerstag publizierten offiziellen Regierungsmitteilung.Er sei der „festen Überzeugung, dass der Klimaschutz heute eine immense wirtschaftliche Chance für Investitionen in nachhaltiges Wachstum" darstelle. Die Finanzierung sei der Schlüssel, der Klimaschutzmaßnahmen ermögliche, fügte er hinzu.

Personalie sorgt für Kritik

Dass ein Spitzenvertreter der Ölindustrie am Golf die wichtigste UN-Konferenz des Jahres zum Klimaschutz leiten soll, sorgte für Kritik. Die großen Ölfirmen hätten bei den Klimaverhandlungen unter dem Dach der UN nun endgültig ihre Hände mit im Spiel, twitterte der Professor für Klimawandel vom University College London, Mark Maslin. Greenpeace nannte die Personalie als „zutiefst alarmierend“.

Der Grünen-Europaabgeordnete Michael Bloss sprach von einer „äußerst zweifelhaften Entscheidung“. Die UN müssten eine klare Grenze ziehen. „Die Benennung macht den Bock zum Gärtner. Der Interessenkonflikt ist vorprogrammiert. Ölkonzerne können nicht glaubwürdig die Pariser Klimaziele durchsetzen“, sagte Bloss der Deutschen Presse-Agentur.

COP28 ab 30. November in Dubai

Die Emirate zählen zu den zehn größten Ölproduzenten der Welt. Dort eröffnet am 30. November in der Metropole Dubai die Weltklimakonferenz COP28. Erwartet werden rund 70.000 Teilnehmer:innen – und damit möglicherweise ein neuer Rekord.

Bei der Vorjahreskonferenz in Ägypten waren laut der Umweltorganisation Global Witness und des Corporate Europe Observatory zufolge mehr als 600 Lobbyisten für Öl, Gas und Kohle registriert. Die Emirate hatten bei der COP27 mit mehr als 1000 Delegierten die meisten Teilnehmer angemeldet. Global Witness stufte 70 davon als Öl-Lobbyisten ein.

Die bei der Verbrennung von Gas, Öl und Kohle freigesetzten Treibhausgase wie CO2 sind der Hauptgrund für die Erderhitzung und ihre fatalen Folgen, also immer mehr Dürren, Hitzewellen, Wirbelstürme, Überschwemmungen und den Meeresspiegelanstieg. Bei der Klimakonferenz diskutieren Vertreter aus aller Welt darüber, wie die Erderwärmung verlangsamt werden kann. (dpa/APA/AFP, TT.com)

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