🎶 Erstes Album

Tiroler Band „Balconystories“: Stimmgewaltig das Schweigen brechen

Der Band „Balconystories“ ist es wichtig, das Schweigen zu brechen.
© Jenny Haimerl

Sabrina Weirauch singt auf dem ersten Album mit ihrer Band „Balconystories“ über ihre Missbrauchsgeschichte. Sie will helfen.

Innsbruck – Dem langen Schweigen folgt Aufarbeitung auf eine besondere Art. Sabrina Weirauch singt sich mit ihrer Tiroler Band Balconystories auf ihrem ersten Album „Chapter Truth“ ihre Angst, Panik und Wut von der Seele. In den Texten verarbeitet die 28-Jährige ihre traumatischen Erlebnisse als Kind, jahrelang Opfer von sexueller Gewalt im Familienkreis geworden zu sein. Seit 13. Jänner ist das erste Lied daraus „Cat Calls“ auf den Streamingdiensten zu hören. „Die Lieder machen jedoch auch Hoffnung und Mut, sich zu wehren, anderen Menschen davon zu erzählen und sich Hilfe zu suchen“, sagt die gebürtige Oberösterreicherin.

📽️ Video | Cat Calls:

Sie selbst weiß, wie schwierig das ist und wie viel Kraft und Überwindung das Reden darüber kostet. Nach dem Wohnsitzwechsel 2014 nach Innsbruck dauerte es trotz räumlicher Distanz noch einmal vier Jahre, bis sie jemandem davon erzählte und den Täter anzeigte. Im Jänner 2020 wurde dieser zu 33 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Wegen einer so genannten Weihnachtsamnestie und Betagtheit wurde der Täter bereits nach 7 Monaten Haft entlassen. „Gerechtigkeit gibt es auch nicht nach einem Schuldspruch“, sagt sie. Ihre Erlebnisse zeigten ihr, dass der Rechtsstaat täterfreundlich handelt, anstatt Betroffene oder Opfervertretungen ausreichend zu involvieren. Auch Jahre nach dem Prozess leidet Weirauch immer wieder sowohl an physischen als auch psychischen Beschwerden.

Sängerin Sabrina Weirauch gibt Gewalt eine Stimme.
© Jenny Haimerl

Die ersten Texte schrieb sie während der Zeit des Prozesses. Dem Erlebten eine Stimme mit verschiedensten Melodien aus Soul, Rap, Jazz und mit elektronischen Elementen zu geben, nennt sie „‚Aufklärungskunst‘, die Bewusstsein schaffen und Veränderung bringen soll“. Es ist ihr Anliegen, etwas zu bewirken. Die Gesundheitsmanagerin, deren Hobby Musik ist, hofft auch mit einem „Ohrwurm für einen längeren Nachhall zu sorgen“. Auf ihren Konzerten spricht sie die Probleme sexueller Gewalt offensiv an und macht auf Hilfsorganisationen aufmerksam.

Sie, die durch den Geldpreis von „FrauTiroler 2020“ das Album schön realisieren konnte, will auch etwas zurückgeben. Wenn das Album ab 14. Februar gestreamt oder als Langspielplatte (LP) gekauft werden kann, gehen aus dem Vinyl-Erlös vier Euro an Frauenprojekte.

Dass durch die gestiegene Zahl von Femiziden in Österreich das Thema Gewaltverbrechen an Frauen mehr Aufmerksamkeit bekommt, ist für Sabrina Weirauch „ein positiver Wandel und sensibilisiert die Gesellschaft. Es wird auch endlich nicht mehr von Familiendramen gesprochen, sondern von Femiziden. Und ich versuche auf allen Ebenen, die mir möglich sind, dazu beizutragen, gehört zu werden und mit der Musik etwas zu bewegen.“

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