Warum die Influenza in dieser Saison so häufig ist
Die Grippe ist laut einer US-Studie im „Corona-Umfeld" mehr als doppelt so ansteckend. Die Inmfluenza-Infektionsgefahr im Haushalt lag vor der Corona-Pandemie bei 20 Prozent. Während der Covid-19-Welle haben sich 50 Prozent von engen Kontaktpersonen mit der „echten Grippe" angesteckt.
Washington, Wien – Die diesjährige Influenza-Welle läuft weiter, auch wenn die Höchstwerte vom Jahresende 2022 nicht mehr erreicht werden. Warum die Influenza in dieser Saison so häufig ist, könnte eine aktuelle US-Studie mit Daten aus 2021/2022 erklären: Zuvor geringere Erkrankungsraten und weniger Impfungen während der Covid-19-Welle.
Melissa Rolfes von der Abteilung für Influenza der US-Zentren für Krankheitskontrolle und Infektionskrankheiten (CDC; Atlanta/Georgia) und ihre Co-Autoren haben die erfolgten Influenzainfektionen mit dem Erregerstamm A(H3N2) in US-Haushalten in fünf US-Bundesstaaten analysiert. Verglichen wurden die Daten aus Haushalten in der Zeit vor Covid-19 (2017 bis 2020) und während der Influenzasaison 2021/2022.
Die Wissenschafter fanden in ihrer am Donnerstag im JAMA Network eindeutige Unterschiede zwischen der Zeit vor und während Covid-19 heraus: „Während der präpandemischen Influenzasaisonen wurden 152 Fälle unter 353 Kontaktpersonen in Haushalten registriert. Während der Influenzasaison 2021/2022 waren es 84 Erkrankungsfälle unter 186 Haushaltskontakten." Damit lag die Infektionsrate vor Covid-19 im engsten privaten Umfeld bei 20,1 Prozent, 2021/2022 jedoch bei 50 Prozent oder um den Faktor 2,31 höher.
Studie untersuchte bestätigte Infektionen mit „echter Grippe"
In der Untersuchung ging es nur um bestätigte Infektionen mit dem Influenzavirus vom Subtyp A(H3N2), der in den vergangenen Jahren bei der saisonalen „echten Grippe" ziemlich dominant war. An zweiter Stelle folgte A(H1N1)pdm09 als Folge der „Schweinegrippe"-Pandemie von 2009. In Österreich war in der aktuellen Grippewelle bisher A(H3N2) dominant.
Die US-Wissenschafter haben mehrere mögliche Erklärungen für das Phänomen der vermehrten Infektionen in Haushalten parat: In den Jahren vor 2021/2022 hätte es jeweils nur relativ schwache Influenzawellen gegeben. Das könnte zu weniger Immunität durch überstandene Erkrankungen geführt haben. Möglicherweise hätte aber auch ein Rückgang der Influenzaimpfungen während der Covid-19-Pandemie dazu beigetragen.
Anfang 2023 79 Influenzatodesfälle unter Kindern in USA
Was die US-Wissenschafter für den Winter 2021/2022 herausgefunden haben, dürfte sich – mit etwas Variation, was den Zeitpunkt betrifft – in den vergangenen Wochen wiederholt haben. Ganz wie in Europa ist es auch in den Vereinigten Staaten Ende 2022/Anfang 2023 zu einer „abnormal" frühen und starken Influenzawelle gekommen. In den ersten Tagen dieses Jahres wurden in den USA sogar 79 Influenzatodesfälle unter Kindern registriert. (APA)

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