Bis 10. März

Ausstellung von Matthias Krinzinger in der Galerie Rhomberg: Die Erde ist ein Würfel

Sammlerstücke selbstgemacht: Krinzingers Edition von Briefmarken zeigt den Künstler selbst.
© Krinzinger

Mit großen Fragen spielerisch umgehen: Matthias Krinzingers erste Schau in der Galerie Rhomberg.

Innsbruck – Die einen sammeln Münzen, die anderen Briefmarken, Kronkorken – einige sogar Kunst. Matthias Krinzinger ist selbst als Künstler ein Sammler, allerdings einer ohne Ambition. Auf die Bilder von Giovanni Bragolin etwa ist der 1982 geborene Innsbrucker nur zufällig gestoßen. Dass die tausendfach kopierten Kitsch-Porträts von Kindern, denen dicke Tränen über die Wangen kullern, wohl bis heute in etlichen Wohnzimmern hängen, war ihm bei seinem Zufallsfund nicht klar. Bis heute hat Krinzinger 89 der „Crying Boys“ angesammelt, alle Teil der Serie „Weinende Kinder mit Zigaretten“, für die der Künstler den herzzerreißenden Motiven frech einen glimmenden Tschick an den Mund gemalt hat – was die Porträts nicht unbedingt weniger verstörend macht. Im Kopf aber bleiben sie.

Drei aus der Serie eröffnen Krinzingers gerade angelaufene – und nicht nur aufgrund der Wiederbegegnung mit den Tschick-Porträts sehenswerte – erste Ausstellung in der Galerie Rhomberg. Schön provokant fragt Krinzinger mit einem Querschnitt seines Schaffens „Dekorierst du noch oder sammelst du schon?“ – und denkt damit auch den Kontext bei Rhomberg mit. Das angrenzende Einrichtungshaus hat er auf die Galerie ausgeweitet, eine Salonausstellung entstand, die zum gemeinsamen Kunstschauen lädt: etwa anlässlich eines von Krinzinger organisierten Dart-Turniers kommenden Freitag, wofür das Werk „Another Hole In The Brick“ Pate steht; oder beim „Whiskey und Zigarren Abend“ am 3. März (jeweils 18 Uhr), der wohl kaum miefiges Meeting wird. Der Barwagen samt eckigem Globus ist schon pronto. Auf Unerwartetes darf man hoffen, immerhin ist die Erde bei Krinzinger ein Würfel.

Galerie Rhomberg

Templstr. 2–4, Innsbruck; bis 10. März, Mo–Fr 9.30–18 Uhr.

Bei der Durchsicht der Werke ist man schnell verleitet, Krinzingers Konzeptkunst und das Arbeiten in Editionen als kleine Spielereien abzutun, dabei werden hier doch die großen Fragen von heute gestellt. Was, wenn wie in der gemalten Dystopie „Die Ruinen der Almen im Sand“ (2021) von der Tiroler Walde-Idylle mit seinen fett beschneiten Berghängen einmal wirklich nur noch Wüste bleibt? Und was, wenn wie im manipulierten Panoramaprint das Unterinntal einmal schiffbar wird? Wenigstens mit dem Kreuzfahrtschiff ist Tirol dann noch erreichbar.

So hat jedes Werk seine eigene Story, die nicht ohne beißenden Spott auch vom Kunstmachen und vom Künstlersein erzählt. Wer Glück hat, trifft in der Galerie auf Krinzinger selbst. Im hinteren Bereich vielleicht, ein temporärer Lagerraum, wo Künstler und Sammler noch einmal eins werden. Hier kommt man dafür nochmals der Kunst ganz schön nahe.