Zusammenhang mit Impfung

Nach NÖ-Wahl: Je geringer die Corona-Impfquote, desto stärker die FPÖ

Wo wenig geimpft wurde, schnitt die FPÖ besonders stark ab.
© APA/HERBERT NEUBAUER

Die FPÖ konnte in impfskeptischen Gemeinden stärker punkten – auf Kosten der ÖVP. Dabei war ein größerer Einfluss des Corona-Themas aus den veröffentlichten Wahltagsbefragungen nicht ohne weiteres herauszulesen.

St. Pölten – Die FPÖ hat am Sonntag in fast allen niederösterreichischen Gemeinden Stimmen gewonnen. Besonders stark sind die Gewinne aber in den vergleichsweise impfskeptischen Gemeinden ausgefallen. Im Gegenzug hat die ÖVP dort besonders stark verloren, wie ein Vergleich der Wahl- und Impfdaten zeigt. Auf diesen Zusammenhang hingewiesen hatte am Montag ÖVP-Klubobmann Klaus Schneeberger. "Dort, wo die großen Impfgegner waren, haben wir massiv verloren", beklagte er im ORF-Radio.

"Wir haben im Vorfeld mit unseren Abgeordneten schon gehört, dass diese Frage 'Impfen' im ländlichen Bereich für uns, wenn Sie so wollen, fast tödlich war", erklärte Schneeberger am Montag. Nachgerechnet hat am Montagabend der Politikwissenschafter Laurenz Ennser-Jedenastik. Er stellte tatsächlich einen starken Zusammenhang zwischen den Stimmengewinnen der FPÖ (bzw. den Verlusten der ÖVP) und dem Anteil der geimpften Bevölkerung in den einzelnen Gemeinden fest.

Dabei war ein größerer Einfluss des Corona-Themas aus den veröffentlichten Wahltagsbefragungen nicht ohne weiteres herauszulesen. Hier standen bei der FPÖ je nach Institut Asyl/Zuwanderung oder die allgemeinen Themen der Partei im Vordergrund. Bei SORA nannten zwar auch sieben Prozent der FPÖ-Anhänger die Corona-Haltung der FPÖ als Wahlmotiv. Damit schaffte es Corona aber nur an die vierte Stelle - gemeinsam mit dem Wunsch nach Veränderung, nach einem Ende der ÖVP-Mehrheit und nach Kontrolle.

Deutlicher wird der Zusammenhang aber bei einer genaueren Auswertung der Gemeindeergebnisse. Denn in den Gemeinden mit einem besonders hohen Anteil an geimpften Personen kommt die FPÖ laut APA-Berechnungen nur auf 19 statt 24 Prozent. Hätte dagegen nur das Viertel der Gemeinden mit der geringsten Durchimpfung gewählt, dann hätte die FPÖ 30 Prozent erreicht. Die ÖVP liegt zwar in beiden Fällen über ihrem Landesschnitt von knapp unter 40 Prozent, schneidet in den gut durchgeimpften Gemeinden aber deutlich stärker ab (44 Prozent) als im Viertel der am wenigsten geimpften Gemeinden (42 Prozent).

Einen ähnlichen Trend hatte es auch bei der oberösterreichischen Landtagswahl gegeben. Auch dort lag der Stimmenanteil der FPÖ in den Gemeinden mit den geringsten Impfquoten mit 23,6 Prozent deutlich über dem Landesschnitt von knapp 20 Prozent, während in den am stärksten geimpften Gemeinden nur 16,6 Prozent für die FPÖ stimmten. In Oberösterreich schaffte es allerdings auch die impfskeptische MFG in den Landtag. Sie stellte in Niederösterreich für die FPÖ keine nennenswerte Konkurrenz im Wettbewerb um die impfskeptischen Wählerinnen und Wähler mehr dar und erreichte nur 0,5 Prozent der Stimmen. (APA)

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