🍴  Ernährungs-Tipps vom Profi

Vielseitiges Ayurveda: Die wichtigsten Regeln, um die indische Heilmethode umzusetzen

Gewürze besitzen in der ayurvedischen Heilslehre große Kräfte. Denn für Inder sind Gewürze göttliche Nahrung.
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Wer mit der Ayurveda-Ernährungs-Methode körperliche Probleme in den Griff bekommen will, muss eines wissen: Welcher Typ er nach der indischen Heilkunst ist.

Die traditionelle indische Heilkunst Ayurveda ist längst in der gesamten Welt angekommen. Das "Wissen vom Leben", wie der Begriff wörtlich übersetzt werden kann, ist auch hierzulande beliebt. Schließlich geht die in Indien wissenschaftlich gelehrte Methode auf sehr lange Erkenntnisse zurück (Ursprung vor 5000 Jahren) und setzt ganzheitlich an.

"Bei der Lehre geht es um Körper, Geist und Seele. Sie sagt, dass jedes körperliche, geistige und seelische Ungleichgewicht ein Problem darstellt und Krankheiten hervorruft", erklärt Rajat Vashisht, Ayurveda-Medizinerin im Ayurveda Resort Sonnhof in Thiersee.

Der gebürtigen Inderin ist es wichtig, alles im gesamten Zusammenhang zu sehen. Eine Grundlage für die Behandlung ist die Ernährung, die den Menschen in drei Typen unterteilt: in Vata, Pitta und Kapha. Wobei alle drei Typen sich nach körperlichen sowie psychologischen Merkmalen richten.

Besonderheiten der Typen:

Vata: Schlanke, große Menschen mit trockener, dünner Haut und hellen Augen. Vom Wesen her sind sie lebhaft und im Alltag sehr schnell am Weg. "Sie leiden unter anderem an kalten Händen und Füßen, Schlafstörungen und Blähungen", beschreibt Vashisht die gesundheitlichen Probleme.

Pitta: Dazu zählen Personen, die größer als der Durchschnitt und von der Figur weder zu dick noch zu dünn sind. Sie neigen zu unreiner Haut. "Und sie können ungeduldig und leicht reizbar sein. Nasenbluten, Sodbrennen und Hämorrhoiden können zu ihren körperlichen Schwachstellen gehören."

Kapha: Mollige Menschen, deren Haut sowie Haar leicht fetten. "Ihre oberen Atemwegssysteme verschleimen häufig und die Frauen können unter Wassereinlagerungen und Lymphproblemen leiden", erklärt Vashisht. Im Laufe des Lebens kann sich vor allem der körperliche Typ ändern und "kein Mensch ist rein nur Vata, Pitta oder Kapha, sondern immer eine Mischung", bemerkt die Ayurveda-Medizinerin.

Die Einteilung ist im Bezug auf die Ernährung wichtig, wobei sich die Lehre nach der jeweiligen Störung richtet, denn "Essen ist unser Treibstoff". Vashisht erklärt es anschaulich am Beispiel eines Autos, das nur mit einem bestimmten Kraftstoff fahren kann. "In ein Diesel-Auto können Sie kein Benzin tanken, sonst geht es kaputt. Und wenn unser Körper bestimmte Nahrungsmittel nicht bekommt, dann wird er krank." Deswegen müssten wir uns bewusster ernähren.

Wenn wir dem Körper Nahrung zuführen, die er nicht braucht, dann wird er krank.
Rajat Vashisht, Ayurveda-Medizinerin

Kapha-Frauen mit Wassereinlagerungen sollten "Entwässerndes zu sich nehmen, wie Brennnesseloder Zinnkrauttee und Meerrettich", berichtet sie. Bei der Zubereitung von Speisen empfiehlt sich der Griff zu Meerrettich. Gewürze spielen in der ayurvedischen Küche eine große Rolle. Aus diesem Grund sollten Pitta-Typen das Essen mit schwarzem Pfeffer schärfen oder mit Zimt süßen. "Ingwerpulver ist zu vermeiden, da es anregt, Walnüsse wirken beruhigend. Heißes Essen ist zu vermeiden."

Hingegen sollten Menschen mit Vata-Problemen von kalten Speisen und Getränken Abstand nehmen. "Erst warm essen -ob gekocht, getoastet, gedünstet oder gegrillt, ist egal. Alle weihnachtlichen Gewürze, wie Anis, Nelken und Zimt, sind gut für die Durchblutung", informiert die Ayurveda-Medizinerin. Jedoch muss schlussendlich jeder Typ beachtet werden. "Wen Vata-Pitta auszeichnet und wer gar keine Kapha-Nahrung zu sich nimmt, der bringt Kapha in Dysbalance. Und Kapha stärkt das Immunsystem. Die Verteilung sollte dann mehr Vata-Pitta und dazu etwas Kapha sein."

Vashisht selbst behandelt ihre Gäste im Hotel allerdings erst nach eingehender körperlicher Untersuchung. Jedoch ist der Medizinerin bewusst, dass sich dies nicht jeder ermöglichen kann, der seinem Körper nach der ayurvedischen Lehre etwas Gutes tun und von den Störungen wie Blähungen und Sodbrennen befreien will.

Ayurveda leicht gemacht

Deswegen gibt sie allen Interessierten auch einfache Regeln mit auf den Weg, die zur indischen Lehre zählen und natürlich ebenfalls helfen. "Auf unseren Körper hören. Das ist das A und O." Wer sich die Frage, ob er Hunger oder nur Appetit hat, mit "lediglich Lust auf" beantwortet, soll die Finger vom Essen lassen. "Dann braucht der Körper das nicht. Wenn der Körper uns sagt, er hat keine Lust auf Süßes, dann ist das so. Süßes wäre zu dem Zeitpunkt zu viel Energie für ihn."

Obendrein spielt das Sich-Zeit-Nehmen für die Nahrungsaufnahme eine gewichtige Rolle. "Der Körper braucht ungefähr 20 Minuten, um uns zu zeigen, ob er noch Hunger hat oder nicht." Wenn der Mensch satt ist, sei Essen kontraproduktiv. "Als Letztes gilt: Saisonale und regionale Nahrung zu sich nehmen, sie gibt uns das, was der Körper vor Ort braucht und hat auch mehr Heilkraft als weit gereiste Speisen."