Viele Tote und Verletzte

Beben in Türkei und Syrien: Zahlreiche Hilfsaufrufe, Nothilfe läuft

In Syrien sind die Mitglieder der "Weißen Helme" als Ersthelfer vor Ort. Sie benötigen dringend Unterstützung.
© APA/AFP/AHMAD AL-ATRASH

Nach dem schweren Erdbeben in der Grenzregion zwischen Syrien und der Türkei wird dringend Hilfe benötigt. Erste Hilfe, Nahrungsmittel und Wasser, Decken und Schlafsäcke, psychologische Betreuung und die Koordination von Unterkünften sind jetzt wichtig.

Wien/Ankara/Damaskus – Nach dem Erdbeben in der türkisch-syrischen Grenzregion haben zahlreiche Organisationen Hilfsraufrufe gestartet, darunter die Caritas, das Rote Kreuz, die Diakonie, Ärzte ohne Grenzen, der Arbeiter Samariterbund und World Vision. Allein in der Türkei dürften mehr als 900 Menschen ums Leben gekommen sein, wie der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan meldete, mehr als 6000 wurden in der Region verletzt. Das Ausmaß der Zerstörungen war allerdings noch nicht klar. Insgesamt ist die Rede von mindestens 1400 Todesopfern.

Hilfe sei dringend notwendig, appellierte die Caritas. Caritas Auslandshilfe-Generalsekretär Andreas Knapp sagte: "Bereits jetzt ist die Situation aber absolut dramatisch. Kolleginnen und Kollegen vor Ort berichten uns, dass Menschen trotz Temperaturen unter Null Grad auf Straßen vor angezündeten Feuern und in Fahrzeugen warten." Offenbar geht es um Grundbedürfnisse. "Erste Hilfe, Nahrungsmittel und Wasser, Decken und Schlafsäcke, psychologische Betreuung und die Koordination von Unterkünften", so Knapp. Vor allem das von mehreren Krisen gebeutelte Syrien habe das Beben in einer verheerenden Lage erwischt. "Die Beben trafen u.a. das bereits durch die Auseinandersetzungen zerstörte Ost-Aleppo besonders stark", betonte die Caritas in einer Aussendung.

Die katholische Hilfsorganisation Caritas International will mithilfe ihrer Partnerorganisationen die vom verheerenden Erbeben in der Türkei und in Syrien betroffenen Menschen rasch unterstützen. Zudem werde sich Caritas Aleppo in Syrien an Hilfsmaßnahmen beteiligen. Rund 100.000 Euro gingen sofort als allererste Finanzhilfe an die Partner, weitere Gelder sollen folgen. Ein Krisenstab wurde gebildet.

Hilfslieferungen und Suchtrupps würden von den Partnern vor Ort koordiniert. Zum Teil verteilten bei solchen Katastrophen auch die Kirchengemeinden vor Ort Lebensmittel und andere Hilfsgüter. Bei dem Erdbeben kamen am frühen Montagmorgen Hunderte Menschen ums Leben. Das gesamte Ausmaß der Katastrophe ist noch nicht abzusehen.

Das Zentrum für Katastrophenhilfe der EU koordiniert die Entsendung von europäischen Rettungskräften in die Türkei. Erste Teams aus den Niederlanden und Rumänien seien bereits unterwegs, sagte der zuständige EU-Kommissar Janez Lenarcic. Der Slowene bestätigte zudem, dass das EU-Katastrophenschutzverfahren gestartet worden sei. Es zielt laut Kommission unter anderem darauf ab, die Zusammenarbeit zwischen den EU-Mitgliedsländern und den anderen teilnehmenden Staaten zu stärken und die Reaktion auf Katastrophen zu verbessern.

Erschwerte Rettungsbedingungen durch Winterwetter

"Dramatisch" nannte Michael Opriesnig, Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes (ÖRK), die Lage in dem Erdbebengebiet. "Der Türkische Rote Halbmond hat sofort nach dem Erdbeben seine Teams mobilisiert, um den betroffenen Menschen so rasch wie möglich zu helfen. Nach Berichten unserer Kolleg:innen im Einsatzgebiet müssen sich die Hilfstransporte den Weg durch verschneites Gebiet machen, um diejenigen zu retten, die noch unter den Trümmern begraben sind", sagte Opriesnig. Auch in Österreich laufe die Hilfe für die Türkei und Syrien an.

Rotes Kreuz mit Spendenaufruf

Spenden an das Rote Kreuz: IBAN AT57 2011 1400 1440 0144, Kennwort: Katastrophenhilfe

Die Diakonie Katastrophenhilfe bat ebenfalls um Spenden. In der betroffenen Region in Syrien leben viele vom Bürgerkrieg bereits aus ihren Heimatorten vertriebene Menschen, hieß es in einer Aussendung. "Sie sind besonders verletzlich und haben nichts mehr, worauf sie in der Notsituation zurückgreifen können, da sie das Nötigste bereits einmal verloren haben", konstatierte Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser. "Aktuell sind wir im Austausch mit unseren Partnern vor Ort. Sie haben uns mitgeteilt, dass keine Mitarbeiter:innen zu Tode gekommen sind. Erste Nothilfe läuft an", betonte Moser.

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Ärzte ohne Grenzen ist nach eigenen Angaben vor allem in Nordsyrien im Einsatz: "In Idlib behandeln wir Patient:innen in den von uns bereits unterstützten Krankenhäusern. Zudem haben wir medizinische Hilfsgüter für den Noteinsatz an andere Einrichtungen in der Region gespendet. Wir sind in engem Kontakt mit den Behörden im Nordwesten Syriens und in der Südtürkei, um den Bedarf laufend zu erheben und die vom Erdbeben betroffenen Menschen bestmöglich zu unterstützen", teilte die Organisation mit.

World Vision lieferte erste Zeugenberichte von Mitarbeitern in der Katastrophenregion: "Mitten im Schlaf begann das ganze Haus zu wanken. Ich rannte sofort zu meinen Kindern, konnte aber nicht alle tragen. Ich konnte die Tür nicht mehr erreichen, sie war zu weit entfernt. Eine Minute fühlte sich wie Jahre in Angst und Hilflosigkeit an. Die Nachbeben machten weiter Angst. Die meisten Menschen waren mitten in Schnee und Regen auf der Straße, viele Gebäude sind zerstört, viele Verschüttete sind noch unter den Trümmern", schilderte ein World Vision-Mitarbeiter das Beben in Nordsyrien.

Ein Hilfeaufruf kam auch von Reinhard Hundsmüller, Bundesgeschäftsführer des Arbeiter-Samariter-Bund Österreichs: "Es geht darum, Verletzte rasch medizinisch zu versorgen, provisorische Unterkünfte aufzustellen und Menschen mit Nahrungsmitteln zu beliefern. Die Lage ist katastrophal." (APA)

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