Wechsel an der Spitze

Justiz feierte 35. Landesgericht-Präsidenten: Zadic gelobte Stutter an

Gute Stimmung im Schwurgerichtssaal: Ministerin Alma Zadic überreichte Neo-LG-Präsidenten Andreas Stutter das Ernennungsdekret.
© Falk

Innsbruck, Wien – Das Landesgericht Innsbruck genießt bundesweit einen exzellenten Ruf. Nicht nur bei der Verfahrenserledigung liegt man an der Spitze, auch komplexe Pilotprojekte wurden vom Justizministerium gerne nach Innsbruck vergeben. Nicht zuletzt ein Verdienst von Präsident Gerhard Salcher, der das größte Volllandesgericht über elf Jahre vorbildlich geführt hatte.

Im November übergab Salcher das Zepter an seinen langjährigen Weggefährten Andreas Stutter. Im Alter von 44 Jahren war der Zivilrichter 2011 zum Vizepräsidenten ernannt worden und war dabei in praktisch alle Agenden des Landesgerichts involviert. Zugleich wirkte Stutter jedoch als Vorsitzender eines Zivilsenats, noch eine Zeit als Obmann der Richtervereinigung Sektion Tirol und bis zur Amtsübergabe als Mediensprecher des Landesgerichts. Vielleicht auch deshalb war gestern zur Amtseinführung Stutters auch der allerletzte Platz im Schwurgerichtssaal besetzt. Bischof Hermann Glettler, Justizministerin Alma Zadic, Oberlandesgerichts-Präsident Wigbert Zimmermann und Innsbrucks Bürgermeister Georg Willi bildeten sozusagen die personelle Spitze des Festaktes. LG-Vizepräsident Klaus Jennewein gemahnte Zeitdisziplin und deshalb aufgrund der Anzahl von Persönlichkeiten doch lieber auf Begrüßungsapplaus zu verzichten.

Die Persönlichkeit Andreas Stutter wurde von Yvonne Summer, Vizepräsidentin der Richtervereinigung, am besten umrissen: „Stutter kennt die Justiz – und die Justiz kennt ihn!“

Auch Vorgänger Salcher streute den Stellvertretern Stutter und Jennewein Rosen: „Ich konnte mich mit so einem Team nur glücklich schätzen. In Zeiten der Pandemie stießen wir auch so an unsere Grenzen.“ Für OLG-Präsident Zimmermann ist Stutter nicht nur 35. Präsident des Landesgerichts seit dem Jahr 1784, sondern für die Funktion „geradezu prädestiniert“. Etwas die Feierlaune verdarb die Personalsituation in der Justiz. Vor allem an Kanzleipersonal fehle es, aufgrund teils nicht marktgerechter Entlohnung. Aber auch der Abgang in der Tiroler Richterschaft – ein Drittel wechselt in den nächsten Jahren in den Ruhestand – macht Sorgen. Standesvertreterin Summer: „Die Situation in den Kanzleien ist prekär. Früher hatten wir wegen des Budgets keine Planstellen, heute keine Bewerber.“ LG-Präsident Stutter: „Wir benötigen einen starken Auftritt am Arbeitsmarkt. Die uns jetzt verlassen, sind die Erfahrensten.“ Auch so möchte er ein „niederschwelliges Miteinander im Haus“ und einen respektvollen Umgang mit Bediensteten und sämtlichen Parteien. Aber: „,Wo wir sind, ist vorne!‘, den Anspruch meines verehrten Vorgängers, möchte ich weiterführen.“

Ministerin Zadic verwies für die Justiz angesichts des langjährigen Mediensprechers Stutter auf die Wichtigkeit von Transparenz und Information, gleichwie auf die Rolle der Medien als „Watchdog“.

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