Verweis auf bestehende Modelle

Mieten drohen erneut massiv zu steigen: AK fordert Mietpreisbremse

Mieten steigen, das Geld wird immer weniger wert.
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Richtwertmieten werden nach aktueller Rechtslage im April um 8,6 Prozent erhöht. Nun werden Forderungen laut, der Gesetzgeber solle zuvor eingreifen und diesen Anstieg verhindern. Die SPÖ will ein Modell am Donnerstag im Bautenausschuss einbringen. Die AK beklagt auch gesetzwidrige Klauseln in Mietverträgen.

Wien – Per April drohen immense Steigerungen der Richtwert- und Kategoriemieten um 8,6 Prozent, da diese an die Inflation angepasst werden. Ausnahmen gab es in der Coronakrise. Vor allem SPÖ, FPÖ, Arbeiterkammer (AK) und Gewerkschaftsbund (ÖGB) machen Druck, rasch zu handeln - und auch das Mietrecht an sich zu reformieren. Die Regierung wolle bis April eine Lösung finden, so Justizministerin Alma Zadic (Grüne) im Ministerrat am Mittwoch.

Die Gespräche liefen aktuell auf parlamentarischer Ebene. Denen wolle sie nicht vorgreifen, so die Ministerin.

SPÖ macht weiter Druck

Die Sozialdemokraten bekräftigten ihren Ruf nach einer Aussetzung der Mietzinserhöhungen bis 2026, betonte SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner bei einer Pressekonferenz. Danach sollen die jährlichen Mietzinserhöhungen mit maximal 2 Prozent gedeckelt werden. Auch die AK will eine Deckelung bei 2 Prozent. Ein Blick in andere EU-Länder mit ähnlichen Regelungen zeige, dass die Menschen so entlastet würden.

Einen entsprechenden Antrag will die SPÖ am Donnerstag im Bautenausschuss einbringen. Das könnte auch seitens der Regierungsparteien ÖVP bzw. Grünen geschehen – in Form einer sogenannten „Trägerrakete". Dieser Begriff entstammt in diesem Fall nicht der Raumfahrt, sondern dem Polit-Jargon und meint die Hülle für Gesetzesvorhaben, die zwar vorerst ohne Inhalt bleibt, dann aber rasch gefüllt werden kann, um gewisse Vorhaben – wie eben etwa eine Begrenzung der Erhöhung der Mieten – umzusetzen.

Die SPÖ ist jedenfalls „jederzeit bereit zu verhandeln oder einen gemeinsamen Antrag einzubringen", so die rote Wohnbausprecherin und Bautenausschussvorsitzende Ruth Becher. Die FPÖ will laut einer Aussendung am Dienstag „aufarbeiten", dass die ÖVP in der Wohnpolitik „Renditen der Superreichen" sichere und „gleichzeitig den sozialen Wohnbau verscherbelt", so deren Bautensprecher Philipp Schrangl. Die Glaubwürdigkeit des SPÖ-Antrags sei auch „fraglich", denn schließlich sei in Wien die SPÖ Treiber der Mietkosten, so der Freiheitliche.

Der Richtwertmietzins betrifft Altbauwohnungen unter 130 Quadratmetern, die seit März 1994 neu vermietet wurden. Auch ein Teil der Gemeindewohnungen unterliegt freiwillig der Richtwertmiete. Die Kategoriemieten in Altbauten hingegen erhöhen sich immer dann, wenn das durchschnittliche Preisniveau seit der letzten Erhöhung um fünf Prozent gestiegen ist. Kategoriemieten betreffen Verträge, die vor März 1994 fixiert wurden.

Kritik an der Regierung kam von der Chefin der Wiener Mietervereinigung Elke Hanel-Torsch. „Ich finde es schade, dass wir als Expertinnen und Experten nicht einbezogen werden." In der Beratungspraxis erlebe sie derzeit einen noch nie da gewesenen Andrang. Auch Arbeiterkammer-Expertinnen sind nicht eingebunden, sagte AK-Wohnrechtsexperte Walter Rosifka am Mittwoch bei einem Pressegespräch auf Nachfrage.

AK: Auch einheitliches, neues Mietrecht notwendig

Aus AK-Sicht braucht es neben dem raschen Mietendeckel auch ein einheitliches, neues Mietrecht mit einem verpflichtenden Mustermietvertrag, denn praktisch alle Mietverträge enthielten gesetzwidrige Klauseln. Befristete Mietverträge sollen nur mehr privaten Vermietern ermöglicht werden. Diese seien in der Realität auch gar nicht günstiger als nicht-befristete Verträge, sagte Rosifka. Ebenso beendet gehörten Verträge, die nicht vor einer gewissen Zeitdauer gekündigt werden dürfen. Das Justizministerium solle Mustermietverträge erstellen, damit gesetzwidrige Klauseln der Vergangenheit angehören.

Der Obmann der WKÖ-Fachgruppe der Immobilien- und Wirtschaftstreuhänder, Michael Pisecky, lehnt dagegen eine Mietpreisbremse ab. Die Mieten in Österreich seien im internationalen Vergleich „ohnehin niedrig", daher brauche es keine gesetzlichen Eingriffe. Vor Eingriffen warnt auch der wirtschaftsliberale Thinktank Agenda Austria. Wifo-Chef Gabriel Felbermayer hatte sich zuletzt tendenziell kritisch gezeigt.

Eine Mietpreisbremse würde etwa dazu führen, dass Immobilien-Eigentümer weniger vermieten, argumentierte Agenda Austria. Weder Rosifka von der AK noch Hanel-Torsch von der Mietervereinigung können das Argument nachvollziehen. Es gebe nur eine „Profitbegrenzung, das kennen wir überall", sagte Rosifka. „Ich sehe kein Problem." Nur wenn die Inflation sehr lange sehr hoch bleibe, dann müsse man „vielleicht nachjustieren", sagte er auf APA-Nachfrage.

Mehrere Länder zogen Obergrenzen ein

In Spanien und Portugal darf der Mietzins den Angaben der Mietervereinigung zufolge um maximal 2 Prozent pro Jahr angehoben werden, in Frankreich um 3,5 Prozent. Dänemark deckle die Mieterhöhungen bis 2024 mit 4 Prozent, in der Schweiz könnten sie einmal jährlich um nicht einmal die Hälfte (40 Prozent) der Steigerung der Verbraucherpreise (Inflation) erhöht werden, in Schweden müsse sich die durchschnittliche Erhöhung 2023 zwischen 2,5 und 4,5 Prozent bewegen. Holland orientiert sich laut Hanel-Torsch seit heuer im Jänner an der durchschnittlichen Lohnerhöhung: Diese habe 2022 3,1 Prozent betragen, folglich dürften die Mieten um höchstens 4,1 Prozent angehoben werden.

International werden also längst Regierungsmaßnahmen zur Beschränkung der Mietzinserhöhungen gesetzt. „Es gibt Vorbilder, die Regierung könnte sich einiges abschauen", bekräftigte Hanel-Torsch. „Die Mietpreisbremse wäre umsetzbar." Wohnen sei ein Grundbedürfnis. „Wir alle müssen wohnen und es muss leistbar und sicher sein." (APA)

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