Unermüdliche Sucharbeiten

Mehr als 11.700 Tote nach Erdbeben, Erdogan räumt „Defizite" im Krisenmanagement ein

Nach dem schweren Beben in der türkisch-syrischen Grenzregion harren noch immer Hunderte Familien in den Trümmern aus – und das bei Temperaturen um den Gefrierpunkt.
© ADEM ALTAN

Zwei Tage nach dem katastrophalen Erdbeben in der syrisch-türkischen Grenzregion laufen die Sucharbeiten unermüdlich weiter. Vor allem in Syrien geht es aber nicht zuletzt wegen der Bürgerkriegssituation nur schleppend voran. Während die Zahl der Todesopfer immer weiter steigt, schwindet zugleich die Hoffnung, noch Überlebende zu finden. Präsident Erdogan reiste heute ins betroffene Gebiet und versprach rasche Hilfe, an ihm wird aber auch Kritik laut.

Ankara/Damaskus/Wien – Nach dem verheerenden Erdbeben im türkisch-syrischen Grenzgebiet hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan „Defizite" im Krisenmanagement eingeräumt. Bei einem Besuch von zwei besonders von der Katastrophe betroffenen Regionen sagte Erdogan am Mittwoch allerdings auch, es sei nicht möglich, „auf so ein Erdbeben vorbereitet zu sein". Die EU kündigte unterdessen eine Geberkonferenz für Syrien und die Türkei für Anfang März an.

Durch das Erdbeben am Montag im türkisch-syrischen Grenzgebiet sind nach jüngsten Angaben vom Mittwoch mehr als 11.700 Menschen um Leben gekommen, 9057 Menschen in der Türkei, in Syrien 2622. Rettungskräfte suchen noch immer nach Überlebenden, Experten rechnen jedoch bei den eisigen Temperaturen mit weiter steigenden Opferzahlen. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, UNICEF, befürchtet, dass Tausende Kinder darunter sein dürften. Überlebende harrten die zweite Nacht bei eisigen Temperaturen im Freien aus, während sie erschöpft und verzweifelt auf Hilfe warteten.

📽 Video | Schwierige Hilfe nach Erdbeben

Das Krisenmanagement der türkischen Regierung wurde von vielen Menschen in den betroffenen Regionen heftig kritisiert. Erdogan sagte bei seinem Besuch in der südlichen Provinz Hatay: „Natürlich gibt es Defizite. Die Zustände sieht man ja ganz klar." Gleichzeitig nahm er Polizisten und Soldaten vor der nach dem Erdbeben aufgekommenen Kritik in Schutz. Diese seien „ehrenhaft".

Wer behaupte, es seien keine Soldaten und Polizisten vor Ort, sei „ehrenlos und unehrlich", sagte der türkische Staatschef. Seine Regierung werde es nicht zulassen, dass derart über die Einsatzkräfte gesprochen werde. In der Provinz Hatay seien mehr als 21.000 Helfer im Einsatz, darunter Soldaten und Polizisten.

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Dringende Hilfe für Betroffene

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Umgeben von Journalisten räumte Erdogan ein, dass die Hilfe am ersten Tag nur schleppend angelaufen sei. Es habe Probleme mit Straßen und Flughäfen gegeben. Aber jetzt sei die Lage unter Kontrolle. Er versprach Hilfe für obdachlos geworden Menschen und den Neubau von Häusern innerhalb eines Jahres.

Gleichzeitig rief er dazu auf, nur auf Anweisungen der Behörden zu hören und nicht etwa auf „Provokateure" – was offenbar als Seitenhieb auf die immer lauter werdende Kritik an dem von vielen Türken als zu langsam und völlig unzureichenden empfundenen Hilfseinsatz zu verstehen war. Erdogan befindet sich mitten im Wahlkampf. Er muss um seine Wiederwahl im Mai fürchten.

Unmut in der Bevölkerung mehrt sich

Zuvor hatte es heftige Kritik aus der Bevölkerung gegeben, dass sie bei den Bergungsarbeiten von den Behörden im Stich gelassen würden. „Wo sind die Zelte? Wo sind die Lkw mit Lebensmitteln?", empörte sich eine Frau in der schwer von den Erdstößen getroffenen Stadt Antakya. Rettungsteams habe sie bisher nicht gesehen. „Im Gegensatz zu früheren Katastrophen in unserem Land haben wir hier keine Lebensmittelverteilung gesehen. Wir haben das Erdbeben überlebt, aber wir werden hier an Hunger oder Kälte sterben."

Das Trauma der Menschen in der Erdbebenregion wird Jahre andauern: Mesut Hancer hält verzweifelt die Hand seiner verschütteten Tochter, die bei dem Erdbeben in Kahramanmaras ums Leben kam. Dieses Bild geht um die Welt.
© APA/AFP/ADEM ALTAN

Reporter der Nachrichtenagentur AFP sahen Menschen, die mit bloßen Händen in den Trümmern nach Verwandten suchten, und sprachen mit wütenden Anwohnern, die vergeblich auf versprochene Zelte, Lebensmittel und Ausrüstung gewartet hatten.

Protest gegen mutmaßliche Twitter-Sperre

Auch im Internet beklagten sich zahlreiche Menschen in den betroffenen Regionen bitter über das Katastrophenmanagement der türkischen Regierung. Doch zum Zeitpunkt von Erdogans Besuchs in den Erdbebenregionen war der Kurzbotschaftendienst Twitter größtenteils nicht mehr erreichbar. Nutzer in der Türkei und die Netzwerkverkehr-Beobachtungsstelle netblocks.org berichteten, dass der Zugang zu Twitter bei mehreren Internetanbietern eingeschränkt sei.

Türkische Politiker und Prominente haben gegen die mutmaßliche Twitter-Sperre protestiert. Kemal Kilicdaroglu, Chef der größten Oppositionspartei CHP, äußerte am Mittwoch scharfe Kritik: „Diese wahnsinnige Palastregierung hat die Kommunikation der sozialen Medien unterbrochen", schrieb der Oppositionsführer auf Twitter.

Gibt es eine Erklärung dafür, dass Twitter beschränkt wurde, wo es doch nützlich sein kann, Leben zu retten?
Cem Yilmaz (Türkischer Comedian)

„Das Ergebnis ist, dass Hilferufe weniger gehört werden. Wir wissen, was sie alles zu verbergen versuchen. Wir warten auf eure Erklärung", schrieb Kilicdaroglu. Auch der türkische Schauspieler und Comedian Cem Yilmaz forderte im Netz Aufklärung. „Gibt es eine Erklärung dafür, dass Twitter beschränkt wurde, wo es doch nützlich sein kann, Leben zu retten?" Immer wieder hatten in den vergangenen Tagen verschüttete Menschen über die sozialen Medien Hilferufe abgesetzt.

Die Organisation Netblocks, die für die Beobachtung von Internetsperren bekannt ist, berichtete am Mittwoch über die Beschränkung von Twitter durch mehrere Internetanbieter in der Türkei. Von offizieller Seite gab es dafür zunächst keine Bestätigung. Den Kurznachrichtendienst erreichten Nutzer in der Türkei nur noch durch Tunneldienste (VPN). In den sozialen Medien forderten Nutzer unter einem Hashtag die Freigabe von Twitter.

📽 Video | Aufräumarbeiten in den Bebengebieten

Rettung als Wettlauf gegen die Zeit

Die Bergungsarbeiten sind ein Rennen gegen die Zeit: Die kritische Überlebensgrenze für Verschüttete liegt normalerweise bei 72 Stunden. Temperaturen um den Gefrierpunkt machten den Überlebenden zusätzlich zu schaffen, viele haben kein Dach mehr über dem Kopf – es wird für die Helfer immer schwieriger, noch Lebende aus den Trümmern zu ziehen. Nach Worten des türkischen Außenministers Mevlüt Cavusoglu bereits 60.000 Helfer aus 36 Ländern im Einsatz.

Immer wieder kommt es in all dem Leid zu Meldungen, die einen Funken Hoffnung versprühen. So haben etwa Rettungskräfte im südtürkischen Hatay nach 58 Stunden unter Trümmern ein vier Monate altes Mädchen gerettet. Die Helfer stiegen in eine Lücke zwischen den eingestürzten Hauswänden, wickelten das Baby in eine Decke und hoben es heraus, wie Aufnahmen zeigten. Die Kleine wimmerte. Die Retter versuchten, den Säugling zu beruhigen. Die Suche nach den Eltern geht nach Angaben der Nachrichtenagentur DHA weiter.

© MOHAMMED AL-RIFAI

Auch ein sieben Monate altes Baby wurde zwei Tage nach dem verheerenden Beben aus den Trümmern in der türkischen Südprovinz Adiyaman gerettet. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, wurde der Säugling in ein Krankenhaus gebracht.

In Kahramanmaras wurde ein einjähriges Kind mit seiner schwangeren Mutter nach 56 Stunden lebend unter den Trümmern hervorgeholt, wie DHA berichtete. Das Gesicht des Mädchens war weiß vor Staub. Der Vater war schon zuvor lebend gerettet worden.

Rettungskräfte haben in der Südosttürkei außerdem eine Frau 52 Stunden nach dem schweren Erdbeben lebend unter den Trümmern geborgen. Bilder des Senders NTV zeigten am Mittwoch, wie die Einsatzkräfte in der Provinz Kahramanmaras die Frau auf einer Trage zum Krankenwagen trugen. Sie ist demnach 58 Jahre alt und aus einem eingestürzten Hotel geborgen worden.

Die Retter suchen weiter verzweifelt nach Verschütteten. Doch die Chancen für die Betroffenen schwinden zusehends.
© APA/AFP/RAMI AL SAYED

Politische Lage erschwert Hilfen

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte zu der fünf Anfang März geplanten Geberkonferenz, die Türkei und Syrien könnten „auf die EU zählen. Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) könnten bis zu 23 Millionen Menschen von den Folgen des Bebens betroffen sein.

In den ersten Tagen hatten gesperrte Flughäfen und verschneite Straßen die Ankunft von Rettungsmannschaften und Hilfslieferungen verzögert. In Syrien kommt die politisch heikle Lage hinzu. Das Katastrophengebiet ist dort in von Damaskus kontrollierte Gebiete und Territorien unter der Kontrolle von Rebellen geteilt. Auf Betreiben von Damaskus und Moskau ist seit Jahren nur noch der Grenzübergang Bab al-Hawa für Hilfslieferungen nach Syrien geöffnet.

Lassen Sie die Politik beiseite und lassen Sie uns unserer humanitäre Arbeit tun.
El-Mostafa Benlamlih (UNO-Hilfskoordinator für Syrien)

Inzwischen mehren sich die Forderungen an Ankara und Damaskus, grenzüberschreitende Hilfe zu ermöglichen. So rief die UNO Syriens Regierung dazu auf, Helfern Zugang zu den von Rebellen kontrollierten Erdbebengebieten im Nordwesten des Landes zu ermöglichen.

📽 Video | El-Gawhary (ORF) über Lage in Syrien

„Lassen Sie die Politik beiseite und lassen Sie uns unserer humanitäre Arbeit tun", appellierte der UNO-Hilfskoordinator für Syrien, El-Mostafa Benlamlih, in einem Interview der Nachrichtenagentur AFP an die Regierung von Machthaber Bashar al-Assad. Laut dem Bericht von AFP-Korrespondenten blieben im Katastrophengebiet auch die zweite Nacht in Folge viele Menschen auf der Straße – teils aus Angst vor Nachbeben und teils, weil sie keine Häuser mehr und auch keine Notunterkünfte hatten.

Immerhin wurde indes eine beschädigte Straße zwischen der Türkei und Syrien so weit repariert, dass Hilfsgüter befördert werden können. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) könne so die Opfer in Nordsyrien mit Notfallmaterial aus einem Lager in der Türkei versorgen, sagte der WHO-Vertreter in der Türkei. Zudem seien zwei Frachtmaschinen mit WHO-Material startbereit, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. Die erste sollte am Donnerstag, die zweite am Freitag in Damaskus eintreffen.

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Wie das Außenministerium Dienstagmittag mitteilte, wurden zwei Österreicher in der Provinz Kahramanmaras in Anatolien tot geborgen. Weitere Vermisste gäbe es aktuell nicht. Nach Schätzungen des Pacific Disaster Centers, einer US-Organisation für Katastrophenhilfe, sind insgesamt rund 23 Millionen Menschen betroffen. Im Erdbebengebiet suchen Retter weiter unter großem Zeitdruck nach Überlebenden unter den Trümmern eingestürzter Häuser.

Diese Arbeiten werden fortgesetzt, bis wir den letzten Bürger unter den Trümmern erreicht haben.
Der türkische Vizepräsident Fuat Oktay

International lief die Hilfe an, erste Teams auch aus Österreich trafen im Katastrophengebiet ein. 70 Länder hätten inzwischen ihre Unterstützung bei den Such- und Rettungsmaßnahmen angeboten, sagte Erdogan. Die Regierung plane zudem, Betroffene vorübergehend in Hotels in der westlich gelegenen Tourismusmetropole Antalya unterzubringen.

Rettungskräfte aus 36 Ländern sind bereits vor Ort eingetroffen.
© APA/AFP/FETHI BELAID

Rettung in Syrien läuft nur schleppend an

Während in der Türkei Hilfe großflächig angelaufen ist, warten viele Betroffene in Syrien auf Rettungsteams. Retter in Syrien vermuten, dass noch immer Hunderte Familien unter den Trümmern begraben sind. Eines der am schwersten betroffenen Gebiete in dem Land ist die von Rebellen kontrollierte Region Idlib.

In Syrien war nach Protesten gegen die Regierung 2011 ein Bürgerkrieg ausgebrochen, in dem viele ausländische Staaten eingriffen und in dem über ein Jahrzehnt mehr als 350.000 Menschen getötet wurden. Die Assad-Regierung beherrscht inzwischen wieder rund zwei Drittel des zersplitterten Landes. Die Erdbeben-Katastrophe traf im Norden Gebiete unter verschiedener Kontrolle, was Helfern die Arbeit zusätzlich erschwert.

Gedenken an die vielen Opfer des Erdbebens in der Türkei und in Syrien.
© APA/AFP/SAID KHATIB

In Syrien öffneten Moscheen ihre Pforten, um Betroffene aufzunehmen. Nach Angaben der Regierung und von Rettungskräften in den von der Regierung kontrollierten Regionen und von Rebellen gehaltenen Gebieten im Nordwesten des Landes starben mindestens 1800 Menschen. Auch hier werden noch viele Opfer unter den Trümmern vermutet. Die Region hatte schon unter dem syrischen Bürgerkrieg besonders zu leiden. Zerstörte Straßen und der harte Winter erschweren den Vereinten Nationen zufolge die Rettungsarbeiten. In Hama wurden am Dienstag die ersten Toten beerdigt. „Es ist schrecklich", sagte Abdallah al Dahan, ein Einwohner der Stadt. „In meinem ganzen Leben habe ich so was noch nicht gesehen, bei allem was uns schon widerfahren ist." Angesichts gestörter Lieferungen von humanitärer Hilfe nach Nordsyrien haben die Vereinten Nationen eine Lösung angemahnt.

Dies ist eine Gelegenheit, die Politik beiseite zu lassen und sich auf das zu konzentrieren, was dringend benötigt wird, um Männern, Frauen und Kindern zu helfen, deren Leben durch eines der schwersten Erdbeben seit langem zerstört wurde, und wir hoffen, dass alle das im Hinterkopf behalten.
UN-Sprecher Stephane Dujarric

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Sammlung für Erdbebenopfer: Erster Hilfs-Lkw aus Reutte auf dem Weg in die Türkei

In der Türkei sind den Behörden zufolge 13,5 Millionen Menschen betroffen. Das Gebiet erstreckt sich in der Türkei über 450 Kilometer von Adana im Westen bis Diyarbakir im Osten und über 300 Kilometer von Malatya im Norden bis Hatay im Süden. Im Katastrophengebiet herrschten Temperaturen um den Gefrierpunkt.

Schlechtes Wetter behindert Rettungsmaßnahmen

Der türkische Wetterdienst sagte teils Schneefall und Regen voraus. Nachbeben und das schlechte Wetter mit niedrigen Temperaturen und Regen behinderten am Dienstag die Rettungsarbeiten und Hilfslieferungen. Hinzu kommen schlechte Internetverbindungen und beschädigte Straßen zwischen einigen der am stärksten betroffenen türkischen Städte, in denen Millionen von Menschen leben. In die drei am meisten betroffenen Provinzen Hatay, Kahramanmaras and Adiyaman dürften nur noch Rettungsfahrzeuge und Hilfstransporte fahren, sagte Oktay. Dasselbe gelte für den Verkehr aus den drei Provinzen.

📽 Video | Katharina Wagner (ORF) zu Bergungs-Arbeiten

Die türkische Katastrophenbehörde AFAD teilte mit, dass 13.740 Such- und Rettungskräfte eingesetzt und mehr als 41.000 Zelte, 100.000 Betten und 300.000 Decken in die Region geschickt worden seien. Über das Zentrum für Katastrophenhilfe der EU sind bereits 27 Such- und Rettungsteams mobilisiert worden. Wie der zuständige EU-Kommissar Janez Lenarcic am Dienstagvormittag mitteilte, entspricht das insgesamt mehr als 1150 Rettungskräften und 70 Hunden.

Griechenland schickte trotz der Spannungen mit der Türkei am Montag eine Rettungsmannschaft mit Spürhunden ins Erdbebengebiet. Eine israelische Hilfsdelegation ist in der Türkei angekommen, um dort nach den schweren Erdbeben bei der Suche nach Verschütteten zu helfen. Hilfszusagen kamen etwa auch aus Großbritannien, Indien, Pakistan, Finnland, Schweden, Russland, der von Russland angegriffenen Ukraine sowie den USA.

Bundesheer bereits im Sucheinsatz

Satelliten-Aufnahmen zeigen ein Vorher-Nachher aus dem vom Erdbeben betroffenen Islahiye in der Türkei.
© APA/AFP/Satellite image

Seit Dienstag sind 81 Soldaten und vier Soldatinnen der Katastrophenhilfseinheit Austrian Forces Disaster Relief Unit (AFDRU) im Einsatz in der türkischen Provinz Hatay. Die dicht besiedelte Region ist eines der am stärksten betroffenen Gebiete nach dem verheerenden Erdbeben. „Es gibt nur mehr wenige Gebäude, die nicht zerstört sind. Die Leute schlafen in ihren Autos unter Zeltplanen", sagte Bernhard Lindenberg, stv. AFDRU-Leiter, im Gespräch mit der APA.

Wegen Problemen am Flughafen in Adana ist das Österreicher-Kontingent am Dienstag verzögert in der Krisenregion eingetroffen. Von dort haben sich Lindenberg und die 85 Soldaten auf den Weg in die Stadt Attay gemacht. Dort hat das Kontingent seine Zelte aufgeschlagen. „Die Lage ist schlimmer als erwartet", sagte Lindenberg im APA-Gespräch. Das Bundesheer werde darum mit offenen Armen empfangen, berichtete Lindenberg. „Das betroffene Gebiet ist so groß wie Niederösterreich und das Burgenland zusammen."

Das Bundesheer sei 24/7 im Einsatz. „Wir hören erst auf zu suchen, wenn wir alle Leute aus den Trümmern herausgeholt haben." Unterstützt werden die Soldaten von vier Bergrettern sowie sechs Rettungshunden. Insgesamt haben sich bereits 30 internationale Teams angekündigt.

📽 Video | Seismologie Bokelmann zu Erdbeben

In der Nacht auf Montag hatte ein erstes Beben der Stärke 7,9 die Grenzregion erschüttert. Am frühen Montagnachmittag folgte dann ein weiteres Beben mit einer Stärke von 7,7. Nach Angaben des European Mediterranean Seismological Centre erschütterte Dienstagfrüh ein weiteres Erdbeben der Stärke 5,6 die Zentraltürkei.

Kleineres Beben im Westjordanland

Nach den verheerenden Erdbeben mit Tausenden Todesopfern in der türkisch-syrischen Grenzregion hat die Erde auch im Westjordanland und Israel gewackelt. Das European-Mediterranean Seismological Centre (EMSC) meldete am späten Dienstagabend leichte Erdstöße für die Region. Das Epizentrum habe in der Nähe der Stadt Nablus im Westjordanland gelegen. Das Beben hatte demnach eine Stärke von 4,4. Das Erdbebenzentrum der Al-Najah-Universität in Nablus meldete eine Stärke von 3,7. (APA/AFP/dpa/Reuters/TT.com)

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