📺 Film über #metoo

Sarah Polleys „Women Talking“: Pause für das Patriarchat

Frauen sprechen über die Gewalt, die sie erfahren mussten. Agata (Judith Ivey) und ihre Tochter Salome (Claire Foy).
© Orion Releasing LLC

Sarah Polleys oscarnominierter Film „Women Talking“ thematisiert die MeToo-Debatte und demokratische Prozesse.

Innsbruck – Als „Die Aussprache“ beginnt, ist die Gewalt schon vorbei. In einer abgeschiedenen christlichen Gemeinschaft kam es jahrelang zu Vergewaltigungen unter Drogeneinfluss.

Anders als es den betroffenen Frauen eingeredet wird, sind es aber keine bösen Geister oder Teufel, die sie in der Nacht heimsuchen, sondern die Männer der Gemeinschaft. Die kommen im Film von Sarah Polley („Take This Waltz“) gar nicht vor, von zwei Ausnahmen abgesehen.

Die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Miriam Toews durch die mehrfach oscarnominierte Regisseurin Polley handelt nämlich von den Frauen, die darüber sprechen, was passiert ist und was nun geschehen soll. „Women Talking“, wie der von Frances McDormand produzierte Film im Original heißt, ist ein komprimierter Film, der die aktuelle MeToo-Debatte aufgreift und allegorisch abstrahiert.

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Während die Männer in der fernen Stadt sind, versammelt sich eine Gruppe von Frauen aus zwei Familien in einer Scheune, um einen Tag lang Rat zu halten. Die Optionen sind klar: nichts tun wie bisher. Oder bleiben und kämpfen für eine bessere Zukunft. Oder gehen und die Männer verlassen, um woanders neu anzufangen.

Die junge Mutter Salome (Claire Foy) will unbedingt bleiben und sich dem Unrecht entgegenstellen. Auch die nach einer Vergewaltigung schwangere Ona (Rooney Mara) will für eine neue Ordnung kämpfen. Mariche (Jessie Buckley) ist jedoch überzeugt, dass ihr am Ende nur Vergebung Frieden bringt.

Am Ende der „Aussprache“ wird erneut darüber abgestimmt werden. „Women Talking“ ist ganz nebenbei auch ein starbesetzter Film über Repräsentation und die arg beschädigten demokratischen Prozesse.

Der Clou des auf Dialoge fokussierten Spielfilms ist das visuell wunderbar eingefangene vormoderne Setting, das die aktuelle politische Realität ein Stück weit verallgemeinert, zur warmen Musik von Oscar-Gewinnerin Hildur Guðnadóttir.

Fast wie im Mystery-Horror „The Village“ wähnt man sich zuerst in einem Dorf des 19. Jahrhunderts. Die Gemeinschaft, die an die Mennoniten und Amish erinnert, folgt archaischen Geschlechterrollen: Die Frauen können nicht lesen und schreiben.

Hier kommt einer der beiden Männer der Geschichte ins Spiel. August (Ben Whi- shaw), Sohn einer exkommunizierten Mennonitin, ist als Lehrer der Buben in die Gemeinschaft zurückgekehrt. Er führt bei der Versammlung Protokoll und wird hin und wieder ins Gespräch mit einbezogen. Die meiste Zeit hört er aber einfach nur zu.

Auch deshalb steht er für die Hoffnung, dass es auch gute Männer gibt. Und nicht nur mit ihm wird die fast schon theaterhaft verfremdete Parabel deutlich, die den Film durchdringt. Es ist ein etwas ausführliches Lehrstück, das betont vereinfacht Bilanz zieht über die richtige Reaktion auf die Gewalt des Patriarchats. Dafür ist „Women Talking“ für das beste Drehbuch und als bester Film oscarnominiert, als einziger Film einer Regisseurin.

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