Beben mit über 8700 Toten

Udo Landbauer kritisiert Österreichs Erdbebenhilfe als „Millionen-Geschenke"

Zynisch? Während im türkisch-syrischen Grenzgebiet Tausende Menschen ums Überleben kämpfen, kritisiert Landbauer die zugesagten Hilfen aus Österreich als "Millionen-Geschenke".
© APA/HELMUT FOHRINGER

Der niederösterreichische FPÖ-Chef Udo Landbauer kritisiert die von Österreich zugesagte Soforthilfe von drei Millionen Euro für die Türkei. Nach dem schweren Erdbeben warten in der Krisenregion noch Tausende Menschen auf Hilfe.

St. Pölten – Mit mehr als 8700 Toten war das schwere Erdbeben in der Türkei und Syrien das schwerste Beben weltweit seit zehn Jahren. Tausende Menschen wurden verletzt, Hunderttausende verloren ihr Zuhause. International sind die Hilfsmaßnahmen bereits angelaufen – und auch Österreich will seinen Beitrag dazu leisten. Bereits am Dienstag hat Österreich Bundesheer-Soldaten für den Rettungs- und Bergeeinsatz ins Krisengebiet geschickt. Vizekanzler Werner Kolger (Grüne) hat außerdem drei Millionen Euro aus dem Auslandskatastrophenfonds für Hilfsorganisationen vor Ort zugesagt.

Auch in der Bevölkerung ist die Anteilnahme groß. Viele Spendenaktionen sind angelaufen, erste Hilfslieferungen wurden bereits in Richtung Türkei losgeschickt.

Die Spendengelder aus Österreich – nicht nur für Erdbebenopfer sondern auch für die vom Krieg betroffenen Menschen in der Ukraine – stoßen einem sauer auf, nämlich dem niederösterreichischen FPÖ-Chef Udo Landbauer. Auf seinem Facebook-Account schoss er scharf dagegen und forderte: "Jetzt muss Schluss sein mit Millionengeschenken an das Ausland!"

Es ist unglaublich, mit welcher Unverfrorenheit gerade grüne Politiker immer wieder unser Steuergeld an das Ausland verschenken. 5 Millionen für die Ukraine von Frau Gewessler, 3 Millionen von Herrn Kogler für die Türkei.
Udo Landbauer

In einem weiteren Statement führte der FPÖ-Politiker sein tags zuvor abgegebenes Statment weiter aus. "Mit reinen Geldleistungen wird man bestimmte Situationen nicht lösen können. Kann irgendjemand garantieren, dass diese Millionen auch wirklich bei den Hilfsbedürftigen ankommen, wenn man sie Erdogan oder gar irgendwelchen Warlords instabiler, zerfallender Staaten überweist? Hilfe muss geleistet werden, wo und wie sie gebraucht wird – direkt bei den Bedürftigen vor Ort."

Wie die Hilfe in Teilen eines Landes, das nach dem Erdbeben regelrecht dem Erdboden gleichgemacht wurde, ohne finanzielle Hilfe aus dem Ausland geleistet werden kann, blieb der Populist freilich als Antwort schuldig. Landbauers Aussagen wurden nicht nur in den sozialen Medien kritisiert. SOS-Mitmensch-Sprecher Alexander Pollak schrieb auf Twitter: "Wer, wie Landbauer, gegen österreichische Hilfe für Erdbebenopfer in der Türkei ist, ist auch dagegen, dass andere Staaten einmal Österreich helfen, sollte hier eine Katastrophe ausbrechen. Solidarität im Katastrophenfall hilft allen!"

"Entsetzt" über die "barbarische Aussage" des niederösterreichischen FPÖ-Chefs zeigte sich auch SPÖ-Bundesgeschäftsführer Christian Deutsch. "FPÖ-Landbauer lässt nach der Niederösterreich-Wahl alle Masken fallen und zeigt sein wahres Ich. Wer so wie FPÖ-Landbauer gegen jeden humanitären Grundkonsens verstößt, hat sich nicht nur menschlich, sondern auch für alle politischen Ämter disqualifiziert", so der Politiker in einer Aussendung.

Auch auf Facebook zeigten sich viele nicht mit Landbauers Ansicht einverstanden. Mittwochvormittag meldete er sich daher mit einem weiteren Posting zu Wort, in dem er betonte, dass Hilfe direkt vor Ort geleistet werden müsse. "Weil es wieder manche falsch verstehen wollen: Mit reinen Geldleistungen wird man bestimmte Situationen nicht lösen können. Kann irgendjemand garantieren, dass diese Millionen auch wirklich bei den Hilfsbedürftigen ankommen, wenn man sie Erdogan oder gar irgendwelchen Warlords instabiler, zerfallender Staaten überweist?", heißt es in dem Posting. (TT.com)

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