Prozesstermin noch offen

Spektakuläre Festnahme im Sellrain: Junger IS-Sympathisant angeklagt

Nach Hinweisen aus Deutschland wurde der radikalisierte Bursche Ende Juli verhaftet. Die Mutter fuhr mit dem Pick-up auf Beamte zu.
© zeitungsfoto.at

Terrorismusanklage gegen 18-Jährigen: Dem jungen Mann drohen bis zu zehn Jahren Haft nach Jugendgerichtsgesetz. Grund dafür sind IS-Phantasien und Anschlagspläne.

Innsbruck – Anfang letzten Jahres waren deutsche Behörden über diverse soziale Medien wie Telegram und TikTok auf Accounts aufmerksam geworden, auf denen ganz eindeutig mit der Terrororganisation Islamischer Staat sympathisiert wurde. Nachforschungen über die IP-Adressen führten dann ins Sellrain und somit direkt weiter zur Direktion für Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) nach Wien. Diese verfolgte von nun an die Postings mit und identifizierte einen 18-jährigen Lehrling als Poster der IS-Inhalte. Laut Polizei reichte die Palette von Sympathiebekundungen über Bilder mit einschlägigen Posen und IS-Gewaltfantasien bis zu Videospielen und Androhungen von Anschlägen.

Im Juli war für die Terrorermittler dann Alarmstufe Rot angesagt: War doch über die Foren von Sprengstoffankäufen gesprochen worden. Zudem sei ein Anschlag gegen Polizisten – zumindest verschriftlicht – schon konkret geplant gewesen. So begab sich der DSN mit der Sondereinsatzeinheit Cobra zum Wohnhaus der türkischstämmigen Familie ins Sellrain.

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Als die Mutter schließlich mit dem Gesuchten im Pick-up vorgefahren war, wollte die Frau wohl der Situation und den bewaffneten Beamten entkommen und raste direkt auf zwei Cobra-Beamte zu. Ein Polizist wurde dadurch schwer, der andere leicht verletzt. Gegen die Frau laufen noch Ermittlungen, wie gestern Staatsanwalt Hansjörg Mayr auf Anfrage der TT bestätigte.

Gegen den 18-Jährigen wurde hingegen laut Mayr nunmehr Anklage erhoben. „Wir haben die Vergehen der Aufforderung zu terroristischen Straftaten und Gutheißung solcher Taten, das Vergehen der Anleitung zur Begehung einer terroristischen Straftat sowie die Verbrechen der terroristischen Vereinigung und der kriminellen Organisation angeklagt.“ Da der Lehrling für die Justiz ein so genannter junger Erwachsener ist, beträgt der Strafrahmen nicht bis zu 15 Jahren Gefängnis, sondern – nach dem Jugendgerichtsgesetz – sechs Monate bis zehn Jahre Haft.

Laut Verteidiger Laszlo Szabo hat der Sellrainer das Haftübel schon zur Genüge verspürt. Nach einem halben Jahr Untersuchungshaft wurde der Bursche nämlich gegen strenge Auflagen in die Obhut der Familie entlassen: „Er arbeitet im Betrieb des Vaters.“ Wie es so weit kommen konnte, erklärte der Strafverteidiger gestern so: „Der Bursche war während des Lockdowns gänzlich in die virtuelle Welt abgetaucht. Dort hatten sich dann Teilnehmer von einschlägigen Internet-Foren mit Postings regelrecht hochgeschaukelt.

Auch wenn sich Gewisses radikal anhört, hatte der Bursche ja in keinster Weise die Absicht, vom Geschriebenen auch nur irgendetwas in der Realität umzusetzen. Nicht umsonst wurde der Vorwurf qualifizierter, terroristischer Straftaten schon eingestellt“, so RA Szabo zur TT. Ein Prozesstermin vor dem Jugendschöffengericht ist für die IS-Anklage noch nicht anberaumt.

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