Werke von Thomas Medicus

Schöne gläserne Hybride: Kratzen an der Oberfläche

Schöne Auswüchse: Die Plattform 6020 zeigt neben „Crystalis V“ weitere (Glas-)Arbeiten von Thomas Medicus (*1988).
© Th. Medicus

Anamorphes, Glas und fein Gezeichnetes: Die städtische Galerie Plattform 6020 in Innsbruck zeigt aktuelle Arbeiten von Thomas Medicus.

Innsbruck – Etliche von Thomas Medicus’ Arbeiten sind im öffentlichen Raum zuhause. Gerade um seine anamorphen Arbeiten ziehen auch kunstuninteressierte BetrachterInnen ihre Runden. Aktuell nachzuerleben bei „Human Animal Binary“, einem Würfel, der vom Landestheater-Vorplatz nun in den Rapoldipark wanderte. Auf seinen vier Seiten lässt er vier Tierfiguren aufblitzen – wenn man im richtigen Blickwinkel auf die Glasstreifen blickt. Dass Medicus mit Biene, Luchs, Bachforelle und Eisvogel Lebewesen listet, die selbst auf der Liste der gefährdeten Arten in Tirol stehen, ist eine theoretische Ebene, die hinter den gläsernen Elementen liegt. Ein bisschen (Klima-)Gegenwart schwingt auch hier mit.

Ähnlich wie in seiner ersten Personale „Below the Surface Is Another Surface“ in der Plattform 6020, wo feine Vorzeichnungen zu „Human Animal Binary“ vorbei an Skizzenbüchern hin zu reizvollen Tierhybriden lotsen; Fische, die sich in Endlosschleife durch dunkle Höhlen aalen.

Ein wiederkehrendes Stilmittel des Innsbrucker Glasmeisters – sieben Jahre lang war Medicus in der Tiroler Glasmalerei tätig – ist die Spiegelung, jene harte Kanten, die Motive schneiden und zusammenführen. Ein Phänomen, das sich im Umgang mit Medicus’ präferiertem Material ergibt. Das (bemalte) Glas ist es aber auch, das seine Skulpturen mitunter dekorativ, gar kitschig geraten lässt – oder wie bei „Ebbe“, das vor Kurzem in den Rathausgalerien installiert wurde, weit ins Design rückt.

Ausstellung

Plattform 6020. Amraser Str. 2, Innsbruck; bis 1. April, Mo–Di 14–19 Uhr, Mi–Fr 10–19 Uhr, Sa 10–17 Uhr.

Diesen Eindruck hat man beim nun ausgestellten „Crystalis V“ auch, wo Holz und Glas zwar schön zusammenwachsen, bei dem man in der Betrachtung aber an der Oberfläche picken bleibt. Tiefer schürfen will ein neuer, motorisierter Würfel, der der Personale seinen Titel gibt. Oberflächen durchbrochen werden hier aber keine, das Werk kratzt höchstens daran.

Dass Medicus anders kann, hat er schon mehrmals bewiesen: Man denke an sein Podium „Best Before“ (2019) oder das freche „Nehmen Sie Platz“ (2016), eine Bank unter Glas – zweimal Konzeptuelles im öffentlichen Raum, das die Interaktion mit dem Publikum klug anregte.

Sehenswert ist Medicus’ aktuelle Schau nun auch ohne ältere Werke. Neugier stellt sich ein, wo Naturwissenschaft und Kunst eine Symbiose eingehen; etwa im Triptychon „Fallen Tree Section“, einer digitalen Arbeit, die aus den bereits zitierten „surfaces“ ein komplexes Geflecht aus Vektoren wachsen lässt. Mit naturwissenschaftlichen Instrumenten entsteht Kunst, die durchaus angeregt auch über die Grenzen von Theorie und die (neuen) Aufgaben ihrer selbst nachdenken lässt.

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