5. Meisterkonzert im Congress

Aufwallende, virtuose Frische: Violinist Christian Tetzlaff in Innsbruck

Jede feinste Nuance eines Werkes erfühlend: der deutsche Geiger Christian Tetzlaff beim 5. Meisterkonzert im Innsbrucker Congress.
© Hauser

Vom Gestern ins Heute: Violinist Christian Tetzlaff mit dem Münchener Kammerorchester beim 5. Meisterkonzert im Congress.

Innsbruck – Es war ein Abend der Kontraste, das 5. Meisterkonzert im Congress Innsbruck mit dem Münchener Kammerorchester unter der musikalischen Leitung des Violine-Virtuosen Christian Tetzlaff. Ein Einstieg mit Mozart ist immer gut, öffnet im Idealfall die Herzen für gänzlich anders gelagerte Musikwelten, wie etwa jene eines Frank Martin oder Arnold Schönberg. In Mozarts „Adagio und Fuge für Streicher c-Moll KV 546“ vereint der Meister gewissermaßen auch zwei verschiedene Klangwelten, die des Barocks mit seiner ganz persönlichen. Die Münchner präsentieren diesen Mozart mit einer aufwallenden, virtuosen Frische, lustvoll die rankenden chromatischen Passagen und theatralischen Effekte mit Leidenschaft auskostend.

Dem vielseitigen Schaffen des 1974 im Alter von 84 Jahren verstorbenen Schweizer Komponisten Frank Martin begegnet man kaum bis gar nicht. Ob es an seiner, von der deutschen Barocktradition maßgeblich geprägten, retrospektiven Klangsprache liegt, sei dahingestellt. Mit geradezu packender Dringlichkeit macht sich Christian Tetzlaff als Solist in Martins 1973 uraufgeführtem „Polyptyque“ für Violine und 2 kleine Streichorchester ans Werk, ein wahres Meisterwerk des 20. Jahrhunderts.

Tetzlaff hält sich an die fein und feinst ausgeleuchteten Facetten, weniger an die narkotisierende Substanz der an einen spätherbstlichen Lebensabschnitt gemahnenden Komposition.

Tetzlaff entgleitet dieses sechsteilige Werk, das den Untertitel „Sechs Bilder der Passion Christi“ trägt, definitiv nicht in spirituelle Sphären. Zumal Martin festhielt, dass es sich bei dem Werk ausschließlich um persönliche Empfindungen unter dem Eindruck der Tafelbilder von Duccio di Buoninsegna handle. Jedem Ton seinen eigenen Schliff, sein eigenes Gewicht, seine eigene Kontur, glasklar die Intonation, der Tonfall hell und präsent las Tetzlaff das Werk als eine alles verbindende Musik der Hoffnung.

Dem Werk „Verklärte Nacht op. 4 (Fassung für Streichorchester, revidiert 1943)“, des bekennenden „Brahmsianers“ Arnold Schönberg liegt ein Gedicht des seinerzeit hoch geachteten Dichters Richard Dehmel zugrunde. Durch dieses episch-dramatische, spätromantisch gewobene Gebilde zieht die schwüle Luft des Fin de Siècle. Um deren betäubende Wirkung wissend und entsprechend ausgelotet, verfehlen die Münchner mit packendem Zug ins Sinfonische, angesiedelt zwischen großem Melos und sentimentaler Zerrissenheit, die Wirkung in Innsbruck nicht.

Begeisterter Applaus und mit einem Abendlied von Jean Sibelius noch einmal warm umarmt.

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