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„Umami“: Erst kommt das Essen und ganz spät eine Prise Moral

Zwei Kapazunder im Kimono. Starkoch Gabriel (Gérard Depardieu) und sein japanischer Lehrmeister Tetsuichi (Kyozo Nagatsuka).
© Pandafilm

In Slony Sows neuem Film „Umami“ findet Gérard Depardieu als gockelhaft grantiger Superkoch im fernen Osten seinen Meister.

Innsbruck – Zuerst kommt das Essen, und was für eines: auf höchstem, von AuskennerInnen himmelwärts gelobtem Haubenniveau.

Folgt dann die Moral? Sehr fraglich! Zum Fest der Gaumenverwöhnten wird wie selbstverständlich noch ein Flascherl edelster Burgunder kredenzt, Domaine de la Romanée-Conti des Jahrgangs 1973. Kostet online im Schnitt 14.000 Euro – für eine singuläre Bouteille, nicht für ein ganzes Barriquefass voll von rotrebiger Köstlichkeit.

Chefkoch Gabriel (in mega-authentischer Altgockel-arroganz: Gérard Depardieu) bekocht Reiche, Snobs und Schöne. Ein Château in bester französischer Lage – mit vielen Türmchen wie aus dem Touristenprospekt – dient als mondäner Tagungsort für die Tafelnden. Bei so viel Glanz muss auch der Name passen. „Monsieur Quelqu’un“ heißt Gabriels Gourmettempel: Herr Jemand.

Gabriel ist tatsächlich ein Jemand, zumindest in beruflicher Hinsicht: Er ist der Star unter Frankreichs kochender Elite. Auf brauchbare Umgangsformen hustet er dafür. Er ist aufbrausend, ungehobelt und derb, er vernachlässigt Familie und Gesundheit.

Sohn und Jungkoch Jean (Bastien Bouillon), der dem Vater nacheifert, wird vom alten Herren mit Verachtung gestraft. Gattin Louise (genervt und frustriert: Sandrine Bonnaire) flüchtet ins Bett eines Gastro-Kritikers. Da passen dann wenigstens die Restaurant-Rezensionen.

Gabriel erfrisst sich einen Wanst auf Basis erlesener Delikatessen. „Der hat aber gut gegessen“, meint lakonisch jener Chirurg, der ihm das Skalpell ansetzt. Eine Not-OP rettet dem Super-Koch nach einem Herzinfarkt das Leben.

Was nun? Weiter wie vorher, Raubbau an sich selbst und anderen? Nichts da. Gabriels esoterisch angehauchter Freund und Austernzüchter Rufus (herrlich schrullig: Pierre Richard) sorgt für den entscheidenden Einwand.

🎬 Trailer | „Umami“

Auf Gabriels To-do-Liste prangt nämlich noch ein fetter Eintrag. Vor 40 Jahren unterlag er in Paris im Wettkochen einem Berufskollegen aus Japan, der mit einer Nudelsuppe den Sieg davontrug.

Was für eine Schmach! Das einfache Gericht schmeckte leider zum Niederknien. Umami heißt die legendenumrankte Geschmacksanmutung, die dem Gastkoch aus dem Land der aufgehenden Sonne Platz 1 einbrachte.

Der Franzose lässt die Töpfe liegen und stehen (ebenso die überrumpelte Brigade an Sous-Köchen). Er macht sich auf nach Japan, um beim siegreichen Kontrahenten von anno dazumal, Tetsuichi Morita (Kyozo Nagatsuka) mit Namen, das Geheimnis Umami zu ergründen.

Es treffen sich zwei Kulturen: präpotent, fordernd und laut die europäische, freundlich, zuvorkommend und höflich die japanische.

Gabriel leert die Hotel-Minibar und torkelt ins Lokal seines Kollegen. Peinlich, peinlich, aber heilsam.

Schließlich findet sich auch für den rundlichen Franzosen der passende Kimono. Seine Läuterung beginnt. Ohne eine solche wird er nie wissen, wie Umami schmeckt.

Regisseur Slony Sow hat seinen Spaß mit Superstar Depardieu, hetzt ihn auf dem Dreirad einen Hügel hinauf – auf Schneefahrbahn. Doch dann ist bald Ebbe mit ausgefallenen Ideen.

Am Ende löst sich die Story fast schon rasant in allseitiges, Völker verständigendes Wohlgefallen auf. Umami, so lernen wir von Gabriel, „ist ein Geschmack von Familie“ oder auch „ein Geschmacksverstärker für Sprünge des Herzens“. So ist das also.

Jetzt kommt nach manch exquisitem Mahl also doch noch eine Prise Moral.

Umami – Der Geschmack der kleinen Dinge. Ab dieser Woche im Kino.

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