Forderung nach Teuerungsausgleich

Warnstreik in Privatspitälern am Dienstag – auch in Tirol

Die Handschuhe des Personals von 25 Privatspitälern werden am Dienstag für drei Stunden ausgezogen.
© APA (dpa)

Dreistündige Arbeitsniederlegungen für 2000 Euro Mindestlohn und KV-Abschluss über Inflation.

Wien – Die Beschäftigten der Privatkrankenanstalten Österreichs werden am kommenden Dienstag einen dreistündigen Warnstreik abhalten. In über 25 Gesundheitseinrichtungen in Wien, Niederösterreich, Oberösterreich, Steiermark, Salzburg und Tirol werden die Beschäftigten von 8:35 bis 11:35 Uhr ihre Arbeit niederlegen. Grund dafür sind die stockenden Lohnverhandlung und die Forderung nach einem Teuerungsausgleich.

Durch den dreistündigen Warnstreik kann es bei aufschiebbaren Operationen und Behandlungen zu Verzögerungen kommen. Zu einer Gefährdung für Menschen dürfe es jedoch zu keinem Zeitpunkt kommen. Die betroffenen Gesundheitseinrichtungen wurden daher von der Gewerkschaft vida bereits Mitte der Woche verständigt und ersucht, die Patientinnen und Patienten über den Warnstreik zu informieren und Notfallpläne zu erarbeiten, betonte vida-Chefverhandler Harald Steer in einer Stellungnahme gegenüber der APA. „Wir ersuchen die betroffenen Patientinnen und Patienten um Verständnis, Geduld und Solidarität mit den 10.000 Beschäftigten der Privatkrankenanstalten und entschuldigen uns für Unannehmlichkeiten", so der Gewerkschafter.

Die Kolleginnen und Kollegen haben sich faire und wertschätzende Einkommenserhöhungen gegen die explodierende Teuerung verdient.
Harald Steer, vida-Chefverhandler

Die Gewerkschaft fordert einen Abschluss deutlich über der Inflationsrate und einen monatlichen Bruttomindestlohn von 2000 Euro. Der Kollektivvertrag für die insgesamt 10.000 Beschäftigten gehöre noch immer zu einem der schlechteren im Gesundheits- und Sozialbereich und daher gäbe es hier dringenden Aufholbedarf, betonte Steer. „Die Kolleginnen und Kollegen haben sich faire und wertschätzende Einkommenserhöhungen gegen die explodierende Teuerung verdient." Der KV-Chefverhandler verweist außerdem auf eine bereits im Dezember unter Beschäftigten durchgeführte Befragung, in der sich 90 Prozent für gewerkschaftliche Kampfmaßnahmen ausgesprochen haben.

Es geht auch um bessere Arbeitsbedingungen

Es gehe bei dem Warnstreik aber nicht nur um mehr Geld, sondern auch um bessere Arbeitsbedingungen für alle Berufsgruppen, betonte der Gewerkschafter. Die Belastung in den Gesundheitseinrichtungen nehme für alle zu. "Jetzt sind sowohl die Arbeitgeber als auch die Politik gefordert, schleunigst Anpassungen vorzunehmen, bevor das System in sich zusammenbricht", so Steer. Die Gewerkschaft sei den Arbeitgebern mehrmals entgegengekommen, doch das Gegenüber habe sich keinen Zentimeter bewegt, so der Chefverhandler.

Arbeitgeber sehen „mangelnde Verhandlungsbereitschaft"

Das sieht die Arbeitgeberseite anders. Der Verband der Privatkrankenanstalten Österreichs hatte nach der gescheiterten sechsten Verhandlungsrunde vorige Woche der Gewerkschaft bereits „mangelnde Verhandlungsbereitschaft" vorgeworfen. Man wäre bereit gewesen, "die bisherigen Angebote sogar verbessert umzusetzen", hatte Verbands-Verhandlungsführer Stefan Günther erklärt.

„Im Rahmen eines Verbesserungsversuchs sind die 2.000 Euro Mindestlohn bereits angeboten worden", so Günther zur APA. „Das wurde aber abgelehnt. Darüber hinaus waren wir auch bereit, beim Stundenlohn eine Inflationsabgeltung deutlich über der Inflationsrate zu bezahlen. Die Stundenlöhne wären demnach um 8,39 Prozent erhöht worden - gegenüber einer festgestellten Inflation von 7,53 Prozent." Er wolle nicht noch Öl ins Feuer gießen. „Aber aus unserer Sicht ist Streik der falsche Weg. Wir haben schon Verständnis dafür, dass es den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nach drei Jahren Covid reicht – aber das über Streik und Geld auszutragen, geht nicht. In letzter Konsequenz spürt das der Patient." (APA)

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