Vorausschauende Problemlösung

Kakadus rücken bei Bedarf mit Werkzeug-Set an

Goffin-Kakadu können bis zu drei verschiedene Werkzeuge verwenden, um an den Samen einer Nuss zu kommen.
© Charles Lam

Seeotter nutzen Steine zum Öffnen von Muscheln, Schimpansen stochern mit Stöckchen nach Leckereien: Ein Werkzeug weiß so manches Tier zu nutzen. Die Liste ganze Werkzeugsätze nutzender Arten aber ist kurz. Hinzu kommt nun ein Papagei.

Wien – Werkzeuggebrauch findet sich bei recht wenigen, meist besonders intelligenten Tierarten. Goffin-Kakadus gehen noch weiter: Bei Bedarf rücken sie direkt mit einem Set von Werkzeugen an, wie ein Forschungsteam im Fachjournal „Current Biology" berichtet. Damit zählten sie zur extrem kurzen Liste bekannter Tierarten, die Werkzeugsätze nutzen und transportieren. „Ihre Verhaltensflexibilität ist verblüffend", sagte Antonio Osuna-Mascaró vom Messerli Forschungsinstitut der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni).

Bei den Tests mussten die Kakadus zwei Werkzeuge benutzen, um an eine Cashewnuss zu gelangen: Mit einem kurzen, spitzen Holzstift mussten sie zunächst eine Membran im Inneren einer durchsichtigen Box zerstechen und dann mit einem längeren, weichen Strohhalm die dahinterliegende Nuss von einem kleinen Podest schubsen. Der Stift war zu kurz, um nach der Nuss zu angeln, der Halm zu weich, um damit die Folie zerstören zu können.

Aufgaben unerwartet schnell gelöst

Zur Überraschung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler lösten zwei der Kakadus – Figaro und Fini – die Aufgabe schon im ersten Anlauf in nur 31 beziehungsweise 34 Sekunden. „Eine solche Geschwindigkeit hatte ich nicht erwartet", sagte Osuna-Mascaró. Insgesamt lösten sieben von zehn Vögeln die Aufgabe erfolgreich.

In einem zweiten Versuch zeigte sich, dass die Kakadus vorausschauend agierten: Die dort getesteten fünf Tiere hätten jeweils die Möglichkeit gehabt, ein Werkzeug zu holen, es zur Nuss-Box zu bringen, dann zurückzukehren und das zweite Werkzeug zu holen, um die Aufgabe zu beenden. Stattdessen hätten vier von ihnen im Verlauf der Tests vorausschauend direkt beide Werkzeuge mitgenommen, nur eines der Tiere nie, erklärte Osuna-Mascaró.

Dieses Vorgehen erinnere an das von Schimpansen beim Termitenfang: Die Primaten kommen den Forschern zufolge auch mit einem Set von Werkzeugen zum Termitenhügel. Sie brechen demnach zunächst mit einem kurzen, stabilen Stock Löcher in den Hügel und fischen dann mit einem langen, flexiblen nach Termiten. Von weiteren Arten – vom Menschen abgesehen – sei ein gezieltes Nutzen mehrteiliger Sets bisher nicht bekannt.

Studie bestätigt vorausschauendes Denken

Dass in Gefangenschaft gehaltene Goffin-Kakadus Werkzeuge benutzen und auch herstellen, ist schon länger bekannt. Eine Studie mit den Vögeln habe nun kürzlich ergeben, dass sie bis zu drei verschiedene Werkzeuge verwenden, um an die Samen einer bestimmten Frucht zu kommen, hieß es von den Forschenden. Unklar sei aber gewesen, ob die Tiere diese als Set betrachten – oder ob ihnen die Notwendigkeit jedes neuen Werkzeugs erst jeweils nach einem abgeschlossenen Schritt klar wird.

Die aktuelle Studie bestätige nun, dass die Kakadus tatsächlich im Voraus erkennen, dass eine Aufgabe mehr als ein Werkzeug erfordern wird. „Wir glauben, dass Papageien in Bezug auf technisches Verständnis und Werkzeuggebrauch unterschätzt und zu wenig untersucht wurden", sagte Alice Auersperg, Hauptautorin der Studie und Kognitionsbiologin an der Vetmeduni.

Goffin-Kakadus stammen ursprünglich von den Tanimbar-Inseln Indonesiens. Die eher kleinen Papageien haben ein schneeweißes Gefieder. (APA)

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