🎵 Festival politsich wie selten

Favoritensieg in Sanremo: Marco Mengoni fährt für Italien zum zweiten Mal zum ESC

2013 vertrat Marco Mengoni schon einmal beim ESC – damals erreicht er mit „L'Essenziale“ den 7. Platz.
© imago

Das Musikfestival von Sanremo ist eine Institution. In Scharen sitzen die Italiener bei dem mehrtägigen Spektakel vor den TV-Geräten. In diesem Jahr ist das Event politisch wie selten zuvor. Auch Ukraines Präsident Selenskyj spielt dabei eine Rolle.

Sanremo – Das traditionelle Musikfestival von Sanremo ist mit einem Favoritensieg und einer finalen politischen Ukraine-Botschaft zu Ende gegangen. Am frühen Sonntagmorgen kürten die italienischen TV-Zuschauer und eine Jury den Sänger Marco Mengoni zum Gewinner. Der 34-Jährige darf Italien mit seinem Siegersong „Due Vite" – einer typischen Pop-Ballade – beim Eurovision Song Contest in Liverpool vertreten. Mengoni hatte auch 2013 in Sanremo gewonnen und wurde damals beim ESC Siebter.

📽️ Video | Marco Mengoni – Due Vite

Bereits seit Tagen galt der Sänger als Favorit auf den Sieg. Als Stargäste performte die Synthie-Pop-Band Depeche Mode erstmals ihren neuen Song „Ghosts Again" sowie den Welthit „Personal Jesus". Abgesehen von der Musik stand die Politik im Fokus der fünf Abende des Festivals in der norditalienischen Küstenstadt. Kurz vor der Verkündung des Siegers in der Nacht auf Sonntag las Moderator Amadeus einen Brief des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vor. „Die Ukraine wird diesen Krieg mit Sicherheit gewinnen. Sie wird den Krieg zusammen mit der freien Welt gewinnen", hieß es darin. Selenskyj unterstrich den Wert von Musik in der Welt:

Ich bin sicher, dass wir eines Tages alle gemeinsam das Lied unseres Sieges hören werden.
Wolodymyr Selenskyj (Ukraines Präsident)

Mehrere politische und gesellschaftliche Botschaften

Schon seit Wochen sorgte Selenskyj im Zusammenhang mit Sanremo in Italien für Aufregung. Eigentlich war geplant, dass bei einer der Shows eine Videobotschaft des Ukrainers gezeigt wird. Dagegen aber protestierten einige Politiker, allen voran Verkehrsminister Matteo Salvini. Der Chef der rechtspopulistischen Lega – jahrelang als großer Fan des russischen Präsidenten Wladimir Putin bekannt – meinte, dass das Musikfestival unpolitisch bleiben sollte.

Dies blieb es freilich nicht: An den diversen Abenden warteten die Moderatoren und Gäste oft mit politischen und gesellschaftlichen Botschaften auf. Italiens bekannteste Influencerin Chiara Ferragni etwa sprach sich für das Recht der Frauen auf Abtreibung und gegen Bodyshaming aus. Die Weltklasse-Volleyballerin Paola Egonu kritisierte, dass Italien auch 2023 ein rassistisches Land sei. Am Eröffnungsabend war Staatspräsident Sergio Mattarella zu Gast, der Komiker Roberto Benigni sang ein Loblied auf die Verfassung.

Das Festival von Sanremo fand zum 73. Mal statt und sorgt in dem Mittelmeerland immer wieder für Rekordquoten. Auch dieses Mal lockte es die Italiener in Scharen vor die TV-Geräte und bescherte dem öffentlich-rechtlichen Sender Rai am Schlussabend eine Quote von rund 66 Prozent in der ersten Hälfte der Show. Nach Mitternacht war der Marktanteil mit knapp 74 Prozent noch höher, wie mitgeteilt wurde. (APA/dpa)

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