Österreichische Erstaufführung

„Last Paradise Lost“ im Landestheater: Luzifer ist einfach sexy

Viel Farbe und rockige Töne: Die Rockoper „Last Paradise Lost“ riss am Samstagabend das Premierenpublikum im Tiroler Landestheater mit.
© Birgit Gufler

Zu einem Abend der großen Emotionen wurde die österreichische Erstaufführung der Rockoper „Last Paradise Lost“. Ein tolles Ensemble traf auf ein begeistertes Publikum.

Innsbruck – Teufel, Teufel – das zieht rein! Sobald Luzifer die Bühne betritt, kommt Schwung in die Sache – der Höllenfürst und seine Gefolgsleute rocken das Tiroler Landestheater. Etwas farblos, aber einfach lieb kommen da Adam und Eva rüber. Naiv wie kleine Kinder – und der Erzengel? Ja, ja er hält sich tapfer im Kampf Gut gegen Böse, aber mit Luzifer verglichen? – Sorry, der ist einfach sexy und fetzig. Und damit treffen die Komponisten der Rockoper „Last Paradise Lost“, Günter Werno, Andy Kuntz und Stephan Lill, genau den Nagel auf den Kopf. Sie haben sich John Miltons sprachgewaltiges Versepos „Paradise Lost – Das verlorene Paradies“ aus dem Jahr 1667 – sehr frei – als Vorlage genommen. Die Protagonisten der deutschen Progressive-Rock-Band greifen damit wie 2017 bei „Everyman“ im Tiroler Landestheater für eine Produktion auf historisches Material zurück.

Die geschickte Regie von Urs Häberli gepaart mit der opulent und stimmungsvoll gestalteten Bühne von Thomas Dörfler und den dazu passenden Kostümen von Michael D. Zimmermanns tragen mit dazu bei, Miltons Idee und Darstellung von Luzifers Höllensturz und dessen Revolution und Sturm auf Eden sowie letztlich dem Sündenfall der Menschen neu zu begegnen. Der englische Dramatiker macht das derartig plastisch und farbig, dass ihm vorgeworfen wurde, unbewusst Satan zu unterstützen. Aber keine Angst, der Satanismus ist nicht ins Landestheater eingezogen, zuletzt kann Gottvater mit Zuversicht und dem freien Willen der Menschen dagegenhalten – sogar musikalisch. Eine große letzte Hymne gibt Hoffnung.

„Last Paradise Lost“ ist also durchaus ein Stück, das für die Jugend geeignet ist. Und die sah man erfreulicherweise bei der österreichischen Erstaufführung am Samstagabend zuhauf im Auditorium sitzen.

Musikalisch dürfte keine der Nummern der ganz große Welthit werden und manches Mal schien es, dass die Töne nicht immer ganz schlüssig dem Geschehen folgten, oder umgekehrt, und so manche Szene geriet zu langatmig. Dennoch vermag das Stück zu unterhalten. Und – ja, das muss ein Anhänger Puccinis und Co. letztlich gerne einräumen – auch zu begeistern. Besonders in den Bild- und stimmgewaltigen Ensembleauftritten gelang es Protagonisten und Komponisten, den Schreiber dieser Zeilen mitzureißen.

Was hilft jedoch der ganze Haufen an Noten, wenn ihnen niemand Leben einzuhauchen vermag? Für diese Aufgabe bietet man ein glänzendes Ensemble auf. Allen voran ein fürwahr höllisch gut spielender und singender Randy Diamond als Luzifer, der zugleich auch für die Choreographie verantwortlich zeichnet. Da saß jeder Ton und kleine Geste, genauso wie bei Gegenspieler Andy Kuntz als Erzengel. Amber-Chiara Eul und Frank Kühfuß fanden als Eva bzw. Adam den richtigen Ton und gefielen als sympathisch-naive Opfer der Höllenbrut. Jennifer Maines als stimmgewaltiger Beelzebub und Julia Steingaß als Verführerin Evaleins zum Sündenfall seien ebenfalls hervorgehoben sowie das gesamte Ensemble gelobt. Eine Mammutaufgabe haben die Herren der Band Vanden Plas – Günter Werno (Klavier, Keyboards und musikalische Leitung), Stephan Lill an der Gitarre, Torsten Reichert am Bass und Andreas Lill (Drums) – als „Orchester“ zu erfüllen. Auch hier gab’s nichts zu meckern. Fazit: hingehen und anschauen. Es lohnt sich!

Immer wieder gab es Zwischenapplaus, am Ende hielt es die ZuschauerInnen nicht mehr in den Sesseln, Standing Ovations für das Ensemble, Zugabe und Äpfel für die Zuschauer. Letzteres vielleicht, um dazu zu verführen, oft ins Landestheater zu kommen.

Last Paradise Lost

Tiroler Landestheater, Großes Haus; bis 11. Mai, nächste Vorstellung: Freitag, 17. Februar, 19.30 Uhr.

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