Nach ÖVP-Kritik

Filmemacher Langbein verteidigt geplante Doku „Projekt Ballhausplatz“

Der Name "Projekt Ballhausplatz“ bezeichnet ein 2017 aufgetauchtes Strategiepapier, mit dem Sebastian Kurz bzw. sein Umfeld u.a. die Übernahme der ÖVP-Parteiführung von Reinhold Mitterlehner minutiös geplant haben sollen.
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Die ÖVP schießt sich auf die ORF-Förderung für ein Kinoprojekt über das „Projekt Ballhausplatz“ ein. Filmemacher Kurt Langbein verteidigt den geplanten Film.

Wien – Filmemacher Kurt Langbein verteidigt seinen geplanten Film "Projekt Ballhausplatz", nachdem die ÖVP am Wochenende eine "links-linke Verleumdung gegenüber des ehemaligen Bundeskanzlers Sebastian Kurz" (ÖVP) befürchtet und den ORF für die Förderung des Films kritisiert hatte. Das entspreche nicht dem gesetzlichen Programmauftrag, meinte ÖVP-Mediensprecher Kurt Egger.

"Das berührt mich sehr eigenartig, dass eine Regierungspartei gegen einen Dokumentarfilm kampagnisiert, den sie gar nicht kennt, weil wir erst am Beginn der Produktion sind. Ich finde es auch ein eigenartiges Demokratie- und Medienverständnis, dass man Kritik für grundsätzlich unzulässig hält", sagte Langbein am Montag gegenüber dem Standard. Dass der ORF den Film fördere, sei zudem falsch. Er lizenziere und koproduziere den Film und sichere sich um 50.000 Euro die Fernsehrechte im Rahmen des Film- und Fernsehabkommens.

ORF-Förderung

"Projekt Ballhausplatz" von Kurt Langbein ist eines von 15 neuen Kinoprojekten, das der ORF im Rahmen des Film/Fernseh-Abkommens fördert. Insgesamt werden 3,2 Mio. Euro für alle Vorhaben aufgewendet.

Der Name "Projekt Ballhausplatz" bezeichnet ein im Nationalratswahlkampf 2017 aufgetauchtes Strategiepapier, mit dem Kurz bzw. sein Umfeld die Übernahme der ÖVP-Parteiführung von Reinhold Mitterlehner, den Umbau zur türkisen "Neuen Volkspartei" und die ersten 100 Tage nach dem Einzug ins Kanzleramt minutiös geplant haben sollen. Nach dem Bekanntwerden hatte die ÖVP massive Zweifel an der Echtheit des Papiers angemeldet - später wurde eingeräumt, dass Teile doch echt seien.

Langbein will nun erzählen, "wie es dieser Kleingruppe junger Leute gelungen ist, innerhalb kurzer Zeit an die Macht zu kommen, in der ÖVP alle Fäden in die Hand zu bekommen, und woran es dann gescheitert ist". Dass es zu einer Abrechnung werde, bestreitet er: "Ich habe nichts abzurechnen." Schwierig gestaltet sich die Suche nach Interviewpartnern. Er habe schon einige Antworten bekommen, die ihn erstaunen. "So in die Richtung: Sie werden doch nicht glauben, dass ich ein Interview für einen Film gebe, der kritisch gegenüber Sebastian Kurz ist", sagte Langbein.

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