Inflation im Euroraum

Teuerung wird wohl anhalten: Ökonom rechnet mit Mega-Zinsschritten

Nach Berechnungen der Agenda Austria wird die Teuerung noch länger anhalten.
© Rita Falk

Innsbruck, Wien – „Der Zinssatz im Euroraum muss nach aktuellem Stand schrittweise auf sieben Prozent ansteigen“, sagt Marcell Göttert, Ökonom der Denkfabrik Agenda Austria. Denn die Inflation in Österreich ist so hoch wie in den siebziger Jahren. In der Eurozone ist sie so hoch wie noch nie seit Einführung des Euro. 2022 betrug die Teuerung im Euroraum 8,4 Prozent. Zuletzt erhöhte die Europäische Zentralbank (EZB) bereits mehrfach den Leitzins. Warum so spät? „Wegen der hohen Staatsverschuldungen bestimmter Länder in der Eurozone waren ihr die Hände gebunden“, so Göttert. Mittlerweile habe die EZB aber ein Glaubwürdigkeitsproblem, denn Inflationsprognosen und Prognosezeiträume wurden mehrfach nach oben korrigiert.

Göttert warf deshalb einen Blick in die Vergangenheit, um herauszufinden, wie lange es dauern könnte, bis die EZB die Inflation unter Kontrolle bekommt. Schwerpunkte der Rückschau waren Kerninflation und realer Leitzins. So erreichte der Abstand zwischen Kerninflation und dem realen Leitzins 1975 in Deutschland einen Spitzenwert von 8,5 Prozentpunkten. Es bedurfte einer Anhebung des realen Leitzinses um 8 Prozentpunkte, um die Inflation wieder auf unter 2 Prozent zu drücken, errechnete Göttert. Doch auch die Zukunft sieht nach Berechnungen der Agenda nicht rosig aus. Denn durch eine Zinserhöhung bis über das Niveau der Kerninflation werden Kreditaufnahmen für Unternehmer unattraktiv, es wird weniger investiert, so der Ökonom. Der Leitzins muss, so Göttert, also die Kerninflation übersteigen. Ärmeren Bevölkerungsschichten müsse zielgerichtet geholfen werden. „Die Inflation muss an der Wurzel gepackt werden.“ Maßnahmen wie die Strompreisbremse mögen rein rechnerisch die Inflationsrate eine Zeitlang senken. Das werde aber mit viel Geld erkauft und sei wenig treffsicher.

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