Verhütungsatlas veröffentlicht

Zugang zu Verhütung in Österreich schlecht, auch bei Finanzierung und Beratung hapert es

Verhütung ist in Österreich leicht erhältlich – in die Geldtasche muss aber jeder dafür selbst greifen. Anders in Frankreich: Seit Januar 2023 sind dort Kondome für alle unter 26 Jahren gratis.
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Der „Verhütungsatlas“ soll veranschaulichen, wie gut die EU-Staaten Verhütung zugänglich machen. Österreich hat nicht gut abgeschnitten.

Wien – In Sachen Verhütung hat Österreich noch einiges zu tun. Zwar sei die Online-Aufklärung sehr gut, doch bei Zugang, Finanzierung und Beratung ist noch einiges aufzuholen. Und so ist es nachvollziehbar, dass Österreich von 46 Ländern auf Platz 19 mit einem Wert von 62,2 von 100 Prozent liegt. Nachzulesen im „Verhütungsatlas“, der 2017 zum ersten Mal erstellt worden ist. Auf den Top drei liegen Großbritannien, Frankreich und Belgien. Dort wird am meisten für Empfängnisverhütung getan.

Der Verhütungsatlas soll zeigen, in welchen Ländern der Zugang zu Verhütungsmitteln, die Beratung über Empfängnisverhütung und die Online-Aufklärung am besten läuft. „Denn 35 Prozent der Schwangerschaften in Europa sind ungewollt“, sagt Leonidas Galeridis vom „European Parliamentary Forum for Sexual and Reproductive Rights“, das die Auflistung erstellt hat. Um die Abtreibungsrate zu reduzieren, sei eine moderne Empfängnisverhütung daher eine wichtige Maßnahme.

Nur knapp über die Hälfte, 57 Prozent, der Frauen in Europa würden Verhütungsmittel in Anspruch nehmen. Und nur 20 der 46 untersuchten Länder hätten die Verhütung in ihr Gesundheitssystem eingebunden. In Österreich ist das nicht der Fall. „Hierzulande ist die Verhütung Privatsache“ sagt SPÖ-Nationalratsabgeordnete Petra Bayr, die auch Präsidentin des „European Parliamentary Forum for Sexual and Reproductive Rights“ ist. In Frankreich bekommen etwa alle unter 26-Jährigen gratis Kondome.

Österreich schneidet schlecht ab

„Unter den westlichen, nördlichen Ländern in Europa sind wir die allerschlechtesten“, sagte Bayr. „Und das kommt aufgrund einer sehr durchwachsenen Situation.“

So würden Beratungen hauptsächlich in den Aufgabenbereich der Gynäkologen fallen und die Kosten nur bis zum 18. Lebensjahr übernommen. Auch der Zugang zu Verhütungsmitteln sei schlecht. Zwar seien diese überall erhältlich, aber der Zugang setze eine Privatleistung voraus, kritisierte Bayr. Deshalb würden die Kosten bei der Frage nach der Wahl des Verhütungsmittels vorangestellt. Die Hälfte der Paare würde nämlich zu anderen Methoden greifen, wenn sie finanziert werden würden.

Der niederschwellige Zugang zu Verhütungsmitteln müsse kostenlos sein, lautet daher eine Forderung. Zudem müsste das Angebot an Familienberatungsstellen ausgebaut werden. Dort können sowohl Schwangerschafts- als auch Verhütungsberatungen durchgeführt werden. (APA)

Zahlen aus dem Verhütungsreport

Die beliebtesten Mittel: Die Österreicher benutzen am liebsten das Kondom, die Pille und die Hormonspirale, um geschützten Sex zu haben. Das hat der Österreichische Verhütungsreport 2019 in einer repräsentativen Umfrage erhoben.

Wer verhütet? Ein Viertel der Österreicher gab an, dass die Verhütung beide Partner betreffe. Dennoch sagten 42 % der Frauen, dass sie alleine für die Verhütung zuständig seien. Lediglich 23 % der Männer empfanden, dass sie verantwortlich sind.

Hormone ja oder nein? 37 % der Frauen verzichten auf ein hormonelles Präparat, um eine Schwangerschaft zu verhindern. Die Befürchtung, unter Nebenwirkungen zu leiden, sei zu groß – viele Frauen würden nicht gerne in ihren Körper eingreifen.

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