📺 Film trifft Politik

Mit Ansprache von Selenskyj: Die Berlinale 2023 ist eröffnet

Rebecca Miller, Anne Hathaway, Peter Dinklage, Joanna Kulig und Evan Ellison vor der Premiere ihres Films „She Came to Me“.
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Die Filmfestspiele in Berlin sind eröffnet. Kristen Stewart spricht über ihre Rolle als Jurypräsidentin. Anne Hathaway nennt den ukrainischen Präsidenten einen „Helden unserer Zeit“. Und am Rande der Eröffnung tauchen Demonstranten auf, die mehr Klimaschutz fordern.

Berlin – Bevor die Filmfestspiele in Berlin eröffnet werden, erscheint der ukrainische Präsident auf der Leinwand. Wolodymyr Selenskyj spricht zu den Gästen der Berlinale. Und er erinnert an den Film „Der Himmel über Berlin“. Regisseur Wim Wenders habe damit das Ende der deutschen Teilung vorweggenommen. Heute sei es Russland, das eine neue Mauer in der Ukraine errichte. Es sei eine Mauer zwischen der Freiheit und der Sklaverei, sagt Selenskyj.

📽️ Video | Eröffnung der Berlinale

Die Kunst könne nicht indifferent bleiben, denn in der Stille werde die „Stimme des Bösen nur lauter und überzeugender“, sagt Selenskyj. Seine Rede scheint viele im Publikum zu rühren. Und sie deutet an, vor welch' schwieriger Aufgabe die Berlinale steht. Wie bringt man sie zusammen, die Krisen dieser Welt und die schönen Bilder, die von der Werbemaschinerie der Filmbranche produziert werden?

Kulturstaatsministerin Claudia Roth erinnert daran, dass die Berlinale immer auch ein politisches Festival gewesen sei. In diesem Jahr wird besonders auf die Krisen dieser Welt geschaut. Nicht nur für Selenskyj gibt es am Eröffnungsabend viel Beifall, sondern auch für Schauspielerin Golshifteh Farahani. Sie erinnert an die Menschen im Iran, die Unterstützung bräuchten. „Wir brauchen Sie alle!“

Zum Auftakt der Berlinale hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj einen emotionalen Appell an Filmschaffende und Künstler gerichtet, sein Land nach dem russischen Angriff zu unterstützen.
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Das Schöne in schwierigen Zeiten

Noch bevor das Festival offiziell beginnt, protestieren am Rande des roten Teppichs zwei Aktivisten der Klimagruppe Letzte Generation. Sie kleben sich am Boden fest, die meisten Gäste sind da schon im Gebäude. Schauspielerin Anne Hathaway, Schauspieler Peter Dinklage und die diesjährige Jurypräsidentin Kristen Stewart sind nach Berlin gekommen. Schon morgens hat Stewart mit den anderen Jurymitgliedern einen ersten Auftritt. Eine Journalistin will wissen, warum sie sich für das Festival in Berlin entschieden habe. Die Berlinale habe ja den Ruf, das politischste unter den drei großen europäischen Festivals zu sein.

Vor der Eröffnungsgala protestierten Aktivisten der Klimagruppe „Letzte Generation“ auf dem roten Teppich.
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„Es war nicht meine Entscheidung, hier zu sein. Ich war geschockt, dass sie mich anriefen“, erzählt Stewart und lacht dabei. Sie sagt auch, es sei eine tolle Möglichkeit daran mitzuwirken, schöne Dinge in einer Zeit zu betonen, in der es hart sei, daran festzuhalten. Auf die schönen Dinge hinweisen, auch wenn die Zeiten nicht einfach sind - vielleicht war das ein Kriterium für die Wahl des Eröffnungsfilms.

Der Eröffnungsfilm ist in diesem Jahr die Komödie „She Came to Me“, die von mehreren Leuten in New York erzählt. Peter Dinklage spielt einen Opernkomponisten, der in der Schaffenskrise steckt und sich vor anderen auch mal hinter großen Zimmerpflanzen versteckt. Anne Hathaway spielt die Rolle seiner Frau, eine Therapeutin mit Putzfimmel, die von einem Leben im Kloster träumt.

Jurypräsidentin Kristen Stewart.
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Eine romantiksüchtige Kapitänin

Irgendwann taucht eine Schiffskapitänin (Marisa Tomei) auf, die den Komponisten in ein erotisches Abenteuer verwickelt. Sie selbst findet, sie habe ein Problem, sie sei süchtig nach Romantik. Erzählt wird zudem von einer jungen Liebe, die von einem extrem konservativen, lustfeindlichen Typen gestört wird.

Autorin und Regisseurin Rebecca Miller („Pippa Lee“, „Maggies Plan“) beleuchtet in ihrer hintergründigen Komödie die Schwierigkeit, zu lieben und es auszuhalten, geliebt zu werden. Miller ist die Tochter des amerikanischen Autors Arthur Miller. Getragen wird ihr Film vom inspirierten Miteinander des exzellenten Ensembles. Die Schauspielerinnen und Schauspieler servieren ein Karussell pointierter Dialoge und exzentrischer Ideen.

Moderator Jo Schuck, die Jury-Mitglieder Carla Simon und Golshifteh Farahani, Moderatorin Hadnet Tesfai und Jury-Mitglied Hadnet Tesfai (v.l.) während der Berlinale-Eröffnung.

Anne Hathaway bedankte sich bei dem Festival dafür, dass Selenskyj zur Eröffnung per Video zugeschaltet wurde. „Ich möchte dem Filmfestival einfach meine Dankbarkeit dafür ausdrücken, dass es einen Helden unserer Zeit miteinbezieht“, hatte die 40-Jährige vorab bei einer Pressekonferenz gesagt. Am Freitag wird bei der Berlinale auch Sean Penns Film „Superpower“ über die Ukraine gezeigt.

Spreeufer statt Côte d'Azur

Ein Alleinstellungsmerkmal, das die Berlinale bisher ausmacht, ist ihre Beziehung zum Publikum. Manche nehmen sich Urlaub oder fahren extra nach Berlin, um marathonmäßig Filme zu gucken. Vor Pandemiebeginn wurden rund 330.000 Tickets verkauft. Am Potsdamer Platz campierten dann einige Leute schon zum Verkaufsstart.

Nun sind die Kartenschalter am Potsdamer Platz abgeschafft, stattdessen setzt das Festival auf Onlinetickets. Die Karten sind etwas teurer geworden, denn auch die Berlinale kämpft mit den Kosten. Reguläre Tickets kosten 15 Euro. Wird das Publikum wieder so zurückkommen wie früher? Geschäftsführerin Mariette Rissenbeek sagt im rbb-Inforadio, der Vorverkauf verlaufe derzeit wie im Jahr 2020.

Hollywood-Star Sean Penn zeigt bei der Berlinale seine Dokumentation über den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine.
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Bereits morgens warten Leute vor dem Hotel. Dass Stewart diesmal Jurypräsidentin ist, sei für Autogrammsammler gut, erzählt ein Mann. Stewart habe Erfahrung in der Filmbranche und werde den anspruchsvollen Job gut machen. Fragt man ihn, wie sich das Festival entwickelt hat, klingt er etwas skeptisch. Dass es nun auf der einen Straße auch noch eine Baustelle gebe, klar, dafür könnten sie nichts bei der Berlinale. Sonst sei es eine hell erleuchtete Allee gewesen. „Und jetzt sind da links und rechts diese Bretterzäune.“

Über das Flair in Berlin wird immer wieder diskutiert, manche verweisen gern auf die schönen Bilder aus Cannes. Berlin hat nicht die Côte d'Azur, dafür aber das Spreeufer. Dort soll am Wochenende übrigens auch gefeiert werden, bei einer Party, die teilweise auch draußen stattfindet, mit dem Dresscode „Pretty Warm“. (dpa)

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