Frauen nehmen Warnungen ernster

Risikoverhalten: Fast alle Lawinentoten im letzten Winter waren Männer

Männer haben ein höheres Risikoverhalten, weshalb sie öfter von Lawinen mitgerissen werden.
© thomas böhm

Die Risikobereitschaft werde durch verschiedene Faktoren erhöht. "Es sind etwa starke Emotionen wie Euphorie oder der Erwartungs- und Erfolgsdruck innerhalb einer Gruppe, die Menschen zu einem gesteigerten Risikoverhalten verleiten", erklärt Bergsportexperte Michael Larcher.

Innsbruck – In der vergangenen Wintersaison waren in Österreich 17 von 18 Lawinenopfer Männer. Das liegt laut dem Österreichischen Alpenverein (ÖAV) nicht daran, dass sich im Winter mehr Männer zu Touren aufmachten, sondern vorrangig am männlichen Risikoverhalten, das stark von gesellschaftlichen Rollenbildern beeinflusst sei. Frauen unterlägen beispielsweise weniger leicht der "Illusion der Kontrolle", hieß es seitens des ÖAV zur APA.

Frauen entscheiden seiner Erfahrung nach "defensiver" und würden "Warnungen ernster nehmen", sagte Michael Larcher, Leiter der Abteilung Bergsport im Österreichischen Alpenverein. Die Risikobereitschaft werde durch verschiedene Faktoren erhöht. "Es sind etwa starke Emotionen wie Euphorie oder der Erwartungs- und Erfolgsdruck innerhalb einer Gruppe, die Menschen zu einem gesteigerten Risikoverhalten verleiten", erklärte der Bergsportexperte. Auch "gefährliche Routine" oder die "Verlockung der seltenen Gelegenheit" würden eine Rolle spielen.

Frauen ließen sich offenbar in schwierigen Situationen schlicht weniger unter Druck setzen. Männer hingegen würde unter solchen Umständen oftmals von der Sorge dominiert, sich selbst "Zweifel und Unsicherheit einzugestehen", meinte Larcher. Das wiederum erhöhe die Risikobereitschaft, die meist für Lawinenunfälle verantwortlich sind, denn die Opfer seien weder unsportlich, unerfahren oder schlecht ausgerüstet gewesen. Die Gründe für die tragischen Ereignisse würden viel mehr im Risikoverhalten eines jeden Einzelnen liegen.

Das Kursprogramm "risk'n'fun" des Alpenvereins wolle, unabhängig von Geschlecht und Geschlechterrolle, gegensteuern und Momente des "Innehaltens" in Risikosituationen etablieren. Alle Alpinisten und Alpinistinnen, die im freien Skiraum unterwegs sind, sollten "zweimal drei Fragen im Kopf haben", wünschte sich Larcher im Rahmen dieses Bildungsprogrammes. Dazu gehörten die "Wie, Was, Wo"-Fragen zu Schnee, Gelände, Gefahren, Leistungsdruck, Gruppendynamik oder Höhenlagen. (APA)

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