Bundesheer zurück aus Erdbebengebiet: „Enorme Dankbarkeit erfahren“
71 Soldatinnen und Soldaten eines Hilfskontingents des Bundesheeres wurden nach ihrem Einsatz im türkischen Erdbebengebiet unter Jubel am Flughafen Wien-Schwechat empfangen. Die Helfer:innen konnten neun Leben retten und 52 Verletzte versorgen.
Wien – 71 Soldatinnen und Soldaten eines Hilfskontingents des Bundesheeres sind am Donnerstag aus dem Katastropheneinsatz nach dem Erdbeben in der Türkei zurückgekehrt. Die Truppe der Austrian Forces Disaster Relief Unit (AFDRU) landete am Nachmittag am Flughafen Wien-Schwechat und wurde unter anderem durch Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) und den türkischen Botschafter Ozan Ceyhun empfangen. Es sei Zeit, Danke zu sagen, betonte Tanner in einer Rede am Flughafen.
Die Katastrophenhelferinnen und -helfer landeten gegen 16.30 Uhr mit einer Maschine der Austrian Airlines auf dem Rollfeld in Schwechat. Dort begrüßten Tanner, Ceyhun und Generalstabschef Rudolf Striedinger das AFDRU-Kontingent. Die aus Angehörigen des Bundesheers, der Bergrettung sowie Feuerwehren bestehende Hilfstruppe habe "Großartiges in der Türkei geleistet und den Menschen Hoffnung gegeben", sagte Tanner in ihrer Ansprache. Sie verwies dabei auf neun gerettete Menschen sowie 52 versorgte Verletzte.
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In den kommenden Tagen solle das rund 25 Tonnen schwere Equipment des Bundesheeres zurück nach Wien gebracht werden. Die Zelte habe man jedoch der Türkei kostenfrei zur Verfügung gestellt, so das Verteidigungsministerium. Die restlichen zwölf Mitglieder des Teams sollen in den kommenden Tagen nachkommen, hieß es. "
„Die Dimension der Zerstörung war enorm“
Die Dimension der Zerstörung war enorm", sagte Einsatzleiter Major Bernhard Lindenberg im Gespräch mit der Austria Presse Agentur. "So ein Einsatz ist aber auch immer eine emotionale Belastung", ergänzte Hauptmann Raphael Schuh, stellvertretender Kontingentskommandant. An Ort und Stelle hätten er und das gesamte Team das Ausmaß der Trauer in der Bevölkerung hautnah miterlebt, sagte Schuh.
Dennoch habe man im Katastrophengebiet auch enorme Dankbarkeit erfahren, berichtete Markus Gruber von der oberösterreichischen Feuerwehr Traun, der mit einem Rettungshund im Einsatz war. "Uns wurden Lebensmittelspenden gebracht, obwohl viele Menschen dort selbst nichts mehr hatten", so Gruber.
Zahlreiche Mitglieder aus der türkischen Community begrüßten das AFDRU-Kontingent dann in der Ankunftshalle des Flughafens. Dort zogen die Helferinnen und Helfer unter frenetischem Jubel und von "Österreich"-Sprechchören begleitet ein. "Die Hilfe ist besonders schnell gekommen", sagte Ceyhan, der jedem Mitglied des Teams ein Geschenk überreichte.
Insgesamt 83 Personen wurden am Dienstag vergangene Woche in das Katastrophengebiet geschickt. Mehr als 42.000 Tote wurden bisher in der Türkei und im benachbarten Syrien gezählt. Der türkische Katastrophendienst AFAD berichtete am Donnerstag, 36.187 Menschen seien durch die Erdstöße getötet worden. Aus Syrien meldete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zuletzt 5900 Tote. AFAD zufolge gab es bisher mehr als 4300 Nachbeben. (APA)
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