Auto-Test

Opel Astra Diesel: Der Letzte seiner Generation

Den Astra Diesel hat Opel mit einer Karbon-Schwarz-Metallic-Lackierung bedacht.
© Höscheler

Opels modernstes Auslaufmodell ist der Astra Diesel: Der Kompaktwagen ist technisch über die Maßen innovativ, sein 130 PS starker Antrieb aber hat die Mehrheit der EU-Parlamentarier gegen sich.

Dornbirn – „Der Feind ist ein Freund, der dich zum Handeln anstachelt.“ Der Satz stammt vom amerikanischen Schriftsteller und Journalisten Elbert Hubbard, der als begeisterter Pferdezüchter galt und Ende des 19. sowie zu Beginn des 20. Jahrhunderts wirkte. Mit Autos hatte er – auch der Zeit geschuldet – nichts am Hut. Das EU-Parlament schon. Dessen Abgeordnete haben sich in dieser Woche mehrheitlich für das Aus der Verbrennungsmotoren in Neufahrzeugen ab 2035 ausgesprochen, da Diesel- und Benzinmotoren mit ihren CO2-Emissionen den Klimawandel fördern. Der Feind sitzt unter der Motorhaube, das angestachelte Brüssel handelt.

Der Abschied vom Selbstzünder wird uns nicht leichtfallen. Erst recht nach unseren Erfahrungen im neuesten Astra. Den hat Opel mit einem 130 PS starken 1,5-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel versehen, der ab 1750 Umdrehungen/Minute ein maximales Drehmoment von 300 Newtonmetern stemmt. Er nimmt willig Gaspedalbefehle entgegen, beherrscht einigermaßen die Laufkultur und arbeitet auf harmonische Art und Weise mit der installierten Achtstufenautomatik zusammen. Mit seinem Testverbrauch von 5,6 Litern je 100 Kilometer kann er sich sehen lassen (wäre da nicht der verhängnisvolle Zusammenhang mit den CO2-Emissionen), mit seinem Sprintwert von null auf 100 km/h braucht er sich nicht zu verstecken. Was er außerordentlich gut kann: Reichweite, ganz, ganz viel Reichweite anbieten – und zwar eine, die nicht beim kleinsten Temperaturgefälle oder beim geringsten Steigungsgrad der Straße zusammenschmilzt wie die Digitalanzeige eines Elektroautos.

Der Astra Diesel mag ein ganz frisches Auslaufmodell sein, er ist jedenfalls ein Kompaktwagen, der ganz viel Auslauf an einem Stück offeriert. Er lässt sich Zeit, bis der nächste Tankstopp fällig wird. Und die Zeit können die Insassen ganz gut nützen, zumal die hier zur Verfügung gestellte GS-Line-Ausstattung samt einigen Extras Beachtliches mit sich bringt. Allein die 360-Grad-Kamera mit hochauflösenden Bildern ist eine Empfehlung wert, da sie in Verbindung mit den Parksensoren vorne wie hinten ein leichtes Rangieren ermöglicht. Dies bestätigt sich bei mehreren Parkmanövern, denn eines ist der Astra der neuesten Generation nicht: übersichtlich nach hinten. Dafür ist das Heckfenster zu klein und die nach außen attraktiv wirkende Dachlinie hinten zu abfallend.

An den Flanken finden sich 18-Zoll-Leichtmetallfelgen (Option) mit rötlich gehaltenen Akzenten.
© Höscheler

Als langstreckentauglich, vorne wie hinten, erweist sich das Sitzgestühl. Vorne sind es sogar ergonomische Aktiv-Sitze mit dem Gütesiegel AGR (Aktion gesunder Rücken), die längere Touren torturenfrei machen. Erfrischend wirken das digitale Instrumentarium, der Widescreen-Touchscreen auf der Mittelkonsole. Nicht immer will das Zusammenspiel mit dem Smartphone auf Anhieb gelingen, doch nach erfolgreicher Koppelung ist die Beschallung eine überaus angenehme.

Beim Fahren bemerkbar machen sich eine ausreichend präzise Lenkung, ein ausgewogenes Fahrwerk und wachsame Fahrerassistenten, die manchmal übereifrig zum Bremsen auffordern, obwohl sich kein Fahrhindernis in den Weg gestellt hat. Als qualitätsvoll hat sich neben der guten Verarbeitung zusätzlich das Head-up-Display erwiesen. Was dem Astra Diesel in dieser Konfiguration im Wege stehen könnte, ist der Tarif – der Testwagen kostet 41.039,12 Euro. Vielleicht stachelt ja der Preis die interessierte Kundschaft zum (Ver-)Handeln an.

Die Technik

  • Motor: Vierzylinder-Turbodiesel
  • Hubraum: 1498 ccm
  • Drehmoment: 300 Nm bei 1750 U/min
  • Leistung: 96 kW/130 PS
  • L/B/H: 4374/1860/1441 mm
  • Gewicht: 1438/1940 kg
  • Kofferraumvolumen: 422–1339 l
  • Tankinhalt: 52 l
  • Höchstgeschwindigkeit: 209 km/h
  • 0–100 km/h: 10,6 Sekunden
  • Verbrauch: 5,6 l/100 Kilometer
  • Kraftübertragung: Vorderradantrieb
  • Preis (GS): 41.039,12 Euro
  • CO2-Emission: 126 g/km

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