Angst vor neuem Rekordsommer

Schneemangel in italienischen Alpen: Umweltverband schlägt Alarm

Im vergangenen Sommer kämpfte ein Großteil Italiens zeitweise mit extremer Dürre. Jetzt wird in einigen Regionen schon im Februar das Wasser knapp.
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Bereits jetzt kämpfen einige Orte in den italienischen Alpen mit Dürre und Wasserknappheit. So früh im Jahr ist das besorgniserregend. Italien befürchtet einen schwierigen Sommer mit Rekordtemperaturen wie im Jahr 2022.

Rom – Der Umweltverband Legambiente schlägt wegen der schweren Dürre Alarm, unter der Italien bereits zu einer Jahreszeit leidet, in der die Wasservorräte eigentlich reichlich vorhanden sein sollten. In den italienischen Alpen sei der Schneemangel besorgniserregend. Die Schneelage habe sich gegenüber dem Durchschnitt der letzten Jahre halbiert, beklagte Legambiente in einer Mitteilung am Montag.

"Das Jahr 2023 hat gerade erst begonnen, aber es zeigt besorgniserregende Anzeichen in Form von extremen Wetterereignissen und Dürreperioden. Wir müssen die Wasserentnahmen in den verschiedenen Wirtschaftssektoren und für die verschiedenen Verwendungszwecke sofort reduzieren, bevor wir den Punkt erreichen, an dem es kein Zurück mehr gibt. Dann müssen wir eine nationale Wasserstrategie verabschieden, die einen Kreislaufansatz verfolgt", erklärte Giorgio Zampetti, Generaldirektor von Legambiente. In einem Aufruf an die italienische Regierung stellte Legambiente einen Plan zur Reduzierung des Wasserkonsums vor.

Die Dürre zieht derzeit auch den Fluss Po in Mitleidenschaft, den längsten Fluss Italiens. Das zweite Jahr in Folge ist der 630 Kilometer lange Fluss mit einer Rekorddürre konfrontiert. In der Nähe der Städte Piacenza und Cremona hat der Fluss ein neues historisches Tief erreicht.

Bevöllerung im Piemont muss mit Trinkwasser versorgt werden

In der norditalienischen Region Piemont mussten sieben Gemeinden Wassertanker einsetzen, um die Bevölkerung mit Trinkwasser zu versorgen, während 70 weitere Gemeinden in Norditalien die Vorwarnstufe ausgerufen haben. Der größte Wasserspeicher Italiens, der Gardasee, ist nur noch wenige Zentimeter von seinem historischen Tiefststand entfernt. Auch der Pegel des Comersees ist stark gesunken. Italien befürchtet einen schwierigen Sommer mit Rekordtemperaturen wie im Jahr 2022.

Auch Venedig, ansonsten von Hochwasser heimgesucht, erlebt derzeit ungewöhnlich tiefe Pegelstände. Wie die Behörden am Freitagabend erklärten, sank der Wasserstand bei Ebbe zeitweise um 60 Zentimeter unter den Normalpegel. Auch am Wochenende werde wieder "Acqua bassa" (Niedrigwasser) erwartet. Auf kleineren Kanälen habe der Verkehr eingestellt werden müssen, zeitweise lagen die Gondeln im Schlamm, hieß es.

Experten führen diesen Ausnahmezustand auf eine besondere Wetterlage zurück: Hochdruck über Italien, verbunden mit einer Neumondphase, sowie besondere Windverhältnisse. Ein großes Hochdruckgebiet über Norditalien bildet derzeit eine Barriere gegen Pertubationen, damit fallen Niederschläge aus. (APA)

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