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Elf Tote bei Militäreinsatz im Westjordanland

Gewaltsame Auseinansersetzungen in Nablus
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Bei einem israelischen Militäreinsatz in Nablus im Westjordanland sind nach palästinensischen Angaben mindestens elf Palästinenser getötet worden. Zudem wurden mehr als 80 Menschen verletzt, wie das Gesundheitsministerium in Ramallah am Mittwoch mitteilte. Mindestens fünf davon seien in kritischem Zustand. Die internationale Gemeinschaft reagierte mit größter Besorgnis und rief zur Deeskalation auf.

Unter den Todesopfern ist nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums ein 16-jähriger Jugendlicher, die anderen Getöteten seien zwischen 23 und 72 Jahre alt. Bei dem elften Opfer handle es sich um einen 66-jährigen Mann, der am Abend nach dem Einatmen von Tränengas seinen Verletzungen erlag. Unter den Verletzten war ein Journalist von Palestine TV, wie einer seiner Kollegen mitteilte.

Das israelische Militär teilte mit, bei der versuchten Festnahme von drei Terrorverdächtigen seien die Einsatzkräfte unter heftigen Beschuss geraten. Daraufhin sei mit Schüssen geantwortet worden. Alle drei Verdächtigen sind demnach erschossen worden. Sie sollen nach Militärangaben Anschläge geplant und teilweise ausgeführt haben. In dem Gebäude, in dem sie sich verschanzt hatten, seien Munition und Waffen beschlagnahmt worden. Zwei der Verdächtigen gehörten demnach der bewaffneten Gruppierung "Höhle der Löwen" an, ein weiterer der militanten Palästinenserorganisation Islamischer Jihad.

Ein Sprecher der im Gazastreifen herrschenden islamistischen Hamas sagte nach der Razzia: "Die Geduld des palästinensischen Widerstands in Gaza geht zu Ende." Auch der Islamische Jihad kündigte in Gaza "eine Antwort auf die brutale Aggression" an. Beide Palästinenserorganisationen sind auch im Westjordanland aktiv.

UN-Generalsekretär António Guterres sagte in New York, "die Situation im besetzen Palästinensergebiet ist an ihrem gefährlichsten Punkt seit Jahren". Erste Priorität müsse sein, "eine weitere Eskalation zu verhindern, Spannungen zu verringern und Ruhe wiederherzustellen". Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell zeigte sich "tief beunruhigt". Die USA erklärten, sie seien "extrem besorgt" über die Gewalt im Westjordanland.

Die israelische Polizei erhöhte nach eigenen Angaben die Alarmbereitschaft, vor allem in Jerusalem. Sijad al-Nachala, Generalsekretär des Islamischen Dschihad, sprach von einem "bedeutenden Verbrechen", auf welches die "Widerstandstruppen ohne zu zögern" reagieren müssten. Die israelische Armee hat seit fast einem Jahr ihre Einsätze im Norden des Westjordanlands verstärkt. Dabei fahndet sie nach militanten Palästinensern, die "terroristischer" Aktivitäten verdächtigt werden. Besonders Nablus und Dschenin sind als Hochburgen bewaffneter Palästinensergruppen betroffen.

Die Sicherheitslage in Israel und den Palästinensergebieten ist seit langem extrem angespannt. Seit Beginn des Jahres wurden neun Israelis und eine Ukrainerin bei Anschlägen von Palästinensern getötet. Im gleichen Zeitraum kamen 59 Palästinenser ums Leben - sie wurden etwa bei Konfrontationen mit der israelischen Armee oder nach eigenen Anschlägen erschossen. Es gibt zudem immer wieder Berichte über Gewalt israelischer Siedler gegen Palästinenser, israelische Aktivisten oder Soldaten.

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