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Ernüchterndes Ende der Salzburger Europacupsaison

Salzburg war bei der Roma klar unterlegen
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Die Gruppenphase der Fußball-Königsklasse hatte Salzburg noch rauschende Nächte beschert, in der Zwischenrunde der Europa League ist für "Bullen" am Donnerstag aber das ernüchternde Aus gekommen. Gegen den Tabellendritten der Serie A, die AS Roma von Starcoach Jose Mourinho, entglitt den phasenweise überforderten Salzburgern das 1:0 aus dem Hinspiel und damit das Achtelfinalticket. Der viel beschworene und oft gezeigte Mut wurde bei der 0:2-Niederlage schmerzlich vermisst.

Vor allem die erste Hälfte lief an den Gästen im mit 62.593 Zuschauern ausverkauften Stadio Olimpico fast völlig vorbei. Während der nach einer Muskelverletzung rechtzeitig fit gewordene argentinische Weltmeister Paulo Dybala für die im Vergleich zum Hinspiel deutlich offensiveren Römer wirbelte und Leonardo Spinazzola auf der Außenbahn mit seiner Schnelligkeit für zwei Assists sorgte, schaffte es Salzburg nach einer halbwegs offenen Anfangsphase nicht mehr, für Entlastung zu sorgen. Der italienische Dauerdruck trug Früchte. Andrea Belotti, der für den am Auge angeschlagenen Einserstürmer Tammy Abraham einsprang (33.), traf ebenso wie Dybala (40.).

"Wir haben es verabsäumt, den Mut und das Selbstverständnis - gegen und mit dem Ball - auf den Platz zu bringen. Wenn man sich selbst an der Nase packen muss, ist es umso schmerzlicher", sagte Trainer Matthias Jaissle und mutmaßte: "Vielleicht waren sie einen Tick beeindruckt von der Kulisse." Stürmer Junior Adamu wollte das zwar so nicht sagen, stellte aber eines klar: "Wir waren nicht so aggressiv. Wir haben Angst gehabt, das war nicht unser Spiel. Normalerweise können wir es viel besser."

Salzburg fand dennoch Offensivmomente vor, die freilich allesamt ungenutzt blieben. So wie die wohl beste Chance bald nach Beginn, als sich Maurits Kjaergaard im Strafraum erfolglos an einem Scherenschuss versuchte, anstatt den einfacheren Weg zu gehen. "Die Räume waren teilweise da, um gute Situationen zu Ende zu spielen. Da waren wir zu mutlos, haben die Bälle wieder zu schnell hergeschenkt", befand Jaissle. Der 37-jährige Kapitän Andreas Ulmer, an diesem Abend eine der auffälligsten Figuren, trauerte genau diesen verschenkten Momenten nach. "Im Hinspiel haben wir aus wenig viel gemacht, das wäre auch heute gut gewesen", sagte der Außenverteidiger. Für Mittelfeldakteur Nicolas Seiwald fehlte einfach die "Energie, nach Ballgewinn am Ball zu bleiben".

Wohl fielen auch die Ausfälle von Schlüsselspielern ins Gewicht. Fernando, der eben erst von einer monatelangen Verletzung zurückgekehrt war, fehlte mit neuerlicher Oberschenkelblessur ebenso wie der gesperrte Innenverteidiger Strahinja Pavlovic. Luka Sucic, der wegen einer Magen-Darm-Erkrankung in den vergangenen Tagen bis zur Pause von Kjaergaard vertreten wurde, war nicht vollfit. "Natürlich haben uns der Pavlo und der Fernando gefehlt. Luka ist zur Halbzeit eh reingekommen, hat frischen Wind gebracht. Wir haben es als ganzes Team nicht geschafft, das zu kompensieren", gab Seiwald zu.

Jaissle wollte dem nicht widersprechen. "Wir sind so eine junge Mannschaft, das ist nicht immer ohne wegzustecken", gab der 34-Jährige zu Protokoll. "Wir gehen diesen Weg extrem mutig und extrem konsequent." Die Lernkurve müsse weiter "steil nach oben" zeigen, das sei das Wichtigste, erklärte Jaissle. "Ich hoffe, dass sie daraus lernen, dass sie Abende wie hier genießen können und, dass es ihnen einen Push gibt und sie nicht hemmt."

Insgesamt sei die europäische Saison gut verlaufen, gab Jaissle angesichts des dritten Platzes in einer CL-Gruppe mit Chelsea, AC Milan und Dinamo Zagreb zu bedenken. "Ich hatte nur aufmunternde Worte für die Jungs. Sie haben eine gute Visitenkarte auf europäischer Ebene abgegeben", sagte Jaissle und bekannte sich einmal mehr zum Salzburger "Jugendstil": "Dessen war ich mir bewusst als ich den Job antrat, dass ich diesen Weg auch voller Überzeugung mitgehe."

So oder so ist Jaissle jetzt auch als Psychologe gefragt. Das EL-Aus war in seiner Klarheit ernüchternd, im heimischen Cup-Viertelfinale war man Anfang Februar Opfer des aufstrebenden Konkurrenten Sturm Graz geworden. Ulmer wollte sich die Saison freilich nicht schlechtreden lassen. "Grundsätzlich ist es eine gute, eine ordentliche Saison. Wir waren in der Champions League, haben uns dann für die Europa League qualifiziert. Im Cup war es ein knappes Aus gegen eine sehr gute Sturm-Mannschaft", sagte der Linzer.

In der Liga beträgt der Vorsprung auf den ersten Verfolger Sturm vier Runden vor Ende des Grunddurchgangs sechs Punkte, aktuell hätte der Serienchampion nach der Punktehalbierung vor der Meistergruppe zumindest drei Zähler Vorsprung. Und diesem Rennen gehört nun auch der alleinige Fokus. "In der Meisterschaft sind wir vorne und wollen jetzt unbedingt den Titel holen", meinte Ulmer. Jaissle hoffte angesichts des bevorstehenden Duells mit Schlusslicht Ried am Sonntag auf eine schnelle Aufarbeitung der römischen Episode: "Wir müssen uns die Krone richten, weil es am Sonntag schon wieder weitergeht."

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