Das Landecker Scheibenschlagen ist Unesco-Kulturerbe
Am vergangenen Sonntag ließ man in Landeck traditionsgemäß wieder die Scheiben fliegen – und ist damit nicht alleine.
Landeck – „Je weiter die glühende Scheibe in die dunkle Nacht hinausfliegt, desto mehr Glück soll sie bringen“, sagt Kurt Tschiderer, Alt-Bürgermeister aus Pettneu. Ihm und seinen Helfern ist es zu verdanken, dass das Scheibenschlagen in Landeck und weiteren Tiroler Ortschaften im Jahr 2022 ins Verzeichnis des immateriellen Unesco-Kulturerbes aufgenommen wurde. Der begeisterte Scheibenschlager hatte sich die Arbeit gemacht, das je nach Ortschaft verschieden ausgeprägte Brauchtum – vom Landecker Talkessel über das Außerfern bis nach Prägraten – zusammenzufassen und zur Bewerbung einzureichen. Und einer gelebten Tradition „mit Einflüssen aus Fasnachts- und Lichterbrauchtum“ eine Bühne zu geben.
Doch was geht beim Scheibenschlagen vor sich? In Landeck etwa folgt man am ersten Sonntag der Fastenzeit einem ganz bestimmten Ablauf, dabei bereitet man sich bereits im Jänner darauf vor: „Es werden rund 10 cm breite Birken-Holzscheiben geschnitten, gespalten, durchbohrt und zum Schluss pyramidenförmig gehackt. Am großen Tag, dem ‚Kassunnti‘, werden die Scheiben auf Stöcke gesteckt, in die Glut geworfen, mit einem Holzbrett abgeschlagen und hinausgeschleudert“, erklärt Christian Mayer, Kommandant der Feuerwehr Landeck, die das Scheibenschlagen organisiert. Dabei bekomme jeder Landecker Haushalt eine Scheibe, die „Ledigen“ über 18 Jahre auch ein humorvolles Sprüchlein dazu.
Gegessen werden an diesem Tag hauptsächlich „Kaskiachln“ – eine Tradition, die von der früheren Steuerabgabe der zinspflichtigen Bauern in Form von Käselaiben abstamme, erklärt Mayer.
„Das Vorarlberger Scheibenschlagen befindet sich schon seit 2015 im Unesco-Verzeichnis“, zeigt sich Tschiderer stolz, seit Oktober auch Tiroler Gemeinden auf dieser Liste zu finden.
Die feierliche Urkundenverleihung erfolgt am 12. Mai in Landeck. „Es ist eine Ehre, die perfekt in unser 100-Jahr-Stadtjubiläum passt“, freut sich auch Landecks Bürgermeister Herbert Mayer.