Heftig umkämpfte Stadt

Bachmut „praktisch umzingelt“: Wagner-Chef fordert Ukrainer zu Rückzug auf

Zerstörung soweit das Auge reicht in der vormals 70.000-Einwohner-Stadt Bachmut. Obwohl strategisch im Grunde wenig bedeutsam, konzentrieren sich dort seit Monaten heftige Kämpfe zwischen ukrainischen und russischen Truppen.
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Der russische Söldnerchef Prigoschin fordert den ukrainischen Präsidenten auf, seine Truppen aus der seit Monaten umkämpften Stadt zurückzuziehen.

Kiew/Moskau – Russische Truppen haben ihre Sturmangriffe gegen die ostukrainische Stadt Bachmut auch am Freitag fortgesetzt. „Der Feind ist weiterhin bemüht, die Stadt einzukreisen", teilte der ukrainische Generalstab am Abend in seinem täglichen Lagebericht mit. Eine Serie von Angriffen an verschiedenen Schwerpunkten rund um Bachmut sei von den ukrainischen Verteidigern abgewehrt worden. Das russische Militär versucht schon seit Wochen, die Stadt zu erobern.

Der Chef der dort eingesetzten russischen Söldnertruppe Wagner, Jewgeni Prigoschin, sagte am Freitag, seine Kämpfer hätten die Stadt fast vollständig eingekesselt. Eine einzige Straße Richtung Westen würde den Ukrainern noch offen stehen. Ein Wagner-Kämpfer berichtete der russischen Nachrichtenagentur Ria Nowosty, die ukrainischen Truppen hätten bereits fast alle Brücken über den Bachmutska-Fluss gesprengt. Die Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden.

Am Donnerstag war der Wagner-Gruppe ein Vorstoß bis zum Fluss, der den Osten vom Westen der Stadt trennt, gelungen. Nun scheint der ukrainische Rückzug aus dem Ostteil der Stadt in vollem Gange zu sein. Ein am Freitag in den sozialen Medien veröffentlichtes Video zeigt die Sprengung einer Eisenbahnbrücke im Norden der Stadt. Prigoschin forderte den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj auf, seine Truppen aus der Stadt zurückzuziehen.

Dagegen beharrt die ukrainische Seite darauf, dass die Stadt weiter verteidigt werde. „Ja, es ist schwierig und hart, aber wir wissen, wie wir weiter vorgehen", sagte der Sekretär des Sicherheitsrates, Oleksij Danilow, dem Portal RBK-Ukraina. Einer ukrainischen Aufklärungseinheit, die mit Drohnen arbeitet, wurde indes nach Angaben ihres Kommandanten befohlen, sich zurückzuziehen.

Das ukrainische Militär teilte zuvor mit, erneut zahlreiche russische Angriffe im Gebiet um Bachmut im Osten des Landes abgewehrt zu haben. In den vergangenen 24 Stunden seien mehr als 85 Angriffe in den fünf Hauptsektoren an der dortigen Front zurückgeschlagen worden, teilte der Generalstab des ukrainischen Militärs am Freitag in der Früh mit.

Der ukrainische Verteidigungsminister Oleksij Resnikow schloss in einem Interview mit der Bild-Zeitung nicht aus, dass Bachmut an die Russen fallen könnte. Dies würde aber lediglich bedeuten, „dass sie einen kleinen Sieg erringen", sagte er. Nach dem Verlust der Städte Sjewjerodonezk und Lyssytschansk 2022 gehört Bachmut zur nächsten Verteidigungslinie der Ukraine im Donbass.

📽️ Video | Militäranalyst: Letzte Gefechte um Bachmut?

Mit dem Verlust von Bachmut müsste die Ukraine die Verteidigungslinie erneut nach hinten verlegen. „Man kann gut erkennen, dass die Ukrainer damit begonnen haben, auf den Höhen vier bis fünf Kilometer westlich von Bachmut neue Stellungen zu errichten", sagte der Militäranalyst und Garde-Kommandant des Österreichischen Bundesheers, Markus Reisner, der Tageszeitung Kurier (Donnerstag). Die nächste große Verteidigungslinie liege ungefähr 20 Kilometer westlich von Bachmut, wo mehrere kleine Städte liegen, so Reisner.

Die ukrainische Führung hat erklärt, Bachmut in der Region Donezk habe begrenzten strategischen Wert, sie will den russischen Vormarsch aber verhindern. Russland dagegen erhofft sich von einer Einnahme Bachmuts einen wichtigen Schritt hin zur Eroberung des Rests des umliegenden Industriegebiets Donbass, das aus den Regionen Donezk und Luhansk besteht. (APA/Reuters/dpa)

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