Täglich zehn Abweisungen

Trotz mildem Winter: Druck auf Innsbrucker Notschlafstelle enorm

Wer keinen Platz in einer der Notschlafstellen findet, muss die Nacht im Freien verbringen – und auf ein Bett am nächsten Tag hoffen.
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Eine Auslastung von 100 Prozent seit 15. November verzeichnet die Rotkreuz-Notschlafstelle Innsbruck – bei täglich rund zehn Abweisungen.

Innsbruck – Am 15. November hat sie ihre Pforten für die Winter-Saison 2022/23 geöffnet: die Notschlafstelle des Roten Kreuzes in der Richard-Berger-Straße in Innsbruck. Das niederschwellige Angebot bietet Männern und Frauen zwischen 18 Uhr und 8 Uhr insgesamt 20 Schlafplätze – die bis spätestens 23 Uhr bezogen werden müssen. „Bereits am ersten Tag haben wir 50 Klientinnen und Klienten vor dem Haus gehabt“, erinnert sich die Leiterin der Einrichtung, Ines Obser. Damit mussten also 30 Personen abgewiesen werden.

Menschen nicht aufnehmen zu können, steht seit der Eröffnung für Obser und die 14 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an der Tagesordnung. „Wir sind bisher an jedem Tag zu 100 Prozent ausgelastet und haben täglich im Schnitt mindestens zehn Menschen abweisen müssen“, sagt Obser. Für einen Schlafplatz gilt das Prinzip „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“. Sieben Fixbetten stehen Menschen zur Verfügung, die einer Arbeit nachgehen, weitere Betten sind für psychisch auffällige Personen je nach Bedarf reserviert. „Und diese werden immer mehr“, berichtet die Leiterin der Einrichtung. Wer keinen Platz bekommt, muss schweren Herzens verschickt werden – nicht ohne die Menschen mit warmen Decken auszustatten und mit Tee zu versorgen. „Diese Klientinnen und Klienten schlafen dann in Unterführungen und Garagen“, sagt Obser. Und versuchen am nächsten Tag erneut ihr Glück.

Zumindest habe der verhältnismäßig milde Winter etwas dazu beigetragen, dass nicht noch mehr Menschen jeden Abend abgewiesen werden mussten, so Ines Obser. Denn gewisse Klientinnen und Klienten würden erst dann kommen, wenn die Temperaturen so richtig frostig und eisig in den Nächten werden. Obser würde sich nicht nur eine deutliche Aufstockung der Bettenkapazitäten, sondern auch den Übergang zu einem Ganzjahresbetrieb wünschen. Es bestehe dringend Bedarf. Aktuell endet der Betrieb der Notschlafstelle für diesen Winter mit 15. April.

Nicht nur die Einrichtung des Roten Kreuzes, auch die Teestube des Vereins für Obdachlose war diesen Winter wieder eine gefragte Anlaufstelle für Menschen ohne feste Bleibe. „Es ist viel los. Im Schnitt haben wir 120 Leute pro Tag in der Teestube“, berichtet Michael Hennermann, Geschäftsführer vom Verein für Obdachlose. Grundsätzlich mache es keinen Unterschied, wann im Jahr man auf der Straße lebt. „Obdachlos ist obdachlos. Das ist im Sommer genauso hart wie im Winter“, meint er. Einziger „Vorteil“ in den warmen Monaten oder milden Wintern ist es, dass die Temperaturen nicht gleich so lebensbedrohlich seien.

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