Von der Rostlaube zum Traumauto: VW-Bus als Alleskönner seit mehr als 70 Jahren
In Deutschland heißt er Bulli, bei uns ganz nüchtern VW Bus. Jetzt hat die rollende Ikone mit dem ID. Buzz einen elektrischen Urenkel bekommen. Die TT durfte hinter die Kulissen blicken.
Hannover – Auf der Geburtsurkunde ist als Name kurz und bündig T1 vermerkt, Geburtsjahr 1950. Gemeint ist eine echte Ikone, die bei unseren nördlichen Nachbarn liebevoll Bulli genannt wird. Bei uns ist es eher nüchtern der VW-Bus. Es gibt kaum einen Fleck auf der Erde, wo der Alleskönner seit mehr als 70 Jahren nicht unterwegs war und auch heute noch anzutreffen ist. Als Kleinlaster, als Lieferwagen, als Großraumtaxi, als rundum verglaster Luxusbus und häufig – meist liebevoll selbst ausgebaut – als Camper.
Der Autor dieser Zeilen kann ein Lied davon singen. Hat ihn und einen Kumpel doch ein T1 Baujahr 1955 in den frühen 1970ern von Tirol nach Persien und retour getragen. Damals saß noch Schah Reza Pahlawi auf dem Pfauenthron und in der Jugendherberge von Isfahan gab es Bier. Pilsener Urquell sogar. Das ist heute undenkbar und ebenso Geschichte wie der luftgekühlte Boxermotor im Heck mit schlappen 25 PS.
Danach haben mehrere Generationen bis zum aktuellen T7 den grandiosen Erfolg der Baureihe fortgesetzt. Aber die Legende T1 lebt, was nirgendwo großartiger zu bestaunen ist als bei VW Heritage in Hannover. Dort werden die Oldies, die man in Scheunen, verlassenen Garagen oder tief im Wald entdeckt hat, höchst professionell neu aufgebaut. Die Autos werden komplett zerlegt, entrostet, repariert, mit manuell nachgebauten Karosserieteilen komplettiert und dann original lackiert und frisch gepolstert wieder zusammengebaut. Eine Rundumerneuerung kann schon einmal bis zu zwei Jahre dauern. Meist sind Tausende von Arbeitsstunden dafür nötig. Bei VW Heritage werden die traumhaft schönen Oldies sogar vermietet. Oft für Hochzeiten, aber auch für Werbeeinsätze. Da sind dann für drei Tage schon runde 1000 Euro fällig.
Wer so ein Schmuckstück sein Eigen nennen möchte, muss allerdings sehr tief in die Tasche greifen. Bis zu 180.000 Euro werden für die uneingeschränkt fahrbereiten und technisch den heutigen Vorschriften angepassten Sammlerstücke auf den Tisch geblättert. Dafür gibt es schon einen edlen Sportwagen oder eine Luxuslimousine. Und der unglaubliche Hype um den T1 ist noch lange nicht zu Ende. In aller Welt werden die Legenden aus vergangenen Zeiten aufgespürt, um ihnen ein zweites Leben zu schenken. Und, man glaubt es kaum: Selbst für einen völlig desolaten Scheunenfund, dessen Restaurierung nicht mehr sinnvoll erscheint, werden bis zu 40.000 Euro geboten. Die Rostlauben beenden dann wenigstens als Teilespender ihr bewegtes Autoleben. Da lohnt es sich, in der eigenen Scheune oder verwaisten Garage Nachschau zu halten.
Mittlerweile ist die Zeitenwende voll im Gang. Der neue Vollzeitstromer ID. Buzz rollt bereits auf den Straßen. Quasi als elektrischer Urenkel des T1. Und die Startphase verläuft vielversprechend. VW hat bereits 3000 fixe Bestellungen vorliegen. In Österreich sind es 600, wie die neue Markenleiterin VW Nutzfahrzeuge bei Porsche Austria, Miriam Walz, berichtet. Aktuell ist der ID. Buzz als Fünfsitzer und Cargomodell unterwegs. Aber die nächsten Versionen sind schon in der Pipeline. Im Juni kommt ein Siebensitzer mit langem Radstand, im nächsten Jahr – besonders für Bergregionen interessant – ein Allradmodell. Das Werk in Hannover ist auf 1000 Stück täglich (inklusive T6.1 und T7) ausgelegt, aktuell laufen 750 Einheiten, davon 150 ID. Buzz von den Bändern. Die Produktion soll noch heuer auf 900 ID. Buzz täglich gesteigert werden. Mittelfristig sind dann jährlich 130.000 Stück geplant.