Neuer HGM-Direktor Hoffmann: „Museum in der Gegenwart anbinden“
Georg Hoffmann hat die Leitung des zuletzt umstrittenen Heeresgeschichtlichen Museums übernommen. Kritikern verspricht er Dialog. Bis 2025 soll das Thema „Republik und Diktatur“ neu aufgestellt sein.
Wien – Eine Übergabe von Vorgänger Christian Ortner? Georg Hoffmann winkt ab. „Die Übergabe hat durch die Frau Bundesminister (Klaudia Tanner, Anm.) stattgefunden“, sagt der Historiker im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung. Hoffmann ist neuer Direktor des Heeresgeschichtlichen Museums (HGM) in Wien. Das Haus hat in den vergangenen Jahren negative Schlagzeilen geschrieben. Vorwürfe rechtsextremistischer und antisemitischer Inhalte im Museumsshop, veraltete Ausstellungskonzepte, Probleme mit der Sammlung und zuletzt Mobbing. Manches konnte entkräftet werden. Letztlich entschied sich Verteidigungsministerin Tanner dennoch für die Ablöse von Langzeitdirektor Ortner durch Hoffmann. Für Erneuerungen bekam er mehr als vier Millionen Euro mit auf den Weg.
Als Erstes werde er sich den Bereich „Republik und Diktatur“ vornehmen, kündigt Hoffmann an. Eine Expertenkommission hatte diese 30 Jahre alte Schau über die Jahre und Entwicklungen nach 1918 als „nicht mehr zeitgemäß und insgesamt unzureichend“ scharf kritisiert.
Der neue Direktor verspricht, mit den Kritikern ins Gespräch kommen zu wollen. Details zu seinen Plänen nennt er noch nicht. Sehr wohl spricht er aber über seinen grundsätzlichen Zugang: „Wir werden den Menschen ins Zentrum stellen und Menschen sichtbarer machen.“ Hoffmann will sein Museum auch „stärker in der Gegenwart anbinden“. Dies bedeute, auch aktuelle Themen aufzugreifen.
Sichtbar werden sollen erste Änderungen spätestens 2025. In diesem Jahr begeht Österreich Jubiläen: 80 Jahre Zweite Republik und 70 Jahre Staatsvertrag.
Wofür braucht es überhaupt das Heeresgeschichtliche Museum? Hoffmann: „Der Auftrag ist, die Rolle des Militärs in der Gesellschaft zu betrachten. Diese Rolle hat sich über zeitliche Brüche hinweg massiv gewandelt. Das wollen wir ergründen. Ganz plakativ gesprochen: Militär in einer Diktatur hat eine ganz andere Rolle als Militär in der Demokratie.“
Verstärkt will Hoffmann auch die Soldatinnen und Soldaten des Bundesheeres ins HGM holen: „Es geht darum, mit ihnen über historische Bilder und historische Wahrnehmungen zu diskutieren. Das hat ja auch ganz stark damit zu tun, wie sie sich selber als Soldat wahrnehmen.“
Aber natürlich ist das HGM Museum, mit Schaustücken und Objekten. Welche fallen dem Direktor besonders ein? Hoffmann nennt Stücke, die man von mehreren Seiten betrachten könne. Er erwähnt eine Skulptur von Alfred Hrdlicka, der „Schreibtischtäter“ – gemeint ist Adolf Eichmann, der als Organisator des Holocaust gilt.
Hoffmann nennt aber auch das Auto, in dem 1914 in Sarajewo der habsburgische Thronfolger Franz Ferdinand und dessen Frau erschossen wurden. Der Wagen stehe für den Beginn des Ersten Weltkriegs, er stehe aber auch für Gewalt ganz allgemein – und die Frage, wie man Gewalt ausstellen kann.